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Veranstaltung
„Zauberpeter“ will das Publikum begeistern

Peter Kersten, der Zauberpeter, ist am Samstag, 2. Dezember, in Weißwasser im SKZ Telux zu Gast. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Ab 18 Uhr ist Einlass. Eine Karte kostet im Vorverkauf zehn Euro (Touristinfo Weißwasser im Bahnhof und Agip-Tankstelle) und an der Abendkasse zwölf Euro.
Peter Kersten, der Zauberpeter, ist am Samstag, 2. Dezember, in Weißwasser im SKZ Telux zu Gast. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Ab 18 Uhr ist Einlass. Eine Karte kostet im Vorverkauf zehn Euro (Touristinfo Weißwasser im Bahnhof und Agip-Tankstelle) und an der Abendkasse zwölf Euro. FOTO: privat
Am 2. Dezember ist Peter Kersten zu Gast im Soziokulturellen Zentrum SKZ Telux in Weißwasser.

Sie zaubern am 2. Dezember in Weißwasser. Was können Sie über die vergangenen Jahre berichten?

Kersten Ich war sehr aktiv. Aber weniger in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Mitte der 1990er-Jahre bekam ich die Chance, meine Tätigkeit von vor der Kamera hinter die Kamera zu verlagern. Ich begann, für die „Windrose“, das Auslandsmagazin des MDR-Fernsehens, Filmreportagen in aller Welt zu drehen. Ich habe mich beruflich wieder mal neu erfunden und ein weiteres Hobby zum Beruf gemacht. In den Jahren, in denen ich um die Welt gebummelt bin, sind circa 150 Filmreportagen der unterschiedlichsten Formate entstanden.

Und dabei haben Sie die Zauberei aufgegeben?

Kersten Nein, nein! Jeden Aufenthalt in Deutschland habe ich dazu genutzt, meine Show in kleinen Theatern oder bei anderen Gelegenheiten zu spielen. Auch unter dem Gesichtspunkt, nicht aus der Übung zu kommen. Und bei meinen Weltreisen hatte ich meinen Zauberkoffer immer dabei. Manch kleiner Trick mit Einheimischen war auch in den Filmen zu sehen. Und in den Ländern, in denen ich gefilmt habe, habe ich auch, meist einfach so zum Spaß, magische Shows öffentlich oder in Schulen gespielt. Aus Dankbarkeit für die Hilfe und Gastfreundschaft, die ich bei meinen Projekten erleben durfte.

Sie sind ja schon zu DDR-Zeiten zu vielen Gastspielen in die ganze Welt gereist...auch ins kapitalistische Ausland...

Kersten Ja, ja, ich musste schon seit den 1970er-Jahren in den Westen fahren. Als Devisenbringer ohne Westverwandtschaft und als Repräsentant. Bei meinem Gastspiel 1977 in den USA hat die „Washington Post“ einen größeren Artikel über mich auf Seite zwei gebracht. Und ich durfte für Amy Carter zaubern, der Tochter des damaligen US-Präsidenten.

Wissen Sie, wie viele verschiedene Zaubertricks Sie in all den Jahren vorgeführt haben?

Kersten Ich habe hunderte Fernsehsendungen gemacht. Meine Lieblingsserie war und ist „Zauber auf Schloss Kuckuckstein“. Eine herrliche Zeit mit meinen großartigen Partnern Edgar Külow und Heinz Wizardo.  Ich musste immer etwas Neues zeigen. Über den Daumen gepeilt habe ich während meiner Fernsehkarriere über 800 verschiedene Tricks vorgeführt. Prinzipiell kommt es aber nicht auf die Zahl an. Es gibt große Künstler, die beherrschen zehn Tricks. Und zwar so gut, dass sie mit ihrem Bühnenprogramm jahrzehntelang Weltstar waren. Und es gibt andere, die kennen alles und können alles, aber werden nie ein Star.

Gibt es Tricks, die Sie besonders gern vorführen?

Kersten Oh ja. Es gibt einen, den habe ich schon in meiner ersten Fernsehsendung bei Heinz Quermann 1964 und später im alten Friedrichstadtpalast vor 3000 Zuschauern als Paradetrick gezeigt: Das Verschwinden eines roten Tüchleins in einem Papiertütchen. Das führe ich auch immer noch zur Eröffnung meiner Bühnenshow vor. Dieser Trick begleitet mich ein Leben lang, wie andere Männer die Ehefrau. Außerdem – wenn man mit Gastspielen durch die Welt zieht, wo das Publikum immer wieder neu ist, braucht man keine neuen Tricks. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich liebe Bewährtes.  Ich brauch‘ nicht unbedingt ein neues Auto oder ein neues Handy, solange die funktionieren und solide ihren Zweck erfüllen. Im Gegenteil: Ich hasse unsere ruinöse Wegwerfgesellschaft, die unseren Planeten aus Profitsucht zerstört. Und wozu alles? Am Ende kann man nichts mitnehmen. Das letzte Hemd hat keine Taschen.

