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| 16:38 Uhr

Oberlausitz
Zahl der Alleebäume sinkt weiter

Weißwasser/Görlitz. Grüne im Landtag schlagen Alarm: Nur ein Bruchteil gefällter Bäume wird in Sachsen ersetzt. Von Torsten Richter-Zippack

Der Baumbestand an Sachsens Bundes- und Staatsstraßen geht weiter dramatisch zurück. Davon ist der Landkreis Görlitz nicht ausgenommen Knapp 800 Straßenbäume wurden im vergangenen Jahr gefällt, aber lediglich 33 (4,15 Prozent) nachgepflanzt. Diese Zahlen gehen aus der Antwort von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf eine kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Wolfram Günther (Grüne) hervor. „Das ist ein dramatischer Verlust“, kommentiert der Politiker. „Man muss kein Öko sein, um angesichts der anhaltenden Hitze die Vorteile von Bäumen in Stadt und Land zu erkennen.“

Ähnlich sieht es auch im Nachbarkreis Bautzen aus. Von den im vergangenen Jahr gefällten knapp 700 Gehölzen sind lediglich 86 nachgepflanzt worden. Das entspricht rund zwölf Prozent.

Etwas anders präsentieren sich die Zahlen aus den Landratsämtern. Nach Angaben der Görlitzer Kreissprecherin Julia Bjar kamen anno 2017 rund 750 Bäume unter die Säge. Demgegenüber stehen 320 neu  gepflanzte Straßenbäume. Allerdings bezieht sich dieser Wert nicht nur auf Bundes- und Staatsstraßen. Zwar soll laut sächsischem Wirtschafts- und Verkehrsministerium das Verhältnis zwischen Fällung und Neupflanzung eins zu eins betragen. Doch laut Landratsamt Görlitz besteht für das Entfernen eines Baumes aus Gründen der Verkehrssicherheit keine direkte Pflicht zur Ersatz- beziehungsweise Nachpflanzung. Die Verkehrssicherung beinhalte turnusmäßige Baumkontrollen. Dabei werden die Gehölze auf ihre Standfestigkeit und Vitalität von einem zertifizierten Kontrolleur eingehend untersucht. untersucht. Treten Mängel auf, seien Ausästungen an der Reihe oder eben die Fällung.

Der Landkreis ist, sagt Julia Bjar, dennoch bestrebt, gefällte Bäume in derselben Anzahl wieder nachzupflanzen. In den Alleen werden junge Bäume in Lücken eingebracht. Bei allein stehenden Bäumen beziehungsweise bei Gehölzreihen, die in ihrer Gesamtheit keinen Alleencharakter aufweisen, gestalte sich die Sache schwieriger.  Neuanpflanzungen haben demnach in einem seitlichen Abstand von 7,50 Meter vom Fahrbahnrand zu erfolgen. „Das heißt in aller Regel auf Grundstücken, die nicht im Besitz des Landkreises sind“, erklärt Bjar. „Der dann zu tätigende Grunderwerb ist äußerst kompliziert. Daher können Neuanpflanzungen in aller Regel nicht an der gleichen Stelle erfolgen, sondern an zugewiesenen und genehmigten Ersatzflächen“, sagt Julia Bjar weiter. 

Auch im kommenden Winter müssen wieder Bäume gefällt werden. Die Arbeiten konzentrieren sich aber nicht auf ein Gebiet, sondern verteilen sich über das gesamte Kreisgebiet.

Im Kreis Bautzen wurden im vergangenen Jahr nach Angaben von Sprecherin Sarah Günther 828 Bäume gefällt. Im Gegenzug erfolgte die Neupflanzung von 339 Bäumen und 652 Sträuchern. Sieben Sträucher entsprechen statistisch gesehen einem Einzelbaum. „Somit sind 2017 über 50 Prozent der gefällten Bäume ersetzt worden“, kommentiert Günther. In den Jahren von 2013 bis 2017 wurden im Landkreis Bautzen rund 4900 Gehölze an klassifizierten Straßen gefällt. Dem gegenüber stehen 4000 neu gepflanzte Bäume und 5650 Sträucher im gleichen Zeitraum. Der Landkreis verfügt insgesamt über 55 000 Bäume, verteilt an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen. Die häufigsten Arten sind Eichen, Linden, Ahorne, Eschen sowie diverse Obstgehölze. Bei Neupflanzungen kämen grundsätzlich einheimische, standortgerechte Arten in den Boden, beispielsweise Winterlinde, Bergahorn, Stieleichen, Eschen, Wildäpfel und Erlen.

Dem Grünen-Politiker Wolfram Günther ist dies zu wenig: „Für einen gefällten Altbaum müssen drei neue gepflanzt werden. Denn ein junges Gehölz erbringt in Bezug auf Sauerstoffproduktion, Temperaturausgleich und Lebensraumeignung für Tiere nur einen Bruchteil der biologischen Leistungen eines Altbaums.“