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| 15:06 Uhr

Strukturwandel in der Lausitz
Zukunftsplan vor Ausstiegsdatum

Dana Dubil (2.v..) und Anne Neuendorf (2.v.r.) kamen mit Bern Jakob, Silke Rudolf und Michael Hottas vom Tagebaubetriebsrat ins Gespräch.
Dana Dubil (2.v..) und Anne Neuendorf (2.v.r.) kamen mit Bern Jakob, Silke Rudolf und Michael Hottas vom Tagebaubetriebsrat ins Gespräch. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Für den DGB haben der Erhalt und der Ausbau von Industriearbeitsplätzen höchste Priorität. Von Regina Weiß

Das zweite Lausitzer Kohleflöz im Tagebau Nochten ist bis zu 15 Meter hoch, vergleichbar mit einem fünfstöckigen Gebäude. Baggerschaufel für Baggerschaufel wird es abgebaut, um im nahen Kraftwerk Boxberg zu Strom zu werden. „Wir können das gut, was wir tun. Und wir können es noch viele Jahre, wenn man uns lässt“, so Silke Rudolf. Die Betriebsratsvorsitzende der Tagebaue Nochten/Reichwalde hat zusammen mit ihrem Stellvertreter Bernd Jakob und Betriebsratsmitglied Michael Hottas erklärt, wie das mit dem Kohleabbau in Nochten funktioniert. Anne Neuendorf, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)  Sachsen und Dana Dubil, DGB-Regionsgeschäftsführerin Ostsachsen, sind vor Ort, um ein tieferes Verständnis für die Thematik zu entwickeln, über die in Berlin entschieden wird. Die Rede ist von der Kommission Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung (Kohlekommission). Nicht nur die DGB-Vertreterinnen, sondern auch die Beschäftigten im Tagebau haben den Verdacht, dass dort möglicherweise das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Die Ungewissheit sei spürbar, berichtet Silke Rudolf. „Gerade bei den jungen Leuten.“ Die Leag bilde weiter aus. Doch allgegenwärtig bleibe die Frage nach den Zukunftsaussichten. „Gerade unsere Region braucht doch junge Leute.“ In diesen ungewissen Zeiten sei es gut, wenn man zusammenrücke: Fast 80 Prozent der 890 Mitarbeiter sind gewerkschaftlich organisiert.

Die Kohlekommission soll den Strukturwandel und die Zukunft der Menschen ins Zentrum ihrer Arbeit stellen, fordert Anne Neuendorf. Erst müsse ein tragfähiges Zukunftskonzept für die Tagebauregionen stehen, bevor überhaupt über Kohle-Ausstiegsszenarien verhandelt werde. Dabei unterstreichen die DGB-Vertreter, dass der Erhalt und der Ausbau von Industriearbeitsplätzen oberste Priorität hätten. „Ohne die Industrie keine florierende Wirtschaft“, so Dana Dubil. Nur so könne es auch Menschen mit guten Einkommen geben.

Die Menschen haben sich eine gute Zukunft in der Lausitz verdient. „Ihre Arbeit im Kohleabbau war und ist Grundlage unserer Industrie und wir alle haben unseren Wohlstand auch ihnen zu verdanken“, macht Anne Neuendorf klar. „Einen zweiten Strukturbruch durch einen voreiligen Ausstieg aus der Kohleverstromung würde einen Bevölkerungsrückgang bedeuten, den die Region nicht verkraften könnte.“ Hinzu kommt das Thema Versorgungssicherheit. Die Menschen wollen weiterhin bezahlbaren Strom haben.

Wenn es um das Einsparen von CO2 geht, dann sollten auch andere Maßnahmen ergriffen werden. Firmen, wie Waggonbau Niesky, Siemens Görlitz oder Bombardier, transportieren ihre Waren auch über die Straße. Mit dem Ausbau der Bahnstrecken samt Elektrifizierung könnte der Transport auf die Schiene wandern und beim Schadstoffausstoß für Reduzierung sorgen.

Was die erneuerbaren Energien betrifft, ist es für den DGB wichtig, dass man die Arbeitsplätze dort auch aus Sicht wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeit betrachtet. Dort liege noch einiges im Argen.