Sie haben Chemie studiert und in physikalischer Chemie promoviert. War diese Ausbildung in irgendeiner Weise förderlich für Ihren Job als Zauberer?

Kersten In gewisser Weise ja. Auch in der Zauberei braucht man logisches Denken, muss Tricks und Shows wie ein physikalisch-chemisches Experiment präzise planen, auf Durchführbarkeit prüfen, alle Grenzparameter betrachten. Und dann freut man sich, wenn es klappt, wie man vorausgesagt hat. Oder auch nicht.

Hat schon mal jemand aus dem Publikum einen Trick durchschaut und Sie darauf angesprochen?

Kersten Ganz selten. Aber es ist schon vorgekommen, dass mir einer nach der Show bei der Autogrammstunde gesagt hat: „Wie Sie den Trick gemacht haben, das weiß ich.“ Dann sage ich: „Ich weiß es auch. Aber wir sollten nicht darüber reden.“

Sie haben durch Ihre Zaubervorführungen international viele bekannte Persönlichkeiten kennengelernt. Vieles kann man in Ihrem Buch „Der Zauberpeter“ nachlesen. Wer hat sie besonders beeindruckt und warum?

Kersten König Juan Carlos von Spanien. Er und seine Frau haben mich 1978 im Hospiz Hotel in St. Christoph am Arlberg an den Tisch geholt. Wir haben gebechert wie die Weltmeister, und ich habe stundenlang Tricks gezeigt.

Wenn man Sie nach Reisetipps fragt aufgrund der vielen Reportagen, empfehlen Sie auch gern Indonesien.Was fasziniert Sie so an Indonesien?

Kersten Die Natur, die Landschaft, die einfachen, fröhlichen Menschen. Das Fehlen der deutschen Überorganisiertheit. Hier legt sich die deutsche Bürokratie mit ihren tausend Vorschriften und dem Exzess der absoluten Organisiertheit für jede Lage wie eine Krake über das Leben. Ich liebe dort die Menschen, die in Verhältnissen, die wir als bettelarm bezeichnen würden, liebenswürdig und freundlich sind und herzlich lachen können. Aber ich fühle mich auch von der Philosophie des Lebens und des Sterbens angezogen. Im Leben ist nichts so sicher wie der Tod. Wir alle haben nur eine begrenzte Zeit. Die meisten Leute im Westen verdrängen das und beschäftigen sich nicht damit. Aber da kommt man nicht drumrum. Man kann ein neues Auto, ein neues Smartphone kaufen und damit die Zeit totschlagen. Aber man kann keine Zeit kaufen. Was weg ist, ist weg. Viele sind sich gar nicht darüber im Klaren, wie wertvoll und unwiederbringlich Zeit ist.

Aber Sie wollen nun doch wieder Deutschland als Ihr Zuhause wählen?

Kersten Nun, Deutschland war natürlich trotz allem immer mein Zuhause. Aber die Reisetätigkeiten werde ich etwas einschränken. Die „Windrose“ wurde im MDR vor einigen Jahren abgesetzt und damit ist ein Teil meiner Arbeit weggebrochen, zum anderen bin ich nun in dem Alter, wo ich kürzer treten muss. Auch aus gesundheitlichen Gründen. Mein reißt mit über 70 keine Bäume mehr aus.

Und was treiben Sie so zur Zeit in Deutschland?

Kersten Ich schreibe an meinem neuen Buch „Mit Kochgeschirr und Zauberstab“. Ich habe bei meinen Weltreisen auch in vielen Ländern Kochrezepte in authentischem Milieu gefilmt. Die schönsten werden hier mit einem Begleitvideo veröffentlicht.  Ich werde jetzt für etwa ein Jahr – mit kleinen Unterbrechungen – in Deutschland auf Tournee gehen. Natürlich zaubere ich außer in Festsälen auch für Firmen und bei privaten Events, runden Geburtstagen oder Hochzeiten. In meiner neuen Bühnen-Theater-Weihnachts-Show werde ich einige kurze Filmreportagen zeigen: skurrile, lustige, eigenartige Weihnachtsgeschichten aus aller Welt. Eingebettet in verblüffende Zaubertricks.

Das Gespräch führte Saskia Hördler vom SKZ Telux