Das Zweifamilienhaus in Cottbus Madlow ist wunderschön renoviert, mit liebevoll gepflegtem Garten. Früher war es von Wiesen und Feldern umgeben, ein herrlicher Ort. Heute liegt das Haus auf einer Insel. Es wird umrundet von der Wendeschleife der Straßenbahn, alle 15 Minuten quietschen die Räder. Vor der Haustür verläuft eine Einfallsstraße (16 000 Fahrzeuge pro Tag), daneben eine Straße, die den Lkw seit Einführung der Maut als Ausweichroute dient. Dazu die Autobahn, 300 Meter entfernt.Karla-Ellen Kuberski, 54, ist in diesem Haus geboren. Sie hat miterlebt, als 1970 für die eingleisige Straßenbahnlinie eine Wendeschleife gezogen wurde - mit Enteignungen und ohne eine Möglichkeit der Bürgerbeteiligung. "Das war der erste Moment der Hilflosigkeit", erinnert sie sich. Seit damals kennt Karla-Ellen Kuberski den Lärm. Von morgens um 4.50 Uhr bis abends 20.25 Uhr. Trotzdem hat sie irgendwann mit ihrem Mann das Haus von den Eltern übernommen und saniert. "Wir waren blauäugig", sagt Harald Kuberski, 57. "Waren jung, hatten gute Nerven und dachten nicht, dass uns der Krach so stören würde." Doch die Verkehrsbelastung auf den umliegenden Straßen nahm zu. Es wurde lauter, die Lebensqualität sank. Mit dem Autobahnausbau bekam Gallinchen eine Lärmschutzwand, Madlow nicht. "Weil wir nicht als reines Wohngebiet gelten, müssen wir mehr Lärm ertragen als andere."Mittlerweile erkennen die Eheleute am Quietschen der Straßenbahn die Wetterlage, und sie wissen, welche Fahrer langsam um die Kurve fahren. "Denen sind wir dankbar", sagen die Eheleute. Er arbeitet als Ingenieur, sie ist Beamtin. "Wir brauchen einen Ruhepunkt. Aber den finden wir zu Hause immer weniger." Vor allem, seit die Stadt einen Ausbau der Wendeschleife plant: mit einem Parkplatz direkt unter dem Küchenfenster der Kuberskis und mit Busverkehr rund um die Uhr. Sie haben eine Bürgerinitiative gegen die Pläne gegründet. Wenn das nichts hilft, ziehen sie weg. An einen ruhigen Ort.