| 18:00 Uhr

Rassekaninchen
Züchter-Sorgen trotz ausgezeichneter Tiere

Michael Scholta mit der Siegerhäsin des Forster Züchters Uwe Krenz. Das Rassekaninchen erhielt 97,5 Punkte von möglichen 100.
Michael Scholta mit der Siegerhäsin des Forster Züchters Uwe Krenz. Das Rassekaninchen erhielt 97,5 Punkte von möglichen 100. FOTO: Ingolf Tschätsch / Tschätsch Ingolf
Weißwasser. 24. Kreisverbands-Schau für Rassekaninchen in Weißwasser ist auf hohem Niveau. Trotzdem beklagt der Gastgeberverein geringes Interesse der Öffentlichkeit. Das ehrenamtliche Engagement ist in schweres Fahrwasser geraten. Von Ingolf Tschätsch

Sie hat elfenbeinfarbiges, mittellanges, weiches, seidig glänzendes Fell, einen leicht gedrungenen Körper, rote Augen und ist im März geboren. Für die Häsin der Rasse Satin des Züchters Uwe Krenz aus Forst gibt es von den Preisrichtern bei der 24. offenen Kreisrasse-Kaninchenschau in Weißwasser das Prädikat „vorzüglich“ und 97,5 Punkte. Das bedeutet den Gesamtsieg unter den 171 ausgestellten Tieren in etwa 34 Rassen und Farbschlägen. Insgesamt haben elf Vereine aus Sachsen und Brandenburg teilgenommen.

Als Michael Scholta, Vorsitzender des gastgebenden Weißwasseraner Vereins und Ausstellungsleiter, die attraktive „Dame“ fürs Foto aus der Voliere holt, zeigt sich die Stallhäsin mit wenig Verständnis für das Blitzlichtgewitter des Fotografen. Vielleicht die Launen einer Diva. „Das Qualitätsniveau der Schau ist sehr hoch. Dafür sprechen die neun ‚vorzüglich’ bei den Alt- und sieben bei den Jungtieren“, so Scholta.

Besucher Werner Hardenberg zeigt sich beindruckt von den Tieren, als er mit dem Ausstellungskatalog in der Hand an den Volieren vorbeigeht. Hardenberg, ebenfalls Kaninchenzüchter, stammt aus Bayern und ist nach Rothenburg gezogen. Die Weißen Zwergwidder haben es ihm angetan, der Verein in Uhsmannsdorf ist die Heimstatt für sein Hobby. 2016 hat er selbst in Weißwasser ausgestellt. Krankheitsbedingt musste er in diesem Jahr passen. Etwas missfällt dem 69-Jährigen jedoch: „Dass hier ist eine Kreisschau, da müsste einfach mehr zu machen sein, wenn ich nur an die Anzahl der Tiere denke.“ Er wolle das nicht als Kritik an seinen „Kollegen“ verstanden wissen, kenne er doch aus eigener Erfahrung, wie viel Mühe diese ehrenamtliche Arbeit bereite.

Michael Scholta gibt ihm recht. „Ursprünglich waren 202 Kaninchen gemeldet. Weil aber aus tierärztlichen Gründen kurzfristig ein kompletter Verein absagen musste, sind wir zahlenmäßig weiter abgerutscht. Es gab Jahre, da haben wir hier 300 Tiere gezeigt“, entgegnet der Weißwasseraner Vereinschef. Er und Hardenberg kommen ins Diskutieren, wobei sich das ganze Dilemma zeigt, indem nicht nur die Züchter der Region stecken. Der Zuspruch für die Kaninchenhaltung sei stark zurückgegangen, heißt es. Laut Scholta schlage sich das in immer weniger werdenden Besucherzahlen nieder – auch in diesem Jahr wieder.

„Nur ein kleines Klientel, meist immer die gleiche, interessiert sich für unsere Tätigkeit“, beklagt der Weißwasseraner. Die Gruppe derjenigen, die sich für dieses schöne Hobby engagieren, schrumpfe, sei überaltert und Nachwuchs nur schwer zu bekommen. Dabei könne die große Kreisstadt auf eine 114-jährige Geschichte der Rassekaninchenzucht zurückblicken. „Von den 21 Mitgliedern bei uns ist ungefähr ein Drittel über 75 Jahre alt“, so Scholta. Hinzu kommen die vielen bürokratischen Steine, die den Züchtern in den Weg gelegt würden: neue Gesetze und Regelungen, Papierkram. So hätten die Kleingartenvereine in ihren Statuten Tierhaltung  untersagt, „weil es manchmal etwas stinken oder laut werden kann. “

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) will sich die Ausstellung ebenfalls ansehen – er hat einen der Pokale gestiftet – und wird somit Zuhörer der Sorgen und Nöte. „Wir arbeiten gerade an einem Konzept für die Kleingärten. Ein guter Vorschlag von Euch, nicht genutzte Parzellen am Stadtrand speziell nur an Kleintierzüchter zu vergeben. Ich werde diese Idee mit einbringen“, äußert sich der Oberbürgermeister hoffnungsvoll.

Von diesen Problemen der Erwachsenen hat die sechsjährige Sonja glücklicherweise noch keine Ahnung. Mit ihrer Familie ist sie nach Lund in Schweden ausgewandert und besucht gerade ihren Opa in Weißwasser. Heute schauen sich die beiden die Stallhasen im Brentanoweg an. Begeistert begibt sie sich im Streichelgehege auf Tuchfühlung mit ihren Lieblingen. Leider geht ihr Wunsch, ein kleines Kaninchen mit nach Hause nehmen zu können, nicht in Erfüllung. Keines der ausgestellten Kaninchen entspricht den Wunschvorstellungen des Mädchens. Michael Scholta macht dem schwedischen Gast jedoch einen Vorschlag. Wenn Sonja Weihnachten wieder ihren Opa besucht, bekommt sie ein Kaninchen aus der Zucht des Vereinsvorsitzenden. Versprochen. Sonja ist zufrieden und kann wieder lachen.

Besucher Werner Hardenberg betrachtet ausgiebig die ausgestellten Tiere. Er lobt die hohe Qualität der Tiere.
Besucher Werner Hardenberg betrachtet ausgiebig die ausgestellten Tiere. Er lobt die hohe Qualität der Tiere. FOTO: Ingolf Tschätsch / Tschätsch Ingolf