Von Bodo Baumert

„Die Sonne meint es beinahe zu gut an diesem Maientag, Die herrliche Frische des Waldes, die uns empfängt, als wir von der Branitzer Chaussee nach rechts in einen holprigen Waldweg einbiegen, tut deshalb gut. Eichen, Buchen, Birken und Erlen bilden mit ihren Kronen ein dichtes grünes Blätterdach, das die Strahlen der Sonne nur wenig hindurchlässt.“ Geradezu lyrisch beginnt die Reportage, mit der die Lausitzer Rundschau im Mai 1954 von der Baustelle des künftigen Tierparks berichtet. Vieles ist noch improvisiert, Wege und Zäune noch nicht fertiggestellt. Trotzdem wird der Tierpark wenige Tage  später seine Tore öffnen, pünktlich zum Kindertag am 1. Juni.

„Ein wüster munitionsverseuchter Urwald mit vielen Bombentrichtern, die noch vom Luftangriff auf den Cottbuser Bahnhof herrührten.“ So erinnert sich Wolfgang Schenk an die Flächen an der Spree, die zum Grundstein des Tierparks werden sollen. Der Forster ist damals Lehrling im staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Peitz und packt mit anderen Beschäftigten der Forstwirtschaft für den Tierpark mit an. Später wechselt er und wird einer der ersten Tierpfleger in Cottbus.

Die Entscheidung, in Cottbus einen Tierpark zu errichten, fällt kurzfristig. Die Umsetzung im Nationalen Aufbauwerk findet parallel zum Bau der Cottbuser Pioniereisenbahn statt. Neben den Peitzern sind auch Forstbeschäftigte aus Annaburg und Weißwasser im Einsatz, um den Wald an der Spree in einen Tierpark zu verwandeln. Bau­material ist ja genug vorhanden.

Vieles ist improvisiert, erfüllt dennoch seinen Zweck. „Erst am dritten Tage wurde alles übersichtlicher. Das Dickicht hatte sich stark gelichtet, besonders auf geraden Wegstrecken konnten wir uns mit den anderen sehen“, erinnert sich Wolfgang Schenk.

Von heutiger Größe ist der damalige Tierpark noch weit entfernt. Die ersten „Bewohner“ sind Leihgaben oder Geschenke von Tiervereinen: Rehe, Wildschweine, Habichte, Enten, ein Fuchs – dessen Gehege „mit Rücksicht auf seine Schlauheit mit solidem Maschendraht versehen“ wird, wie die RUNDSCHAU damals berichtet.

Der ehemalige Tierpark-Direktor Klaus-Jürgen Jacob nennt in der Chronik zum 40-jährigen Bestehen des Parks 1994 noch einige der Namen der ersten Bewohner: „ein Wildschwein namens ‚Matscho’, das Hirschkalb ‚Jutta’, der Steppenhund ‚Dingo’“.

Zelte, in denen Bild- und Textmaterial über den Wald, seine Pflanzen- und Tierwelt zu finden sind, ergänzen das Angebot der ersten Stunde. Schenk steuert Terrarien und ein paar Zimmerpflanzen bei, um die Zelte zu gestalten. Der Barkas vom Rat der Stadt wird kurzfristig organisiert, um das alles zu transportieren. Und auch Vereine wie die Rassenkaninchenzüchter beteiligen sich.

„Ein Goldfasan“ ist auch dabei“, titelt die RUNDSCHAU schließlich nach der Eröffnung am 1. Juni.

 Der Charakter der Tierparks unter großen Bäumen, der bei fast jedem Wetter zum Spaziergang einlädt, ist auch in den Anfangstagen schon erkennbar.

„Ja, unser Tierpark wird eine feine Sache. Er wird vielen Menschen Erholung und Entspannung bringen“, ist sich der RUNDSCHAU-Reporter bereits im Mai 1954 sicher. Am Anfang sieht es danach zunächst aber gar nicht aus. „Zu unserer Enttäuschung fanden am Eröffnungstag nur wenige Besucher den Weg dorthin“, erinnert sich Wolfgang Schenk. Kurze Zeit später sieht das aber schon ganz anders aus. „Schon um 11 Uhr kamen die ersten Busse, und bald brachte auch die Pioniereisenbahn viele Gäste“, erinnert sich Schenk.

Das Lob der Besucher fiel überschwenglich aus, auch aus fachlicher Sicht. „Selbst Professor Heinrich Dathe, der legendäre Tiergärtner und langjährige Direktor des Tierparks Berlin-Friedrichsfelde, war entzückt von diesem idealen Platz für Tiere“, berichtet Klaus-Jürgen Jacob. Die Ost-Berliner waren damals noch nicht so weit.  Erst ein Jahr später feierten sie die Eröffnung  ihres Tierparks.

Unter der Leitung von Erhard Frommhold (1956-1963) stieg der Cottbuser Tierpark zum staatlich anerkannten Zoo auf – als einer von zunächst acht in der DDR. Inzwischen hatte sich auch das Angebot der Tiere erweitert. Exoten wie die Trampeltiere und Bären waren hinzugekommen. Später folgte mit der kleinen Sundali der erste Elefant. Ein Stelzvogelhaus entstand, ein Raubtierhaus, die Gaststätte. Dennoch blieb der Tierpark seinen Ursprüngen treu. Die Huftieranlagen und auch die Wildschweine sind bis heute zentrale Elemente der Cottbuser Anlage, ebenso wie die vielen Schatten spendenden Bäume.

Mehr zur Geschichte des Cottbuser Tierparks finden sie hier:

Die Geschichte der Cottbuser Elefanten

Die Geschichte des Pflegers und Aufbauhelfers Wolfgang Schenk

In der Printausgabe der RUNDSCHAU gibt es am Samstag zudem ein Fotorätsel. wer weiß, wann die Bilder entstanden sind, kann eine Familienkarte für den Tierpark gewinnen.

Bildergalerie Die ersten Zäune sind aus Holz, werden dann durch Draht ersetzt.