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Lausitzer erhalten viel Geld vom Fiskus zurück

Cottbus. Nach der aktuellen RUNDSCHAU-Umfrage zur Steuerserie ist klar: Bei den meisten Lausitzern fällt der Groschen. Rückzahlungen vom Finanzamt in vierstelliger Höhe sind keine Seltenheit. Jedoch löst die Leitzins-Senkung der Europäischen Zentralbank einige heftige Reaktionen aus. Rüdiger Hofmann

Ob in der RUNDSCHAU-Serie "Steuern sparen" oder beim Telefonforum: Die Leser haben sich in den vergangenen Tagen wertvolle Tipps zum Ausfüllen ihrer Steuererklärung einholen können. Wenn es um Geld geht, werden viele hellhörig. 80 Prozent der rund 800 Teilnehmer einer nicht repräsentativen RUNDSCHAU-Umfrage haben die Steuerserie gelesen und füllen eine Erklärung aus. Gefragt war ebenso der Steuerexperte beim Telefonforum: Die Drähte glühten, mehr als 40 Leser riefen in zwei Stunden an.

55 Prozent der Befragten füllen ihre Steuererklärung selber aus. Lohnsteuerhilfevereine oder einen Steuerberater nutzt etwa jeder Fünfte. Elektronische Angebote lösen allmählich das Ausfüllen von Papierbögen ab. Deutlich mehr Lausitzer verwenden Formulare aus dem Internet, nur noch wenige kämpfen sich manuell durch den gesamten Papierkram.

Erstaunlich sind die hohen Summen, die zurück in den Geldbeutel der Lausitzer fließen. Jeder Dritte bekommt mehr als 1000 Euro zurück. Ein beträchtliches Sümmchen, das viele Leser auf die hohe Kante legen oder sich einen Urlaub davon gönnen.

Viele Fragen hatten die Leser und Anrufer beim Telefonforum zum Thema Rente. Nachdem der Gesetzgeber Rentenerhöhungen beschlossen hat, herrscht Verunsicherung. In Ostdeutschland steigt die Rente laut Bundessozialministerium zum 1. Juli um 5,95 Prozent, im Westen um 4,25 Prozent - die höchste Rentenerhöhung seit 23 Jahren.

"Die Rentner profitieren damit unmittelbar von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt, dem Wachstum der Wirtschaft und steigenden Löhnen", sagt Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD). Viele Leser fragen sich: Muss ich als Rentner nun eine Erklärung ausfüllen und Steuern zahlen? "Bei Rentenbezügen vor 2006 sind 50 Prozent der Bruttorente steuerpflichtig. Bei Renteneintritt ab dem Jahr 2006 steigt der steuerpflichtige Anteil um zwei Prozent", sagt Steuerberater Jens Enke. "Generell ist das Einkommen bis 16.944 Euro bei Ehepartnern beziehungsweise 8.472 Euro bei Alleinstehenden steuerfrei", so der Experte.

Neben der Rente sind die Leser auch an den Steuerthemen Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen interessiert. Als kurzes Fazit gilt: Alle Ausgaben rund um den Job gelten als Werbungskosten. Sonderausgaben fallen in den Bereich der persönlichen Lebensführung. Und außergewöhnliche Belastungen sind etwa Ausgaben aufgrund einer Krankheit oder einer Behinderung, aber auch Unterhaltszahlungen.

Heiß diskutiert wurde unter den Teilnehmern der Umfrage die von der Europäischen Zen-tralbank beschlossene Senkung des Leitzinses auf null Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten findet die Situation katastrophal, da Sparen nicht mehr belohnt wird. "Am Ende blutet immer der kleine Mann", so ein Leser.

"Das Geld ist bald nichts mehr wert", sagt eine Leserin. Neue Anlagemöglichkeiten müssten gefunden werden, um wenigstens noch etwas Rendite zu erzielen. "Sparen ist kaum noch sinnvoll, und die Zentralbank hat keinen Spielraum mehr, um eine "gesunde" Inflation zu erreichen", sagt ein weiterer Umfrageteilnehmer. "Was die wirtschaftlichen Folgen für die Europäische Union sind, kann heute niemand wissen. Ich habe Angst vor bösen Überraschungen", so der Leser.

Doch es gibt auch gegenteilige Meinungen: "Die Leitzinssenkung ist vorerst gut für Deutschland", sagt ein Leser. "Weil wir dadurch niedrige Lebenshaltungskosten haben. Es wird mehr für den Konsum ausgegeben. Die Niedrigzinsen kurbeln den Export an, und der stärkt die deutsche Wirtschaft, was zu höheren Löhnen führt", so der Leser.

Spezielle Steuertipps haben auch einige der Befragten auf Lager. "Grundsätzlich alle Belege sammeln und einreichen, auch wenn sie später nicht anerkannt werden", sagt eine Leserin. Soll außerdem heißen: Beiträge niemals bar bezahlen. Oder: "Werbungskosten in der Ausbildung oder beim Studium nutzen." Eine andere Leserin empfiehlt: "Für Aufwendungen bei der Jobsuche gibt es auch Pauschalen, wenn nicht schon eine Erstattung durch das Arbeitsamt erfolgte."