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Zittauer Epitaphenschatz krönt das Lutherjahr

In der Ausstellung wird auch das Epitaph für Michael Walther aus dem Jahre 1648 gezeigt.
In der Ausstellung wird auch das Epitaph für Michael Walther aus dem Jahre 1648 gezeigt. FOTO: Städtische Museen Zittau
Zittau. Das Lutherjahr 2017 aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums ist in vollem Gange, und doch wirft sein Abschluss zumindest in der Oberlausitz bereits seine Schatten voraus. ume1

Am 30. Juli nämlich öffnet in der Zittauer Klosterkirche die Ausstellung "Ganz anders - die Reformation in der Oberlausitz" ihre Pforten. Diese gilt gleichzeitig als Höhe- und Schlusspunkt des Jubeljahres in der Region und schließt erst am 7. Januar.

Den zentralen Bestandteil der Ausstellung bildet der Zittauer Epitaphenschatz - ein in ganz Mitteldeutschland einzigartiger Bestand von circa 80 Grabplatten und -tafeln aus der Zeit von 1560 bis 1780.

Die Gedächtnistafeln, fachsprachlich als Epitaphen bezeichnet, wurden einst von Zittauer Bürgern und Handwerkern gestiftet. "Sie erzählen die Geschichten der Einwohner der Stadt Zittau vor circa 400 Jahren von der herrschenden Klasse bis zur Mittelschicht", erklärt Dr. Peter Knüvener, Direktor der Städtischen Museen Zittau. Unsachgemäße Lagerung und Behandlung hatten größtenteils katastrophale Spuren am gesamten Bestand hinterlassen. Anders als in den meisten Städten war er jedoch immerhin noch vorhanden und konnte so einer Restaurierung unterzogen werden.

Einen Vorgeschmack auf das Ergebnis können Besucher bereits jetzt in der Kreuzkirche, dem Sitz der Städtischen Museen, bekommen. Dort sind schon einige restaurierte Epitaphen ausgestellt. In der Klosterkirche werden ab dem 30. Juli zahlreiche der wichtigsten Werke präsentiert. Die Arbeiten kosteten 800 000 Euro, wozu auch Spenden von Privatpersonen, darunter Nachkommen der durch die Epitaphen Geehrten, beitrugen.

Zu den Prunkstücken zählt das Epitaph für Georg Schnitter von 1662. "Das ursprünglich stark verschmutzte, in der Farbfassung gelockerte und vom Holzwurm befallene Epitaph ist von einem Fachmann aus Batzdorf bei Dresden über einen Zeitraum von circa vier Monaten restauriert worden", berichtet Peter Knüvener. Georg Schnitter (1552 bis 1624) gehört sicherlich zu den prominentesten Persönlichkeiten des überlieferten Zittauer Epitaphienschatzes. 1607 wurde Schnitter Mitglied des städtischen Rats, ehe er nach einigen Jahren 1618 erst zum Stadtrichter und schließlich 1621 zum Bürgermeister gewählt wurde. Er starb am 7. November 1624 im Alter von 72 Jahren.

Das restaurierte Epitaph für Georg Schnitter befindet sich derzeit noch in Einzelteile zerlegt in der Kreuzkirche und wird im Vorfeld der genannten Exposition - wie auch viele andere Epitaphen - in einer Art Baukastensystem zusammengesetzt. "Das wird noch einmal eine ganz schöne Aktion. Denn die Epitaphe sind zum Teil sehr schwer", sagt Peter Knüvener.

Einen weiteren Ausstellungshöhepunkt bildet der Nesensche Lutherpokal, den Luther 1523 seinem Freund Wilhelm Nesen schenkte. Dessen Bruder Konrad Nesen ging im Auftrag Luthers nach Zittau und brachte auch den Pokal mit, der bis zum Verlöschen der Familie 260 Jahre lang hier blieb. Der letzte Nesen stiftete ihn dem Grünen Gewölbe zu Dresden, wo sich bis heute sein angestammter Platz befindet. Die Epitaphen selbst verbleiben auch nach Ausstellungsende dauerhaft in der Klosterkirche.