Von Regina Weiß

In der Parkstadt gibt es ein Gefühl, das sich immer wieder Bahn bricht. „Hier wird doch nüscht“ – ist vor Jahren sogar in einen Film „gegossen“ worden. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch bei der Leitbild-Diskussion sich das bekannte Leidbild Muskaus Bahn bricht: In der Stadt ist so gut wie nichts passiert. Geld hat sie nicht bekommen. Und die Millionen fließen nur in den Park. Letzteres klingt so, als wäre der Landschaftsgarten der erklärte Feind der Städter. Hier Stadt, dort Park – kein Miteinander, nur Gegeneinander.

So reflektieren Bad Muskauer zum Teil ihre Stadt. Eine Stadt, die sich weiterentwickeln wird und soll und wo die Muskauer mitbestimmen sollen, wohin diese Entwicklung gelenkt wird. „Anders als gemeinhin üblich, sollte dabei kein Leitbild im üblichen Sinne herauskommen, um den Rest der Welt mit blumigen Worten anzulocken. Erklärtes Ziel ist es vielmehr, möglichst klare Vorstellungen zu entwickeln, was bleiben muss und was sich ändern sollte, damit die Stadt für ihre Bürger noch attraktiver, noch lebenswerter wird“, erklärt Prof. Ludwig Resch, der von der Stadt nicht nur als Moderator des Prozesses eingesetzt worden ist. Er soll am Ende die losen Fäden, die Ideen, zu einem großen Ganzen – möglichst ohne Knoten – zusammenknüpfen.

Fäden werden gesponnen. Das wird bei einem Bürgerdialog zur Leitbildfindung deutlich. Auch wenn rund 40 Besucher für eine fast 4000-Einwohner-Stadt nicht viel sind, gibt es geradezu ein Feuerwerk an Ideen, freut sich Resch. An den Tischen entspinnen sich unter den Teilnehmern – darunter auch einige aus Krauschwitz – lebhafte Gespräche. Papierbahnen füllen sich Stichwort für Stichwort.

Was erhalten werden muss, da finden die Teilnehmer schnell klare Worte: Kita und Grundschule für die Bildung, Einkaufsmöglichkeiten, das gute Verhältnis zum polnischen Nachbarn, die Zusammenarbeit in der Region. „Der Fürst-Pückler-Park ist genial“, unterstreicht Stadtrat Erik Schobner. Er zieht die Touristen an. Doch sie bleiben eben nicht lange genug. Ändern ließe sich das mit Wellnessangeboten aus Moor und Sole oder einem Gradierwerk. Die Verlängerung der Waldeisenbahn auf Rädern als Shuttle in der Parkstadt und bis Krauschwitz würde nicht nur Touristen, sondern auch den Einheimischen als Transportmittel nutzen. Für die Stärkung des Wir-Gefühls wäre die Wiederauflage eines Festes wie die Kneipennacht gut. E-Mobilität, ein wirklich nutzbarer öffentlicher Personennahverkehr, die Begrenzung des Durchgangsverkehrs, Barrierefreiheit, sanfter Tourismus und mehr, sind als Themenbilder angesprochen worden. Nicht in jedem Fall werden das Bad Muskaus Stadtobere selbst steuern können. Landes-, Bundes- und EU-Politik werden spätestens bei den Förderregularien eine Rolle spielen.

Manches zu ändern, braucht es kein Geld, nur eine andere Herangehensweise. „Wissen Sie eigentlich, wie schön sie es hier haben“, sagt mitten in der Debatte ein zufälliger Zuhörer der Veranstaltung im Kaffee König. Eine Woche Urlaub verbringe er hier mit seiner Frau, komme aus Süddeutschland. Dort wisse man zu wenig über das Ziel Bad Muskau. Außenwerbung steht demzufolge auch auf der To-do-Liste. Doch sie nützt wenig, wenn der Gast nicht weltoffen oder freundlich empfangen wird. Ein positives Wir-Gefühl kostet keinen Cent, könnte aber ein guter Grundstein sein.