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Verkehr
Wünsche sind ins Rollen gebracht

Der Neiße-Radweg ist nicht nur bei Touristen beliebt. Über die ehemalige Eisenbahnbrücke kann der Radler auch nach Polen abbiegen.
Der Neiße-Radweg ist nicht nur bei Touristen beliebt. Über die ehemalige Eisenbahnbrücke kann der Radler auch nach Polen abbiegen. FOTO: Regina Weiß / LR
Weißwasser. Bis Mitte 2018 soll die Radwegekonzeption für den Landkreis Görlitz stehen und beschlossen sein. Damit kann aber noch nicht jede Lücke gleich geschlossen werden. Von Regina Weiß

Rund 20 Jahre werde diskutiert, doch getan habe sich noch nichts. Das ist die Meinung von Heiner Seifert aus Weißwasser, wenn es um die direkte Radwegeanbindung zwischen Krauschwitz und Bad Muskau geht. „Bis Krauschwitz ist alles in Ordnung, aber dann“, kritisiert der Senior am Dienstag in der Stadtbibliothek. Dort geht es um die künftige Radwegekonzeption des Landkreises Görlitz. Planfeststellungsverfahren und Grundstücksprobleme seien wohl die Hürden, die dem Radweg bisher im Wege standen, habe Seifert gehört, als er sich mal nach dem Stand der Dinge erkundigt hat. Jens Ziegler vom Amt für Hoch- und Tiefbau aus Görlitz nimmt das Thema noch einmal mit, will sich beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr nach dem Stand der Dinge erkundigen.

Wunsch und Realität – diese beiden Seiten einer Medaille vereint auch die Radwegkonzeption des Landkreises, an der seit Sommer gearbeitet wird. „Alle Kommunen haben wir nach dem Bestand und ihrem Bedarf abgefragt“, so Jea­nette Türpe vom Amt für Kreisentwicklung. Wobei Wert darauf gelegt wird, dass es nicht nur um Radwege für die Touristen geht, sondern der Alltags- und Schülerverkehr nicht zu kurz kommen soll. Denn schließlich hat auch das Radfahren unterschiedliche Facetten. „Es ist ein notwendiges Übel für die Schüler, ein Vergnügen, wenn man zur Arbeit fahren darf und Sport, wenn man es in der Freizeit nutzt“, so Thomas Böse, Referatsleiter Bau im Rathaus. Hinzu kommt, dass es Kohlendioxid spart, den Verkehr entlastet und eine kostengünstige Form der Mobilität ist. Der Freistaat hat seine Ideen bereits 2014 in eine Konzeption gegossen. Fest steht, er will den Radverkehr steigern, unterstreicht Jan Schubert von IVAS Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme aus Dresden. Dazu gehört, dass Radwegelücken geschlossen werden müssen. Diese gibt es auch im nördlichen Teil des Landkreises. Mit Stand von Ende November durchzieht die Landkreis-„Banane“ rote und blaue Äderchen. Wobei letztere Farbe überwiegt. Rot zeigt an, wo noch gehandelt werden muss. Diese Linien sind auf der Karte beispielsweise zu sehen zwischen Schleife und Groß Düben, Weißkeißel und Sagar, in Weißwasser.

 Auch im Raum Boxberg gibt es Wünsche. Kreisrat Peter Hopperdietzel ist sich mit seiner Heimatgemeinde eins, wenn er einen Radweg zwischen Klitten und Boxberg fordert –  allein schon wegen der Schule. Ebenso wichtig ist der Anschluss des Bärwalder Sees an die Seenlandroute. Nach den Rutschungen muss über neue Wegeführungen nachgedacht werden. Die Anbindung über Drehna und Driewitz sieht Hopperdietzel als realistisch an.

Realistisch muss man auch bleiben, was den Bau von Radwegen betrifft. Diese fallen nicht nur in verschiedene Verantwortungsbereiche – Land, Kreis, Kommune –, sondern haben auch mit Finanzen zu tun.  Selbst ein Fördersatz von 90 Prozent hilft da nicht immer.

Der Landkreis setzt ohnehin verstärkt auf die Unterhaltung. „Der Radweg zwischen Mücka und Förstgen musste schon gesperrt werden“, so Jens Ziegler. Mit dem Einsatz von rund 330 000 Euro konnte die Trasse erst in diesem Sommer wieder fit gemacht werden.

Das Gleiche soll mit dem Radweg zwischen Weißwasser und Trebendorf im nächsten Jahr geschehen. 50 000 Euro Eigenmittel sind seitens des von Kreises dafür eingeplant. Auch der rechnet mit einem 90-prozentigen Zuschuss.

Bis Mitte 2018 soll das Konzept vollendet und beschlossen sein. Darin enthalten ist ein weiterer wichtiger Punkt. Denn die Planer schauen sich auch genau die Schnittpunkte zwischen dem öffentlichen Personennahverkehr und Radwegen an. 29 Haltepunkte des Zvon sind betrachtet worden. An sieben davon gibt es derzeit noch gar kein Angebot für Radler (Abstellmöglichkeiten etc.) Der Weißwasseraner Bahnhof gehört nicht dazu. Im Gegenteil: Laut Planer Jan Schubert ist es ein gutes Beispiel.