Ein ungesichertes Absaugrohr im Pool funktioniert wie ein großer Staubsauger. Ist der Schwimmer einen Meter entfernt, spürt er nichts. Aber gerät sein Körper vor das Rohr, ensteht ein enormer Unterdruck. Der Mensch kann sich nicht losreißen. Er ertrinkt.

So erklärt sich Steven Schwerdtner vom Spreewelten-Bad in Lübbenau den Unfall des kleinen Lucas. Ein Unfall, der in seiner Einrichtung nicht passieren könnte, sagt Schwerdtner. „Einen Saugmechanismus gibt es bei uns gar nicht.“ Stattdessen laufe das Wasser über die Beckenkante und eine Rinne ab.

Ähnlich zirkuliert das Wasser im Erlebnisbad Senftenberg. Dort gebe es zwar Absaugrohre, erklärt Leiterin Daniela Ulrich. Diese seien aber nicht im Becken angebracht. Stattdessen läuft das kühle Nass durch Gitter in eine Rinne und in einen Speicher. Erst dort arbeiten Saugrohre, fernab von jedem Badespaß der Lausitzer Besucher. „Deshalb sind solche Unfälle wie auf Fuerteventura bei uns auf gar keinen Fall möglich“, stellt Ulrich fest.

Die Mitarbeiter der Lausitzer Badebetriebe sind sich einig: Besucher öffentlicher Schwimmbäder in Deutschland planschen und schwimmen sicher. Die gesetzlichen Vorgaben seien hierzulande überdurchschnittlich hoch: Der TÜV müsse die Bäder vor Inbetriebnahme zertifizieren, jede Änderung der Wasserzirkulation unterliege einer erneuten Anmeldung und Prüfung. „Bei uns gibt es keine Sicherheitslücken“, betont Steven Schwerdtner vom Spreewelten-Bad.

Im Gegensatz zu manchem Hotel-Pool in beliebten Reiseländern, wie der tragische Tod des achtjährigen Lucas offenbart. Jens Hackbart, Geschäftsführer der Lagune Cottbus: „In südlichen Ländern nehmen Hotels Sicherheitsvorgaben oft nicht so genau.“ Den Eindruck hat auch Torsten Ende, Schwimmmeister in der Lagune. Oft gebe es andernorts kaum staatliche Vorgaben, diese würden auch noch mangelhaft überwacht. Und eine permanente Aufsicht am Hotel-Pool sei erst recht die Ausnahme.

Wie aber können Eltern ihre Kinder vor Badeunfällen im Urlaub schützen? Schwimmmeister Ende empfiehlt den „Handtuch-Test“. Zunächst müssten Vater oder Mutter im Pool Ansaugungen, also vergitterte Öffnungen in der Beckenverkleidung, orten. Mit einem Handtuch sollten sie dann das Gitter unter Wasser bedecken. Ließe sich der Stoff problemlos wieder abziehen, bestünde keine Gefahr. „Grundsätzlich brauchen Kinder außerdem eine permanente Aufsicht im Pool“, sagt Ende. „Und zwar nicht von der Sonnenliege aus, sondern in Greifnähe.“

Selbst dieser Tipp hätte dem kleinen Lucas nicht geholfen. Ein Mann bemerkte das Kind unter Wasser und versuchte, es vom Sog zu befreien. Seine Kraft reichte dafür nicht aus.

Zum Thema:

Tod im Pool: Badeunfälle aufgrund von Sog-WirkungJuli 2011: Ein deutsches Mädchen ertrinkt in einem illegalen Hotel-Pool in Bulgarien. Laut Polizei hat ein ungesichertes Abwasserrohr der Kläranlage die 13-Jährige angesaugt. August 2011: Eine elfjährige Schweizerin ertrinkt im Nichtschwimmerbecken einer türkischen Hotelanlage. Ähnlich wie beim Unfall in Bulgarien und auf Fuerteventura hat eine starke Wasserpumpe das Kind unter Wasser festgehalten.