"Tief im Westen wird das Phänomen für etwa zwei bis drei Wochen am Himmel zu sehen sein", kündigt der Hobbyastronom und Bürgermeister der Gemeinde Krauschwitz an. Allerdings handele es sich um keinen Stern, sondern um einen Kometen. Genauer gesagt, um Hale-Bopp. "Der fliegt diesmal ganz nahe an der Sonne vorbei. Mal sehen, ob er dort auseinanderplatzt", hofft der Grausteiner Martin Kulisch, stellvertretender Vereinsvorsitzender. Wenn dies tatsächlich passiert, könnte es eine wunderschöne Lichterscheinung am Himmel geben. Das Licht bräuchte vom Kometen bis zur Erde nur ganze zehn Minuten.

Um diesem Spektakel beizuwohnen, müsse aber eines stimmen: und zwar das Wetter. Die Hobbyastronomen hoffen deswegen auf möglichst klare Tage um Weihnachten. Ihr am vergangenen Wochenende angesetzter Beobachtungsabend war nämlich im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen.

Treffpunkt der Lausitzer Sterngucker war am Freitag das Grausteiner Sportlerheim bei Spremberg. Doch dort regnete es an diesem Abend allerdings in Strömen und nicht ein einziger Stern zeigte sich am Himmel. Dabei hatte Martin Kulisch extra sein großes Spiegelteleskop mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern mitgebracht.

Natürlich nicht nur, um den Mond oder die Nachbarplaneten Mars und Venus zu beobachten. Sondern, um nach fremden Galaxien Ausschau zu halten. Und um diese kosmischen Phänomene zu fotografieren. Selbst eine Sternenexplosion konnte der 30-Jährige durch sein Teleskop bereits festhalten. Der "große Knall" habe sich ungefähr 2700 Lichtjahre von der Erde entfernt zugetragen. Zum Vergleich: Die Erde ist von der Sonne gute acht Lichtminuten entfernt. Distanzen, die sich kaum jemand tatsächlich vorstellen kann. Martin Kulisch arbeitet jetzt an seiner eigenen kleinen Sternwarte im Grausteiner Garten.

"Ich will dort mein Teleskop fest montieren. Die entsprechende Säule steht bereits", gibt er den aktuellen Stand wider.

Schließlich dauert der Aufbau des wertvollen Gerätes bisher locker eine halbe Stunde. Innerhalb dieser Zeit könne viel passieren. Beispielsweise Wolken wieder den Nachthimmel verdecken. Der Sachbearbeiter für Elektrotechnik hofft, dass seine neue Mini-Sternwarte im Laufe des kommenden Jahres in Betrieb gehen kann.

Kulisch gehört zu den Gründungsmitgliedern der Lausitzer Sterngucker. Anno 2014 feiert der Verein sein mittlerweile zehnjähriges Bestehen. Und es war Hale-Bopp, der den Grausteiner zur Astronomie brachte. Im Jahr 1997 flog der Komet schon einmal an der Erde vorbei. Seitdem lassen die Himmelsphänomene den Grausteiner nicht mehr los. "Es gab Zeiten, da habe ich tagsüber geschlafen und nachts beobachtet", erinnert sich der 30-Jährige schmunzelnd.

Seitdem er Vater einer Tochter ist, sei dies so einfach nicht mehr möglich. Dennoch freut sich Kulisch, wenn es eine klare Nacht gibt, und er Zeit für den Kosmos hat.

In der Weihnachtszeit dürften die Sterngucker bei günstigem Wetter Nacht für Nacht dem Kometen auf der Spur sein. Gefahr für die Erde bestehe indes nicht, erklärt Rüdiger Mönch. Beide Himmelskörper trenne eine Entfernung von beruhigenden 200 Millionen Kilometern. Das entspricht in etwa der 520-fachen Entfernung zwischen Erde und Mond.