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| 02:51 Uhr

Wummernd durch Klein-Berlin

Die Rohnschen Techno-Raver reisen mit dem Trecker von Dieter Krautz durch Klein-Berlin.
Die Rohnschen Techno-Raver reisen mit dem Trecker von Dieter Krautz durch Klein-Berlin. FOTO: amz1
Rohne. Sehr lautstark ist es Samstag beim Zampern in Rohne zugegangen. Kein Wunder, lautet das Motto doch "Rave the world", sinngemäß auf Deutsch "Feiere die Welt". amz1

Dementsprechend schlüpfen die Zamperer in schwarze Kostüme, die auch mit Totenköpfen in Neonfarben verziert sind. "Dieses Thema ist uns während eines gemeinsamen Abends eingefallen", erinnert sich Marcel Badendick. "Unser Ziel: Mal vom Chaos in dieser Welt ablenken und zum Feiern einladen."

Insgesamt drei Zampergruppen sind an diesem sonnigen Sonnabend in Rohne unterwegs. Während die einen im Kerndorf um Eier, Speck und Geld bitten, grasen die anderen das Gebiet um den Schafstall ab. Und die Truppe um Marcel Badendick ist in den Ausbauten auf Achse, von den Einheimischen auch als "Klein-Berlin" bezeichnet. Zwischen den sonst teilweise weit auseinanderliegenden Gehöften, auf denen sich normalerweise Fuchs und Hase gute Nacht sagen, hämmern die Bässe. Techno natürlich, ganz so wie zu dessen Hochzeit in den 1990er-Jahren.

Die Musikanlage stammt von David Petrick, besser bekannt als DJ Pit. Insgesamt drei dieser soundgewaltigen Apparate hat der Musiker den Zamperern zur Verfügung gestellt. In "Klein-Berlin" befindet sich die Anlage auf dem Trecker von Dieter Krautz. "Mein Schmuckstück", sagt der Rohnsche und klopft seinem treuen Begleiter auf die Motorhaube. "Ansonsten nutze ich den Traktor zum Holzholen."

Wer indes an diesem Tag aus Richtung Mulkwitz nach Rohne einfahren will, muss mehr Zeit einkalkulieren. Denn unmittelbar hinter dem Ortseingang steht ein hölzernes Zollhäuschen in den deutschen Farben Schwarz, Rot und Gold. Drum herum haben sich vier Leute positioniert, die die Autofahrer an den Straßenrand bitten. Um weiterfahren zu können, wird ein kleiner Obolus erbeten. "Die meisten Leute wissen, was los ist und geben auch eine Kleinigkeit. Mancher Ortsfremde fragt dagegen, was es mit diesem Brauch auf sich hat", berichtet "Zollfrau" Edith Schur aus Erfahrung.

Gemeinsam mit ihrem Mann Dieter sowie Joachim Pudel und Martin Karg wird das Geld eingesammelt. Im Gegenzug bekommen die Fahrer ein Schnäpschen oder auch Süßigkeiten, falls Kinder mit an Bord sind. "Wir wollen unsere alten Traditionen beibehalten", sagt Edith Schur. Da müsse man auch manchmal wenig intelligente Bemerkung mancher Zeitgenossen wegstecken.

Das Zollhäuschen sei indes vom Schleifschen Bauhof ausgeliehen. In diesem Jahr hätten die Rohner auf ein zweites Exemplar am Ortseingang aus Richtung Schleife verzichtet. Immerhin werden an dem einen Häuschen auch diejenigen Autofahrer, die das Dorf gen Mulkwitz verlassen wollen, zur Kasse gebeten. Am Abend des Zampertages treffen sich die Rohnschen in ihrer Mehrzweckhalle. Die Einheimischen genießen freien Eintritt. "Schließlich haben sie heute ihren Beitrag beim Zampern bereits geleistet", begründet Marcel Badendick. Jedem Rohner werde am Eingang ein Schnaps gereicht. Ortsfremde dürfen gern mitfeiern, müssten aber monetären Eintritt entrichten. Am Ende sind alle mit dem Zampertag zufrieden. Demnächst werden bestimmt Ideen für 2018 geschmiedet.