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Züchter aus Ost und West erfolgreich

Ost-West-Gipfeltreffen der Hühnerzüchter: Wolfgang Obermeier aus Bayern, Richard Hahn aus Schleswig-Holstein und Burkhard Witte aus Sachsen-Anhalt (v.l.).
Ost-West-Gipfeltreffen der Hühnerzüchter: Wolfgang Obermeier aus Bayern, Richard Hahn aus Schleswig-Holstein und Burkhard Witte aus Sachsen-Anhalt (v.l.). FOTO: Ingolf Tschätsch/igt1
Trebendorf. Krähen, Gackern, Schnattern, Gurren – 514 Hühner, Enten, Gänse, Tauben und Exemplare von Ziergeflügel sorgen dafür in der großen Halle der Reinert-Ranch Trebendorf. Hier lädt die zweitägige 24. vereinsoffene Ausstellung der Schleifer Rassegeflügelzüchter ein. Ingolf Tschätsch / igt1

Die Hauptakteure beim Federvieh sind dieses Mal die Rheinländer und Zwerg-Rheinländer. In einer Deutschland-Schau präsentieren die Sondervereine dieser beiden attraktiven Hühnerrassen 263 Tiere. Dazu sind 35 Züchter aus dem Bundesgebiet angereist.

Die Züchter. Beste Gelegenheit zum Fachsimpeln. Burkhard Witte, Richard Hahn und Wolfgang Obermeier gehen an den Volieren vorbei, bleiben hier und da stehen, diskutieren über die lebenden Exponate. Drei Züchter aus drei Bundesländern, Ost-West-Verbrüderung bei den Hühnerfreunden. Witte kommt aus Seehausen in Sachsen-Anhalt, Hahn aus Schafstedt in Schleswig-Holstein und Obermeier aus Dürrwangen in Bayern. Alle drei vereint die Liebe zu den Zwerg-Rheinländern. "Diese Rasse hat mich schon immer fasziniert, wegen ihrer rechteckigen Rumpfform und ihrer Legeleistung von mindestens 180 Eiern im Jahr", erklärt der Mann aus Dürrwangen. Und spricht damit seinen beiden Zuchtfreunden aus dem Herzen. Das Trio hat gute Hühner nach Trebendorf gebracht. Dreimal "vorzüglich" und einmal "hervorragend" vergaben die Preisrichter für die Tiere von Richard Hahn, zweimal "vorzüglich" und einmal "hervorragend" für Wolfgang Obermeier und einmal "hervorragend" für Burkhard Witte. Diesen ärgert, dass es immer weniger Rheinländer-Züchter gibt, viele überaltert sind und sich manche Zeitgenossen am lauten Krähen der Rasse stoßen.

Alle drei loben übereinstimmend die hervorragende Organisation durch den Schleifer Verein, die super Halle, die Unterbringung und das Rahmenprogramm. "Heute waren wir auf dem Njepila-Hof in Rohne. Mit Führung. Einfach beeindruckend", so Witte. Sechs Rheinländer blau, gesäumt, hat Helfried Kost aus Freiberg in Sachsen zur Sonderschau mitgebracht. "Alle sechs sind gut bewertet worden. Eine Henne erhielt sogar mit 96 von 100 Punkten das Prädikat ,hervorragend´'", erzählt er. Seine Frau Regina ist mit nach Trebendorf gekommen. Das Ehepaar ist ebenfalls davon angetan, was die Schleifer Gastgeber auf die Beine gestellt haben.

Die Besucher. Kathleen Wolf hat mit ihren Kindern Lotte und Erwin vor wenigen Augenblicken den Rundgang durch die Halle begonnen. Der fünfjährigen Tochter und dem 13-jährigen Sohn möchte sie diese Schau zeigen. Aber es gibt noch einen anderen wichtigen Grund für ihren Besuch. "Unsere Familie überlegt, eventuell nächstes Jahr selbst Hühner zu halten. Das Grundstück ist dafür groß genug. Auf einer Ausstellung haben wir eine Rasse gesehen, die uns gefallen hat. Ihren Namen wissen wir nicht mehr. Ich hoffe, diese Hühner hier zu finden und Informationen über die Haltungsbedingungen zu bekommen", berichtet die Bad Muskauerin der RUNDSCHAU. Später findet sie die Rasse und auch einen Züchter, der sie hält.

Bereits ein alter Bekannter bei den Veranstaltungen des Schleifer Vereins ist Peter Miertschink. Heute schaut er sich mit seinem Sohn Thomas auf der Ranch um. "Ich habe selbst so immer 40 bis 50 Hühner und jetzt sogar 20 Enten. Das ist dem Kauf von zwei Enten auf der Vorjahres-Schau geschuldet. Heute würde ich ja gern noch eine dazu kaufen. Doch da bekomme ich Ärger mit meiner Frau und lasse es lieber", erzählt der Gablenzer lachend. "Hut ab, was die Schleifer hier wieder organisiert haben. Was da für Arbeit dahinter steckt! Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen", fügt Miertschink hinzu.

Der Vereinsvorsitzende. Ronald Steffek aus Schleife hat alle Hände voll zu tun, der Katalog ist noch nicht da. Das bedeutet Stress pur. Die Anspannung steht ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben. "Ich bin im Großen und Ganzen zufrieden. Nicht jedoch mit der Beteiligung der Züchter von Rheinländern und Zwerg-Rheinländern. Das haben diese Zuchtfreunde selbst so eingeschätzt. 35 Teilnehmer sind einfach für zwei deutschlandweite Sondervereine zu wenig", argumentiert der Schleifer Vereinschef kritisch.

Wird es nächstes Jahr wieder so ein Highlight geben? Steffek wehrt ab: "Der Aufwand ist immens. Deshalb werden wir kleinere Brötchen backen und 2017 nur unsere vereinsoffene Schau präsentieren."

Helfried Kost aus dem sächsischen Freiberg mit seiner Frau Regina präsentiert hier seine Rheinländer-Henne, die das Prädikat "hervorragend" bekam.
Helfried Kost aus dem sächsischen Freiberg mit seiner Frau Regina präsentiert hier seine Rheinländer-Henne, die das Prädikat "hervorragend" bekam. FOTO: Ingolf Tschätsch
Weihnachtsgans Auguste war in grau zu sehen.
Weihnachtsgans Auguste war in grau zu sehen. FOTO: I. Tschätsch