„Mit einer
Genehmigung würden wir
gegen den
eigenen
Bebauungsplan und die
Gestaltungs satzung
verstoßen.“
 Dietmar Wolf,
Dezernent technische Dienstleistungen der Stadt Hoyerswerda


Vor zweieinhalb Jahren hatte sich André Stephan mit einem Bäder-Meisterbetrieb selbstständig gemacht. „Ich habe die alte Scheune gegenüber der alten Feuerwehrwache in der Senftenberger Vorstadt gekauft und einfach losgelegt“ , erzählt der 37-Jährige. Drei Monate vor der Geschäftseröffnung sei die Stadt auf ihn zugekommen, um das inzwischen als Büroraum mit Ausstellungsfläche ausgebaute Gebäude zu erwerben. Denn die Stadtväter hatten einen Bebauungsplan aufgestellt, um die benachbarte Fläche für Wohnhäuser baureif zu machen.
„Zu dem Zeitpunkt gab es für mich aber schon kein Zurück mehr. Ich musste den Laden aufmachen“ , erzählt André Stephan. Verwundert sei er über das Kaufgesuch schon gewesen. „Die Stadt hatte ihr Vorkaufsrecht zuvor nicht wahrgenommen. Und ich hatte eine ordentliche Baugenehmigung für den Ausbau der alten Scheune zu einem Laden“ , sagt er.
Klappern gehöre zum Geschäft, erklärt der Selbstständige weiter. Schnell habe er gemerkt, dass er als Neuling am Markt stärker auf seine Dienstleistungen aufmerksam machen müsste. „Deshalb habe ich im Rathaus beantragt, einen Querausleger mit meiner Werbung am Haus anbringen zu dürfen.“ Diese Vorrichtung an der straßenseitigen Hausfront sei nicht genehmigt worden, weil sie über den Fußweg ragen würde, so André Stephan. Deshalb habe er schließlich seine Fassade erneuert und beide seitlichen Außenwände mit Holzkonstruktionen versehen, an denen er mit Plakaten für das eigene Geschäft werben wolle.
Doch auch dies ist der Hoyerswerdaer Baubehörde jetzt ein Dorn im Auge. Die Plakate sind laut der Gestaltungssatzung, die für die Altstadt regelt, wo und wie geworben werden darf, nicht zulässig. „Ich soll die Fassaden-Plakate entfernen. Dabei stehen in unmittelbarer Nähe meines Geschäfts am Gehweg auch Aufsteller mit ähnlich großen Werbungen“ , sagt der Geschäftsmann. Er habe den Eindruck, dass er mit seinem Einzelunternehmen vom Standort vergrault werden solle, weil sein Geschäft perspektivischen Wohnungsbauplänen der Stadt Hoyerswerda im Wege stehen könnte. „Bis jetzt wächst hier nichts als Unkraut. Die dafür vorgesehene Fläche ist eher ein schlechtes Aushängeschild“ , schätzt André Stephan ein. Er störe ja keinen mit seiner Werbung. Die Kunden-Resonanz sei gut, sagt der Unternehmer. „Mir haben schon einige Leute, die sich beraten ließen, gesagt, dass sie erst durch die Plakate auf mein Geschäft aufmerksam geworden sind“ , erklärt der Unternehmer.
Dietmar Wolf, der Dezernent für technische Dienstleistungen im Hoyerswerdaer Rathaus, schließt aus, dass die Verwaltung dem Geschäftsmann entgegenkommt. Wolf räumt ein: „Es ist ärgerlich, dass die Stadt das Vorkaufsrecht für das Grundstück damals nicht ausgeübt hat.“ Aber das stünde auf einem ganz anderen Blatt und werde in keinem Fall dem neuen Eigentümer angelastet. „Bei Genehmigung dieser Fassaden-Werbung in der Senftenberger Vorstadt würden wir gegen unseren eigenen Bebauungsplan und unsere Gestaltungssatzung verstoßen“ , klärt Dietmar Wolf auf. Denn der Bebauungsplan sehe eine einzeilige Häuserreihe mit geschlossener Straßenfront vor. Zudem erlaube die Gestaltungssatzung in dem Teil des Stadtgebietes nur eine Werbeanlage am Gebäude. Und diese sei an der Straßenfront des Geschäftshauses bereits vorhanden.