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| 12:35 Uhr

Orchideenschau
Zu viel Pflege schadet Blüten und Wurzeln

Der Andrang während der Schleifer Orchideenschau war enorm. Hunderte Pflanzen zogen hunderte Besucher aus Brandenburg und Sachsen an.
Der Andrang während der Schleifer Orchideenschau war enorm. Hunderte Pflanzen zogen hunderte Besucher aus Brandenburg und Sachsen an. FOTO: Richter-Zippack
Schleife. Von Phalaenopsis bis Cattleya: Hunderte Orchideen sind im Sorbischen Kulturzentrum Schleife präsentiert worden. Auch fehlte eine Umtopf-Station nicht. Von Torsten Richter-Zippack

Schleife Man nehme Pinienrinde, ein wenig Buchenlaub, ein paar Moose und natürlich etwas Schaumstoff – und fertig ist der ideale Nährboden für Orchideen. Das sagt zumindest Frank Richter vom Lausitzer Orchideenbund. Der Eibauer bietet während der Orchideen-Ausstellung im Sorbischen Kulturzentrum Schleife eine Umtopf-Station an. „Denn der richtige Boden ist das A und O für ein langes Pflanzenleben“, begründet Richter. Alle zwei Jahre sollte umgetopft werden. Warum? „Weil dann zum einen das Wasser nicht mehr richtig abfließen kann und unangenehme Gerüche entstehen. Zum anderen, weil sich verschiedene schädliche Substanzen anreichern“, erklärt der Experte. Das Substrat müsse luftig sein, dann klappe es auch mit vielen und kräftigen Blüten.

Frank Richter weiß, wovon er spricht. Schließlich nennt der hauptberufliche Tischler und Zimmermann zwischen 400 und 500 Orchideen sein Eigen. „Pro Tag investiere ich mindestens drei Stunden in die Pflanzen“, rechnet der Hobbygärtner vor. Und weiter: „Zum Glück hat meine Frau viel Verständnis.“

Lutz Lehradt ist der Hauptorganisator der alljährlichen Orchideenschau in Schleife. Der Allmosener darf in diesem Jahr sogar ein Doppeljubiläum begehen. „Vor genau 50 Jahren hat mein Vater Kurt Lehradt, der als Steinmetz sein Geld verdiente, mit der Orchideenzucht begonnen. Denn zu DDR-Zeiten waren die Pflanzen eine heiß begehrte Ware.“ Und vor nunmehr 20 Jahren hatte Lutz Lehradt den väterlichen Betrieb übernommen. Rund 300 Pflanzen hat der Unternehmer nach Schleife mitgebracht. „Am bekanntesten ist die Phalaenopsis, die Schmetterlingsorchidee mit ihren dicken Blättern“, sagt Lehradt. Um möglichst lange viel Freude an den exotischen Gewächsen zu haben, empfiehlt der Experte lieber einmal zu wenig als zu viel zu gießen, höchstens jedoch einmal pro Woche. Alle zwei, drei Wochen sollte gedüngt werden, alle 24 Monate umtopfen. Wer sich daran halte, könne sich durchaus 25 bis 30 Jahre lang an seinen Pflanzen erfreuen. „Es gibt aber auch Leute, die die Orchideen schon nach 14 Tagen totbekommen haben“, weiß Lutz Lehradt.

Bei Bärbel Eichler gehören Orchideen zur Familie. „Die Blütenpracht fasziniert mich immer wieder aufs Neue“, sagt die Sprembergerin. 15 Pflanzen befänden sich in ihrem Heim. Und was sie besonders stolz macht: „Mein Sohn ist auch so orchideenbegeistert.“ Im Sorbischen Kulturzentrum hält Eichler nach gelb und orange blühenden Gewächsen Ausschau. „Mal sehen, ob ich was Passendes finde.“

Hartmut Meißner ist bereits fündig geworden. Freudestrahlend hält der Horkaer eine Cattleya-Pflanze in seinen Händen. „Ich schätze diese Pflanzen wegen ihrer herrlichen Blütenzeichnung“, erklärt der Züchter fachmännisch. Bereits seit dem Jahr 1980 hält Meißner Orchideen. „Die erste Pflanze hatte ich in der Gärtnerei Müller in Görlitz erstanden.“ Seitdem betreibe er das grüne Hobby als wunderbaren Ausgleich zu seiner Arbeit als Schweißer in Nieskyer Waggonbau.

Besonders oft klicken Smartphones und Kameras an der „grün-bunten Mitte“ des Saales des Kulturzentrums. Denn dort haben die Gärtner um Lutz Lehradt und Hans-Joachim Wlodarczyk innerhalb von nur fünf Stunden ein Blütenmeer gezaubert. Insgesamt rund 500 Besucher haben diese Attraktion und die weiteren Stände am Wochenende in Augenschein genommen. Nach Angaben von Helfer Detlef Scointz aus Allmosen findet die Schleifer Orchideenschau seit rund zehn Jahren statt. Wenn alles klappt wie geplant, folge die nächste Veranstaltung im zeitigen Frühjahr 2019.