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| 18:04 Uhr

Zukunftsprojekt
Zittau will Kulturhauptstadt Europas werden

Zittau will sich mit der Dreiländer-Region Oberlausitz um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben.
Zittau will sich mit der Dreiländer-Region Oberlausitz um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben. FOTO: dpa / Jens Kalaene
Görlitz. Der Landkreis Görlitz unterstützt mehrheitlich das Vorhaben der Stadt im Dreiländereck. Es könnte ein Gewinn für die gesamte Lausitz sein. Nun wird ein Kooperationsvertrag geschlossen. Von Regina Weiß

In den Städten des Landkreises Görlitz ist schon allerhand gestemmt worden. Mit dem Tag der Sachsen haben sich Weißwasser und Zittau ins Gespräch gebracht. Die Landesgartenschau in Löbau war ein Erfolg. Familientag und Landeserntefest wurden ebenfalls hier ausgerichtet. Gelungen sind solche Events jedes Mal, „wenn man die Jammermentalität weggepackt und sich gemeinsam auf den Weg gemacht hat“, so Andreas Böer (CDU), Kreisrat und Vorsitzender des Kulturausschusses, am Mittwoch im Kreistag in Görlitz. Dieser sollte über eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Großen Kreis­stadt Zittau und dem Landkreis Görlitz zur Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt Europas 2025 entscheiden. Die überwiegende Mehrheit der Kreisräte tat das dann auch. So kann nun Landrat Bernd Lange (CDU) die Kooperationsvereinbarung mit Zittau unterzeichnen

Böer erklärte, wie die Idee zur Bewerbung erschien: „Ist Zittau größenwahnsinnig geworden, schnappen die über.“ Doch das sei zu kurz gesprungen, auch wenn eine nicht so große Stadt nicht nur mit den Großen mitspielen, sondern auch gewinnen will. Schließlich gibt es mit Dresden und Chemnitz schon große Konkurrenz im eigenen Freistaat. „Doch gemeinsam kann etwas gelingen, wovon nicht nur die Stadt Zittau und ihrer Bürgerschaf, sondern die gesamte Region profitieren können. Es ist eine Chance für den ganzen Landkreis, für die gesamte Lausitz“, so Böer in der Begründung.

Natürlich ließ es sich auch Thomas Zenker, Oberbürgermeister von Zittau, nicht nehmen, für die Bewerbung zu sprechen. Allerdings wählte er dafür einen ungewöhnlichen Weg. Laut Weißwassers OB und Kreisrat Torsten Pötzsch (Freie Wähler) ist Zenker auf Einladung des Außenministeriums auf Dienstreise in den USA. Von dort schickte er eine Sprachnachricht. Man habe in der hiesigen Region so viel an Kultur zu bieten. „Doch wer sich nicht auskennt, bekommt das gar nicht mit“, so Zenker. Um aber die Oberlausitz als Dach für alle noch bekannter zu machen, brauche es neue Ideen. Dabei stehen Schwerpunkte schon fest: Das Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien, dessen Grenzen auf ein düsteres Kapitel – den Zweiten Weltkrieg – zurückzuführen sind. Mit und trotz der Grenzen sei die Perspektive Europas zu entwickeln und als gemeinsame Herausforderung zu betrachten, heißt es im Kooperationsvertrag.

Dort wird ausdrücklich betont, dass die ganze Region mit ins Bewerbungsboot soll. Dabei ist längst nicht nur die Rede vom Kreis. Sondern auch die Bautzener Nachbarn, der Sechs-Städte-Bund, die Landkreise Zgorzelec und Lauban sowie das Dreiländereck Slowenien-Italien-Österreich sind im Gespräch. Schließlich ist Nova Gorica mit dem damaligen NOL seit 2005 partnerschaftlich verbunden. Bei allem geht es um die Erarbeitung einer grenzüberschreitenden Kulturentwicklungsstrategie. Dabei, so sind sich die Kommunalpolitiker einig, könnte auch das ein wichtiges Thema für den Strukturwandel sein.

Alles allein lässt sich nicht nur mit Worten regeln. Der Landkreis wird sich auch finanziell an dem Vorhaben beteiligen. Für 2019 sind 50 000 Euro geplant, für 2020 30 000 Euro. Zudem soll sich das Land beteiligen und es sollen Fördermittel eingeworben werden.

Ob das Rennen weiter erfolgreich vorangetrieben werden kann, entscheiden allerdings am 26. Mai nächsten Jahres die Zittauer. Dann werden sie im Bürgerentscheid zur Bewerbung gefragt. „Ich bin sehr gespannt“, so Landrat Bernd Lange.