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| 19:39 Uhr

Bahnprojekt
Züge und Pkw fahren künftig parallel

Christian Fritsche und Uwe Berger (r.) von der DB Netz AG haben am Dienstag den interessierten Bürgern in Weißkeißel und am Mittwoch in Rietschen das Vorhaben Streckenverlegung erläutert.
Christian Fritsche und Uwe Berger (r.) von der DB Netz AG haben am Dienstag den interessierten Bürgern in Weißkeißel und am Mittwoch in Rietschen das Vorhaben Streckenverlegung erläutert. FOTO: Regina Weiß
Weißkeißel. Die Vorzugsvariante für die neue Bahnstrecke zwischen Weißkeißel und Rietschen soll bis zum Jahresende stehen. Von Regina Weiß

Die Bürger von Haide lieben den Flecken Erde, auf dem sie wohnen. Idyllisch sei es, wenn man lange vor dem Aufstehen die Nachtigall singen hört oder nur auf dem Haus fallen muss, um im angestammten Pilzgebiet seiner Sammelleidenschaft nachzugehen. Um diese Lebensqualität haben sie Angst. Nicht nur, dass durch den näher kommenden Tagebau das Grundwasser gesunken ist, fürchten sie nun, dass in naher Zukunft die Züge sehr nah an ihren Häusern vorbeifahren werden. Nicht nur mögliche Lärmbelästigungen machen ihnen Sorgen, sondern auch die Auswirkungen der Erschütterungen durch den Bahnverkehr, der ihren Häusern zusätzlich zu schaffen macht.

Das alles ist Thema am Dienstagnachmittag im Dorfgemeinschaftshaus in Weißkeißel. Dorthin haben die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) und die Deutsche Bahn Netz AG (DB) zum Bürgerdialog eingeladen, um den Stand der Dinge bei der Streckenverlegung zwischen Weißkeißel und Rietschen zu besprechen. Die gewählte Form findet Andreas Lysk (parteilos), Bürgermeister von Weißkeißel, gut, noch dazu, wo er bei seiner Stippvisite eine ganz sachliche Atmosphäre ausmacht. „Transparenz ist ganz wichtig bei dem Projekt“, sagt er gegenüber der RUNDSCHAU.

Das ist auch beiden Projektpartnern sehr wichtig, unterstreichen Martin Klausch, Leiter für Bauwesen und Umsiedlungsmanagement bei der Leag, und Uwe Berger, Projektleiter der DB Netz AG. Anhand von Kartenmaterial können sie den Bürgern genau zeigen, wie derzeit der Stand der Dinge ist.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die neue Bahnstrecke hat den Bogen noch nicht richtig raus. Während die jetzige Schienentrasse auf zehn Kilometern schnurgerade an Haide vorbeiführtt und den Truppenübungsplatz Oberlausitz (TÜP) durchquert, wird sie künftig nicht nur drei Kilometer länger werden, sondern gleich zwei Bögen machen müssen. Hauptursache dafür ist das Fortschreiten des Tagebaus Reichwalde. Dieser schwenkt derzeit ins Nordfeld ein, um Anfang der 2030er-Jahre wieder die Richtung zu wechseln. Dann soll im Nordostfeld Kohle abgebaut werden.

Doch bevor sich der Tagebau auffächern kann, wie Martin Klausch erklärt, sind Voraussetzungen zu schaffen. Eine wichtige Maßgabe ist die im Braunkohleplan von 1994 bestätigte Verlegung der DB-Strecke. Auftraggeber dafür ist die Leag. Vorhabenträger ist die DB als Eigentümerin der Gleisanlagen. „Zum Winterfahrplan 2026 soll die neue Strecke in Betrieb gehen“, sagt Martin Klausch der RUNDSCHAU. Was sich nach langer Zeit anhört, ist für die beteiligten Fachleute ein sportliches Ziel. Noch dazu, wo sie sich im Stadium der Vorplanung befinden. Klar ist, dass die neue Trasse sehr nah an die B 115 rücken wird, sodass Autos und Züge fast parallel durch die Heide fahren. Die Leag spricht von einer sogenannten Medientrasse, noch dazu, wo auch Hochspannungsmasten in den Bereich wandern werden. Vieles ist schon klar, aber noch gibt es mehrere Varianten, welchen Bogen die Bahn nun fahren soll; allein für den Bereich Haide vier. Wobei eine durch den Ortsteil führt, eine andere die Kommandantur des TÜP durchschneidet. Für die Bürger aus Haide nicht die schlechteste Variante, ist sie doch am weitesten von ihren Häusern weg. Kurz vor Rietschen soll das Teich- und Naturschutzgebiet Niederspree/Hammerstadt nicht zerschnitten werden. Deshalb gibt es sogar zwei Bögen, die in das künftige Abbaugebiet des Tagebaus hineinreichen und dessen Abbaufeld verkleinern. Natürlich keine Vorzugsvariante für die Leag. Die Bahn muss wiederum darauf achten, dass die neue Strecke eine Geschwindigkeit von 160 km/h zulässt. Ihr Argument, das wäre auf der jetzigen Strecke auch möglich gewesen. Außerdem will sie ein zweites Planum für einen möglichen zweigleisigen Ausbau anlegen und auch die künftige Elektrifizierung im Blick haben, die ja von der Politik verstärkt gefordert wird. Für die Leag heißt der Status Quo: eingleisig und ohne Elektrifizierung. Inwieweit Qualitätsanpassungen erfolgen, darüber müsse noch gesprochen werden.

Gespräche wird es auch weiter mit den Bürgern aus Weißkeißel und Rietschen geben. Ende des Jahres soll es ein weiteres Treffen geben. Bis dahin soll nämlich die Vorzugsvariante stehen. Danach geht es in die bei einem solchen Millionen-Projekt – die Leag befindet sich als Zahler derzeit in der Kostenermittlung – erforderliche Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Das reicht von den Gemeinden über die Bundeswehr, den Landkreis bis hin zu den Naturschutzverbänden.

Die Leag rechnet derzeit mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren, damit das große Ziel pünktlich erreicht werden kann. „Wir haben keinen zeitlichen Puffer“, wird Martin Klausch sehr deutlich. Schließlich geht es um die Versorgungssicherheit für die Kraftwerke.

Noch gibt es mehrere Varianten (grüne, rote, braune und blaue Linie) für die Streckenverlegung zwischen Rietschen und Weißkeißel. Die gelbe Linie zeigt den Verlauf der Dichtwand für den Tagebau.
Noch gibt es mehrere Varianten (grüne, rote, braune und blaue Linie) für die Streckenverlegung zwischen Rietschen und Weißkeißel. Die gelbe Linie zeigt den Verlauf der Dichtwand für den Tagebau. FOTO: Deutsche Bahn