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Zum Tag des Denkmals zieht Leben ein

Bad Muskau. Was wird aus der Brauerei Bad Muskau? Diese Frage wird beim Tag des offenen Denkmals am 10. September sicherlich vielfach gestellt werden. Regina Weiß

Dann wird das im Januar vom Freistaat Sachsen erworbene Gebäude erstmals seit längerer Zeit für einen Tag wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

"Das ist ein gesunder Fragereflex", sagt Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Doch aus Sicht des Parkleiters trägt er nicht. Noch nicht. Für den Umgang mit der Brauerei und dem Niederländischen Hof könnte das Kavalierhaus im Park Pate stehen. "Wir tasten uns ran und starten den einen oder anderen kleinen Testballon", umschreibt Panning die Vorgehensweise für die Zukunft.

Und er erinnert in dem Zusammenhang an die Geschichte. Über 20 Jahre stand der Großteil des Brauereigeländes leer. Ideen von einem Gesundheitszentrum verliefen im Lausitzer Sand. Mit dem Aus eines Getränkehändlers wurde das ganze Areal überhaupt nicht mehr genutzt. Lediglich die Natur machte sich dort weiter breit. "Mit dem Kauf hat der Freistaat Bad Muskau aus einer städtebaulichen Zwickmühle befreit", unterstreicht Panning. Hinzu komme, dass der Gebäudekomplex zum kulturhistorischen Erbe von Pückler gehört.

Bereits im Februar wurden auf dem Gelände Aufräumarbeiten gestartet. Dabei ging es vorrangig darum, den üppigen Wildwuchs zu beseitigen. Derzeit laufen dort weitere Arbeiten, um im Gelände aufzuräumen. Das Jahr 2018 soll dann den Sicherungsarbeiten gehören. Die umfassen auch den Abriss von Gebäuden oder Gebäudeteilen. So wird die Limosta (zuletzt Getränkehandel) verschwinden. Panning geht von einer sechsstelligen Summe aus, die das Ganze kosten wird.

Was die künftige Nutzung des Areals betrifft, gibt es durchaus schon Gedankenspiele. Ginge es nach Bürgermeister Andreas Bänder (CDU), könnte er sich in Teilen eine kurörtliche Nutzung vorstellen. Unter dem Motto "Klein, aber fein." Dazu müssen Gespräche mit privaten Interessenten geführt werden.

Cord Panning berichtet, dass für Bad Muskau gerade ein Gutachten über eine Sommerschule für Kunst- und Kulturschaffende erarbeitet wird. In diesem Zusammenhang spielen mehrere Objekte eine Rolle, auch die Brauerei. Eine Praktikantin hat mit ihrer Arbeit ermittelt, was es heute noch braucht, um Bier herzustellen. "Das wird in Form einer Power-Point-Präsentation beim Tag des offenen Denkmals gezeigt", so Cord Panning. Sicherlich wäre es schön, den Namen des Gebäudes im wahren Wortsinn wieder mit Leben zu erfüllen. Noch dazu, wo das alte Muskau eine Brauereitradition hatte. Bevor in der Neißestadt die preußische Gewerbeverordnung griff, wurde der Gerstensaft in 96 Häusern hergestellt.

Dieser historische Fakt ist einem Flyer zu entnehmen, der am 10.September präsentiert wird. Zwischen 11 und 17 Uhr können neugierige Gäste den Bau unter die Lupe nehmen. Es gibt Rundgänge durch die Eiskeller und die Brauerei. Wissenswertes werden Hans Schmidt und Bürgermeister An-dreas Bänder vermitteln. Erstgenannter ist Mitglied im Freundeskreis Historica und ein profunder Kenner der Geschichte der Parkstadt, Letztgenannter kommt damit an seine alte Wirkungsstätte zurück. Denn bis 1990 war Andreas Bänder Abteilungsleiter beim VEB Vereinigte Getränkebetriebe Cottbus, Betrieb Weißwasser, Abteilung II Bad Muskau.

www.muskauer-park.de

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Der Freistaat musste bei der Versteigerung am 11. Januar 100 000 Euro bieten, um Meistbietender zu sein. "Ansonsten hätten andere Bieter den Zuschlag erhalten", erklärte damals Referent Alwin-Rainer Zipfl aus dem Sächsischen Finanzministerium. Vier Bieter hatten sich an dem Tag auf ins Gericht nach Görlitz gemacht. Vorherige Versteigerungsversuche hatten zu keinem Erfolg geführt. Der Erwerb erfolgte, weil das Grundstück für den Unesco-Welterbestatus des Muskauer Parkes mit Blick auf den Umgebungsschutz eine besonders herausragende Bedeutung hat. Die Brauerei samt Gaststätte - erst Hotel Düsseldorf, dann Niederländischer Hof - wurde 1844/ 45 unter Fürst Pückler durch den wichtigsten preußischen Architekten der damaligen Zeit, Ludwig Persius, nach dem Vorbild der Berliner Bauakademie errichtet.