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| 18:45 Uhr

Kunst
„Zwiesprache mit meinem Bild“

Der Weißwasseraner Maler und Grafiker Horst Jurtz mit einem Aktbild. Er zeigt es zusammen mit anderen Werken in seiner ersten Ausstellung von Selbstporträts am 19. Juli im Wendischen Haus in Cottbus.
Der Weißwasseraner Maler und Grafiker Horst Jurtz mit einem Aktbild. Er zeigt es zusammen mit anderen Werken in seiner ersten Ausstellung von Selbstporträts am 19. Juli im Wendischen Haus in Cottbus. FOTO: Ingolf Tschätsch
WEISSWASSER/COTTBUS.. Der Weißwasseraner Maler Horst Jurtz stellt ab 19. Juli erstmals Selbstporträts in Cottbus aus. Er ist 84 Jahre und sprüht nur so vor künstlerischen Ideen. Von Ingolf Tschätsch

Ab 19. Juli hängt Horst Jurtz gleich 15-mal im Klubraum des Wendischen Hauses in Cottbus – salopp gesagt. Im Klartext: An diesem Tag wird dort die erste Ausstellung mit Selbstporträts des Weißwasseraners eröffnet. Insgesamt werden über 30 Bilder in den Formaten von 50 mal 50 Zentimeter bis zu 1,20 Meter im Quadrat zu sehen sein. Auf 15 von ihnen hat sich Jurtz selbst gemalt. Die andere Hälfte der Exposition zeigt Werke von ihm mit Blumenmotiven. Ein reizvoller Kontrast zu seinen Porträts. Es ist übrigens seine dritte Ausstellung im Wendischen Haus in der August-Bebel-Straße 82.

Warum gerade eine Exposition mit Selbstporträts und warum gerade jetzt? Horst Jurtz antwortet darauf mit einem Zitat der bedeutenden mexikanischen Malerin Frida Kahlo de Rivera: „Ich male Selbstporträts, weil ich oft allein bin, weil ich die Person bin, die ich am besten kenne.“ Diese Worte seien ihm regelrecht auf den Leib geschrieben, wie er erzählt. 2010 habe ihn ein schwerer Schicksalsschlag ereilt, als seine Frau Ursel starb. Seitdem lebt er allein. Er, der mittlerweile 84 Jahre alt ist, blickt zunehmend auf sein bewegtes Leben zurück, das nicht immer leicht war. Und weil Jurtz Maler und Grafiker ist, reflektiert er auf künstlerische Weise für ihn wichtige Erlebnisse und Ereignisse in seinen Bildern. Freudige wie traurige, lustige wie nachdenkliche. Eine Art Aufarbeitung seiner persönlichen Geschichte.

Diese Porträts sind keine pure Selbstdarstellung im negativen Sinne, wie Uneingeweihte meinen könnten. Denn für den Weißwasseraner  ist typisch, dass er sein Konterfei auf den Arbeiten mit einer Aussage, ja einer Botschaft, verbindet. Dabei greift Horst Jurtz auch relevante Themen des Alltags wie die zunehmende Gewalt auf. So hat ihn beispielsweise der Amoklauf 2016 im Olympia-Einkaufszentrum in München derart erschüttert, dass er seine Gedanken und Gefühle unbedingt in einem Bild zum Ausdruck bringen musste. Es zeigt unter anderem Friedhofskreuze und nackte Menschen. „Du gehst zur Tür raus und wirst erschossen. Man ist in dieser Gesellschaft völlig nackt und hilflos. Das wollte ich damit sagen“, erklärt er sein Werk.

Auf Jurtzes Porträts tauchen hin und wieder schwarze Raben auf. Das ist immer dann, wenn der Künstler dem Betrachter Trauer, Leid und Sorgen vermitteln will. Ein Stilelement, dass auch auf dem Bild zu finden ist, dass der Weißwasseraner kurz nach dem Tod seiner Frau schuf.

Nun ist es beileibe nicht so, dass der 84-Jährige nur düster-pessimistische, Weltuntergangsstimmung verheißende Motive dem Betrachter bietet. Nein, Horst Jurtz hat sich nach wie vor seinen Humor, seinen Spaß und Optimismus bewahrt, was auch von seinen Bildern ablesbar ist. „Da war ich doch unlängst mal beim Friseur. Und was soll ich sagen, die Dame hat meinen Kopf total verhunzt. Als ich nach Hause kam, war mir sofort klar, diese Situation musst du gleich in einem Bild verarbeiten“, berichtet er und lacht.

Und weil wir gerade bei Damen sind – die malt der Mann auch. Zum Beweis schleppt er in seiner Wohnung an der Humboldtstraße einen großformatigen Akt herbei, der auch in Cottbus zu sehen sein wird. Darauf er und eine Frau. Was, Jurtz im Adamskostüm? Nein, er oben ganz klein und angezogen, eher wie ein Passfoto, darunter groß die holde Schöne, nur von der Seite. Aber warum ist sie ganz in Blau gemalt? „Ich wollte sie nicht fleischfarben darstellen. Das wäre zu sehr ins Erotische abgedriftet. Außerdem erzeugt der Farbkontrast einen Aufmerksamkeitseffekt“, lautet die Begründung.

Eine Frage bleibt dennoch. Was will uns der Künstler mit diesem Werk sagen, zumal seine Anwesenheit auf dem Bild nicht zwingend notwendig gewesen wäre? Jurtz wäre nicht Jurtz, wenn er auch hier nicht mit einer plausiblen, seiner Intention verbundenen Antwort aufwarten würde: „Es soll das Zwiegespräch zwischen mir und dem Bild zeigen.“

Horst Jurtz hat noch viele Ideen. Er male jeden Tag. Vielleicht ist es das, was ihn geistig frisch hält. So schweifen seine Gedanken immer wieder zurück in die schweren Zeiten seiner Kindheit 1945 und kurz danach. „So muss ich oft daran denken, wie ich mit meiner Mutter mit der Schrotsäge Brennholz aus dem nahe gelegenen Wald im Bereich der heutigen Heinrich-Heine-Straße und Lutherstraße geholt habe“, erzählt er nachdenklich. Eine Anregung für ein neues Selbstporträt. Vielleicht entsteht es in seinem nicht weit von der Wohnung entfernten Garten, wo schon viele Bilder das Licht der Welt erblickten. „Das ist mein Freilichtatelier, dass ich nicht missen möchte“, erklärt der umtriebige 84-Jährige.

Die Ausstellung mit Grafiken, Aquarellen und Ölbildern von Horst Jurtz ist im Wendischen Haus in Cottbus, August-Bebel-Straße 82, vom 20. Juli bis zum 12. Oktober montags bis freitags von 10 bis 16.30 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen nach Vereinbarung zu sehen (0355 48576468, stiftung-lodka@sorben.com). Die Vernissage am 19. Juli beginnt um 19 Uhr.