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Wolfsland
„Wolfsland“ in „Görliwood“: Ein toter Wirt und gruselige Kulissen

Die Wolfsland-Crew am Drehset ihn Königshain bei Görlitz: Kameramann Timo Moritz, Schauspielerin Yvonne Catterfeld, Schauspieler Götz Schubert, Produzentin Jutta Müller, Regisseur Till Franzen und Schauspielerin Johanna Gastdorf (v.l.n.r.).
Die Wolfsland-Crew am Drehset ihn Königshain bei Görlitz: Kameramann Timo Moritz, Schauspielerin Yvonne Catterfeld, Schauspieler Götz Schubert, Produzentin Jutta Müller, Regisseur Till Franzen und Schauspielerin Johanna Gastdorf (v.l.n.r.). FOTO: Anja Hummel / LR
Görlitz. Yvonne Catterfeld und Götz Schubert stehen in der Oberlausitz für zwei Teile der ARD-Krimireihe vor der Kamera. Von Anja Hummel

Gruselstufe rot: Ein schmaler düsterer Waldweg umringt von wippendem knorrigem Geäst führt direkt zum schaurigen Schauplatz - der Hochsteinbaude Königshain. Die Kulisse rund um den Gasthof wirkt beängstigend und unheimlich. Einmal in der Stube drinnen, ist der Besucher von braunen Kacheln, altertümlichen Tischen und bestickten Deckchen umgeben. Wohin der Blick auch schweift, überall stehen und hängen tote ausgestopfte Tiere. Der Wirt des Hauses ist nicht ausgestopft, tot aber sehr wohl. So steht es zumindest im Drehbuch von „Irrlichter“, dem vierten Teil der ARD-Krimireihe „Wolfsland“. Im beschaulichen Königshain, nur wenige Kilometer von Görlitz alias „Görliwood“ entfernt, stehen derzeit Yvonne Catterfeld als Kommissarin Viola Delbrück und Götz Schubert als ihr Kollege Burkhard „Butsch“ Schulz gleich für zwei „Wolfsland“-Krimis vor der Kamera. Seit Ende September sind die Schauspieler samt Filmcrew in der Oberlausitz. Keine Woche mehr und die ARD-Filme sind im Kasten. Im TV zu sehen sein werden „Der steinerne Gast“ und „Irrlichter“ im kommenden Jahr im Ersten.

Pressetermin am Filmset: Hochsteinbaude, kurz nach 17 Uhr. Draußen ist es längst dunkel, die letzte Szene des Tages wurde gerade abgedreht. Catterfeld und Schubert stellen sich den Fotografen. Obwohl sie seit morgens halb 6 am Set sind, sehen sie frisch aus. Nach einigen Minuten Blitzlichtgewitter um die Hauptdarsteller heißt es für sie Feierabend — zumindest am Filmset. Die Pressefragen im Catering-Zelt stehen ihnen noch bevor.

Nicht zum ersten Mal ist die Filmcrew rund um Yvonne Catterfeld in „Görliwood“. Schon für das erfolgreiche Debüt des „Donnerstagskrimi im Ersten“ Ende 2016 waren sie für die Dreharbeiten in der Filmstadt an der polnischen Grenze. Die beiden Hauptrollen, Kommissarin Viola Delbrück und Kommissar Burkhard „Butsch“ Schulz, sind sich auch weiterhin nicht ganz grün. Delbrück will in der Oberlausitz ein neues Leben beginnen, allerdings gibt es „Butsch“ ihren schroffen, unerträglichen, sie in jeder Hinsicht herausfordernden neuen Partner. Delbrücks Start ins neue Leben wird demnach viel ungemütlicher und ruppiger als erwartet. Irgendwie aber gelingt es ihr dann doch, es an „Butschs“ Seite auszuhalten.

Als Schauspiel-Kollegen aber, da sind sich Catterfeld und Schubert einig, harmonieren sie bestens miteinander. Im Catering-Zelt, fünf Autominuten von der Hochsteinbaude entfernt am Rande des Waldes, plaudern sie ganz ungezwungen an der Bierzeltgarnitur über den Dreh in der Oberlausitz. „Es läuft alles nach Plan, die Drehorte sind schön und spannend“, erzählt Yvonne Catterfeld, die mit ihrem dreijährigen Sohn für die insgesamt 43 Drehtage nach Görlitz angereist ist. Götz Schubert, selber gebürtiger Sachse, hat, wie er findet, einen Vorteil: „Ich verstehe das sächsische Gemüt einfach besser.“ Dafür gebe es erfreuliche und weniger erfreuliche Beispiele, sagt der 54-Jährige schmunzelnd. Weniger das Gemüt, eher die Sprache ist es, die Yvonne Catterfeld beeindruckt. „Ich mag den Dialekt sehr, er ist einfach unverwechselbar“, erzählt die gebürtige Erfurterin, die derzeit als Jury-Mitglied in der Casting-Show „The Voice of Germany“ im TV zu sehen ist. In ihrer knapp bemessenen Freizeit rund um den Krimidreh sind sie nach Feierabend schon das ein oder andere Mal in der Stadt unterwegs. Als „ziemlich ruhig“ bezeichnet Catterfeld den Drehort und greift zu heißem Ingwertee und Mini-Törtchen. „Die Cafés haben dann leider immer schon zu“, erzählt die 38-Jährige und lacht. Gedreht wird für die „Wolfsland“-Krimis nicht nur in der Hochsteinbaude. In der Filmstadt selber befindet sich das neue Kommissariat. Dafür wird im ehemaligen Zollgebäude gedreht. Auch eine Filmkulisse: Delbrücks Wohnung direkt neben der Kirche im Nikolaiviertel. Götz Schuberts Lieblingskulisse ist aber eine andere: „Ich bin sehr gerne draußen. Am Görlitzer Inselsee war der Dreh besonders toll.“

Worum es im vierten Krimi-Teil genau geht, erklärt „Wolfsland“-Produzentin Jutta Müller. „Es handelt sich um eine innerfamiliäre Katastrophe, ein beliebter Gastwirt wird ermordet.“ Der Fokus liege auf den zwischenmenschlichen Abgründen innerhalb der Familie. „Die Kulissen für diese Geschichte, die uns die Oberlausitz bietet, sind einfach toll“, so Müller. Längst seien die Krimi-Szenerien hier noch nicht aufgebraucht.

Das dürfte Yvonne Catterfeld gerne hören. „Ich möchte unbedingt wieder nach Görlitz kommen“, sagt sie. Gelegenheit dazu werden die Schauspieler wohl auch bekommen. „Wir nähern uns der Fortsetzung. Die nächsten beiden Teile sind schon in Planung“, verrät Produzentin Jutta Müller“.

Video: Was Yvonne Catterfeld und Götz Schubert an der Lausitz so sehr mögen (oder auch nicht) kommt im Entweder-Oder-Kurzinterview ans Tageslicht.