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Zehn Stunden bis Finsterwalde

Senftenberg.. August der Starke kümmerte sich besonders um die Verkehrsverhältnisse in seinem Reich. So befahl er einst, die Hauptverkehrsstraßen mit Bäumen einzufassen und Wegweiser aufzustellen. Diese Wegweiser waren viereckige Säulen aus Eichenholz. Werner Forkert

1722 wurde damit begonnen, diese Holzsäulen durch steinerne zu ersetzen. Eine solche Postsäule war ein aus Sandstein gefertigter Obelisk, der auf einem vielseitigen Podest ruhte und etwa fünf Meter hoch war.

Alles Notwendige drauf
Die Postsäule enthielt zunächst die Namen aller Poststationen bis zur Landesgrenze, die Namen der Hauptstätte, die Entfernungen in Meilen oder Wegstunden vom Postort aus sowie das Bild eines Posthorns, die Jahreszahl der Aufstellung und zwei Wappen, ein sächsisches und ein polnisches, über denen je eine Krone angebracht war.
Alte sächsische Postsäulen haben die gleiche Bauweise. Der damalige sächsische Landesgeograph A.F. Zürner maß die Entfernungen genau aus. Er nutzte den von ihm erfundenen „geometrischen Wagen“ . Am 8. Dezember 1722 berichtete der kursächsische Amtmann des Amtes Senftenberg an Zürner, dass es mit der Aufstellung der Säulen nicht vorwärts gehen wollte, weil hier die genauen Entfernungen zwischen den Orten fehlten.
1724 fanden in Senftenberg die ersten Straßenvermessungen durch den Kondukteur Trenkmann statt. Senftenberg sollte eigentlich zwei Distanzsäulen erhalten, vor dem Kreuz- und dem Schlosstor. Da auch schon damals das Geld knapp war, wurde 1727 befohlen, nur eine Säule in der Stadtmitte aufzustellen.
Die Stadtväter ließen sich mit dem Aufstellen jedoch Zeit. Im Jahre 1729 wurde Landesgeograph Zürner zornig. Er mahnte nachdrücklich das Aufstellen der Distanzsäule an. Es vergingen aber noch etwa zwei Jahre, ehe der „steinerne Wegweiser“ endlich auf dem Marktplatz stand. Vor 275 Jahren war die Distanzsäule vom Bildhauer Johann Gottfried Richter aus Dresden in Sandstein gehauen worden. Bezahlt wurde das gute Stück am 30. Oktober und 28. November 1731. Der Preis: 16 Taler und zwölf Groschen. Martin Glaud aus Klettwitz holte die Säule von Dresden ab und erhielt dafür neun Taler Fuhrlohn. Das Aufrichten der Säule besorgte Maurermeister Gottfried Bormann für zwei Taler und 15 Groschen. Die zur Verankerung benötigten zwei Steinklammern und zwei Bolzen lieferte Hufschmied Christoph Siegmund Lehmann. Er erhielt dafür sechs Groschen. Bemalt wurde die Säule von Christoph Siegmund Aßmann aus Dresden.
Die Kosten trugen die Einwohner. Die Bürger zahlten sechs Groschen und die Mieter weniger, so dass insgesamt 32 Taler, zwölf Groschen und sechs Pfennige aufgebracht wurden. Die Beschriftung der damaligen Säule, die leider 1847 abgetragen wurde, ist aus dem Entwurf vom 6. Oktober 1731 ersichtlich.

Gefahr für Marktbesucher
Nachdem die Säule über 100 Jahre ihren Platz behauptete, fassten die Stadtverordneten im Februar 1846 den Beschluss, dass sie abgetragen werden soll. Sie war brüchig geworden. Es wurde befürchtet, dass sie im Markttrubel Schaden anrichten könnte. Ausbessern wollten sie die damals Verantwortlichen nicht lassen. Obwohl um diese Zeit in Senftenberg ein reger Postkutschenbetrieb herrschte, die letzte fuhr am 30. April 1874, galt die Säule als ein von der Zeit überholtes Verkehrszeichen. Am 22. April 1847 beschloss der Magistrat endgültig, dass die Meilensäule abgetragen und die Steine im Rathausflur aufbewahrt werden sollen.

Blankenberg war es
Der Abriss erfolgte während der Amtszeit des Bürgermeisters Moritz Blankenberg. Warum gerade er das veranlasste, der 44 Jahre Stadtvorstand war und viel getan hat, ist unverständlich.
Distanzsäulen findet man auch heute noch in der weiteren Umgebung. Im Jahre 2000 wurde eine neue originalgetreue Postmeilensäule auf dem Markt gesetzt. Ein Dank gilt dem Verein für Heimatpflege Senftenberg 1909 e. V. und seinem Vorsitzenden Hans Peter Rößiger, die sich für die Wiederherstellung einer Säule eingesetzt haben, sowie dem Steinmetz Michael Merkle für die Gestaltung.