Für die Geschichte des Rundfunks in Deutschland ist Herzberg ein historischer Ort, allerdings einer, von dem nicht viel geblieben ist. In der Zeit des Nationalsozialismus war das anders. Damals stand hier der Deutschlandsender III, ein Langwellensender über den Propagandaminister Goebbels und seine Gefolgsleute ihre Radioprogramme ins ganze Land ausstrahlen konnten. 337 Meter ragte die Stahlkonstruktion in den Himmel, 37 Meter höher als der Eiffelturm und nur wenige Meter kürzer als das höchste Bauwerk der Welt zu dieser Zeit, das Empire State Building in New York.

Das Radio hatte für die neuen Machthaber in Deutschland eine zentrale Bedeutung. Schon unmittelbar nach der Machtergreifung wurde der Fackelzug zu Ehren Hitlers übertragen. Goebbels setzte umgehend einen Apparat in Gang, der nicht nur dafür sorgte, dass alle Sendeanstalten im Reich gleichgeschaltet und auf Linie der Führung gebracht wurden. Er setzte auch einen beachtlichen technischen Aufholprozess in Gang, der Deutschland, 1933 noch eher unterentwickelt bei der Ausbreitung des neuen Mediums, an die Spitze der Radioentwicklung brachte. Der Volksempfänger wurde mit seinen diversen Ablegern in Millionen Haushalte gebracht. Jeder sollte dem „Erziehungsmedium“ der Reichsführung und den Reden des Diktators lauschen können.

Bei der Sendetechnik knüpften die Nationalsozialisten an die bereits bestehenden Strukturen der Weimarer Republik an und bauten diese aus. Neben den bereits bestehenden Deutschlandsendern I und II bei Königs Wusterhausen wurde ein weiterer, noch größerer, noch leistungsstärkerer Langwellensender errichtet. Die Pläne, die zunächst einen Standort in Brück bei Potsdam vorsahen, wurden auf Wunsch Goebbels geändert. Mitten im Deutschen Reich sollte der neue Sender stehe. Und diese Mitte lag, nach Berechnungen aus der Kaiserzeit vor dem Ersten Weltkrieg, bei Herzberg.

Also setzte ab 1934 ein großer Baubetrieb ein. Wo man bisher vor allem landwirtschaftliche Strukturen vorfand, rückten Baufirmen mit modernster Technik ein. Lokale Betriebe, Hotels und Pensionen rieben sich die Hände. Ein Heer von Bauarbeitern wurde benötigt, um das Wunderwerk der modernen Technik zu errichten. Täglich fuhren Busse zum Anhalter Bahnhof nach Berlin, Fuhrunternehmen und lokale Arbeitskräften sorgten zusätzlich dafür, dass die Region von dem Bauvorhaben profitierte.

Zwei Hauptgebäude wurden errichtet, ein Bahnanschluss und natürlich der Sendemast, das eigentliche Herzstück der Anlage. 337 Meter ragte die Riesenantenne in die Höhe. Auf 325 Metern Höhe trug der Gittermast eine sogenannte Dachkapazitätslinse von 25 Metern Durchmesser. Stahlseile wurden vom Mast in alle Richtungen gespannt. Die meterhohen Betonfüße, an denen sie befestigt wurden, sind noch heute in Herzberg zu sehen.

Die Programme, die über die deutschen Sendestationen ausgestrahlt wurden, waren bereits zum Ende der Weimarer Republik unter staatliche Kontrolle gebracht worden. Goebbels sorgte dann endgültig für die Vereinheitlichung der neuen „Reichssender“. Warum? Das erläuterte er den Rundfunk-Intendanten am 25. März 1933 höchst selbst: „Die Phantasie muss alle Mittel und Methoden in Anspruch nehmen, um die neue Gesinnung modern, aktuell und interessant den breiten Massen zu Gehör zu bringen, interessant und lehrreich, aber nicht belehrend.“

Die neuen Machthaber setzten auf Unterhaltung, gerade nach dem Kriegsbeginn 1939. „Sie wollten Ablenkung und Entspannung bieten, aber gleichzeitig auch Aufmerksamkeit für die eigene Propaganda wecken“, so der Historiker Konrad Dussel in seinem Buch „Deutsche Rundfunkgeschichte“.

Peter Manteuffel präsentiert die größte Senderöhre, die in den dreißiger und vierziger Jahren gebaut wurde. Sie kostete damals 21 000 Reichsmark und wurde in die Endstufe des Herzberger Senders eingebaut.

Peter Manteuffel präsentiert die größte Senderöhre, die in den dreißiger und vierziger Jahren gebaut wurde. Sie kostete damals 21 000 Reichsmark und wurde in die Endstufe des Herzberger Senders eingebaut.

Doch nicht nur zur Propaganda der Machthaber diente der Herzberger Deutschlandsender. Als es am 20. Juli 1944 zum Hitlerattentat kam, versuchten auch die Widerstandskämpfer um Graf Stauffenberg, sich des Deutschlandsenders zu bemächtigen. In den Wirren nach dem gescheiterten Attentat wurde die Panzer-Brigade „Groß Deutschland“ aus Cottbus angewiesen, die Anlagen in Herzberg und Zeesen zu besetzen. Das geschah auch, zum Senden eigener Meldungen durch die Widerstandskämpfer kam es allerdings schon nicht mehr.

Stattdessen wurden zum Kriegsende hin auch die berüchtigten Werwolfsendungen, in denen die Bevölkerung zu Terroranschlägen auf die anrückenden Armeen und zum Widerstand bis zum letzten Atemzug angehalten wurden, über Herzberg ausgestrahlt.

Auch die Alliierten hatten ein Auge auf den Herzberger Sender geworfen. Bereits 1944 gab es einen Vorschlag, ihn nach Kriegsende als gemeinsamen Kontrollratsender zu nutzen. Da dieser Vorschlag von sowjetischer Seite allerdings unbeantwortet blieb, entschlossen sich die Amerikaner im April zum Angriff. 15 Jagdbomber rückten in drei Wellen am 19. und 20. April an. Erst der dritten Welle gelang es, den massiven Betonbau zu treffen und die Anlage zum Schweigen zu bringen.

Zerstört war der Sender damit aber noch lange nicht. Das erledigten erst die Sowjets, die im Juli 1946 mit der Demontage begannen. Alle verwertbaren Teile wurden in Kisten verpackt, der gesamte Sendemast von Herzberger Arbeitskräften zerlegt. Wo die Teile hingeschafft wurden, ist bis heute unklar.

Den finalen Stoß erhielt die Anlage dann im Januar 1950, als die Gebäude gesprengt wurden. Auch das gelang allerdings nicht vollständig. Auf den Resten wurde später teilweise das heutige Herzberger Wasserwerk errichtet.

Dass wir heute wieder über diese Ereignisse wissen, ist dem Bemühen engagierter Heimatforscher zu verdanken, allen voran dem 2012 verstorbenen Helmut Knuppe. Der Deutschlandsender sei „ein Stück Heimatgeschichte, das leider in der DDR-Zeit totgeschwiegen und in keiner Form dokumentiert wurde“ schrieb Knuppe in seinem Buch „Ein Riese unter Riesen“.

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