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| 17:30 Uhr

Muskauer Park
Wovon Berlin träumt, das hat Bad Muskau

Bad Muskau gewährt Einblick in die Brauerei FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau . Bei der zweistündigen Führung durch die Brauerei erfahren die Besucher allerhand Wissenswertes. Zum Schluss kann schon mal der Durst mit Gerstensaft gelöscht werden. Von Regina Weiß

Imposant sind Brauerei und Niederländischer Hof im Stadtzentrum von Bad Muskau immer noch, auch wenn sie im Laufe der Zeit oder durch den Krieg einiges an ihrer Schönheit haben einbüßen müssen. Doch das soll die längste Zeit so gewesen sein, erfahren die rund 40 Besucher der Parkführung zu dem Thema.

Doch bevor es in die Zukunft geht, geht es zurück in die Geschichte. Bierbrauen – das Privileg hatten einst viele in Muskau. Doch Gesetze änderten sich. Die alte Brauerei wurde für die neue Orangerie abgetragen. Dafür entstanden Brauerei und Hotel Düsseldorf in Muskau am jetzigen Standort neu. Letzteres wurde am 1. April 1845 eingeweiht. „Pückler und Bier ist ein spannendes Thema“, findet Parkdirektor Cord Panning. So habe Pückler Staatskanzler Metternich 1840 auf seinem Sitz im damaligen Königswart (heute Kynz­vart) besucht. Auch dort gab es Schloss und Brauerei und das Bier, das nach Pilsner Brauart hergestellt wurde. Dass Muskau diese Brauart übernahm, sei schon am Gebäude erkennbar. Von oben nach unten seien die Zutaten verarbeitet worden. Deshalb steht quasi bei diesem Rundgang eine These nicht im Raum, sondern plötzlich auf dem Hof: Pückler könnte als erster in Deutschland das Bier nach Pilsner Brauerart hergestellt haben. Darüber lasse sich sozusagen trefflich beim Gerstensaft debattieren, ist sich die Runde einig. . .

Anderes steht dafür um so mehr fest. Davon zeugen alte Pläne oder Fotos. Der Brauereikomplex gehörte durchaus zum Parkgelände. Von dort gab es einen Zugang zur grünen Lunge. Zeichen dafür ist übrigens auch eine Platane. „Sie hat eine Torwächterfunktion“, erklärt Cord Panning. Die alte Wegebeziehung sei über die Jahre allerdings verloren gegangen. Es lag sicherlich auch daran, weil die Brauerei 1930 von den von Arnims privatisiert worden sei. Um so interessanter werde der Blick in die Zukunft.

„Es ist ein Experiment“, findet Panning. Ein interessantes noch dazu. Nicht nur, dass sich Laufwege verändern werden, werde doch der Niederländische Hof mit seiner Normannischen Neogotik in Konkurrenz zum Neuen Schloss treten. Dafür braucht es allerdings noch einiges an Fantasie, Geld und Geduld. Wobei letzteres den Bad Muskauern gerade beim Thema bei der Brauerei abhanden gekommen zu sein scheint. Schließlich habe sich die Stiftung Fürst-Pückler-Park nicht um den in die Jahre gekommenen Gebäudekomplex gerissen. Im Januar 2017 kaufte der Freistaat das Gelände bei einer Versteigerung. Panning zieht einen Vergleich mit dem Schloss. Rund 20 Jahre habe dessen Wiederaufbau gebraucht und rund 23 Millionen Euro gekostet. Ein zweistelliger Millionenbetrag werde letztlich auch in die Brauerei fließen. Hier redet man allerdings von einem Realisierungsrahmen von acht Jahren.

„Das ist doch sportlich“, unterstreicht Panning. 2023 sollen zwei weitere Bauabschnitte abgeschlossen sein, wie jetzt die Notsicherung für rund eine Million Euro. Dazu gehörte nicht nur, dass Anbauten entfernt wurden, die nicht zum historischen Bestand gehört haben, sondern dass vor allem die Dächer eine wichtige Rolle gespielt haben. Denn 20 Prozent der Dachfläche wurde lediglich von der Pappe zusammengehalten, kann Roland Ladusch vom Planungsbüro Rauh, Damm, Stiller und Partner erzählen.

Hinzu kam jede Menge Abfall, der sich im Laufe der Jahrzehnte auf dem Gelände angehäuft hatte. Allerdings waren darunter auch Schätzchen. So Reste der Türmchen, die die Fassade des Hotels Düsseldorf/danach Niederländischer Hof ausgemacht haben. „Sie sollen auch wieder erstehen“, so Panning. Schließlich hat sich hier Ludwig Persius als Schinkel-Schüler und Architekt nicht lumpen lassen. Doch auch die Fassade der Brauerei sei ausgetüftelt gewesen. Ein wiederkehrender Rhythmus der Fenster sowie die Verwendung orangefarbener und gelber Klinker sowie extra gefertigter Formsteine spreche heute dafür. Damit folge die Brauerei der Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel in Berlin. Doch diesen Ziegelsteinbau gibt es nicht mehr. Derweil Berlin von einem Wiederaufbau dieses imposanten Gebäudes träumt, nimmt Bad Muskau die Sanierung der Brauerei in Angriff. Im nächsten Jahr stehen dort wieder Gerüste, kündigt Roland Ladusch an.

Derweil laufen Gespräche zur Nutzung der Eiskeller für balneologische Zwecke. Auch das Thema Bierbrauen samt Ausstellung zum Bier und seiner Geschichte in Muskau soll einen Platz finden. Das hat sich Bierkenner und Geschäftsmann Andreas Uhlke auf die Fahne geschrieben.

Mehr Fotos unter www. lr-online.de/bilder

 Blick auf den Niederländischen Hof. Im Hintergrund ist die Brauerei zu sehen. In rund zwei Stunden gab es viel zu erzählen.
Blick auf den Niederländischen Hof. Im Hintergrund ist die Brauerei zu sehen. In rund zwei Stunden gab es viel zu erzählen. FOTO: Regina Weiß
 So soll die Fassade der Brauerei in Richtung Berliner Straße aussehen. Die Arbeiten beginnen 2020.
So soll die Fassade der Brauerei in Richtung Berliner Straße aussehen. Die Arbeiten beginnen 2020. FOTO: Regina Weiß
 Blick auf den Niederländischen Hof. Im Hintergrund ist die Brauerei zu sehen. In rund zwei Stunden gab es viel zu erzählen.
Blick auf den Niederländischen Hof. Im Hintergrund ist die Brauerei zu sehen. In rund zwei Stunden gab es viel zu erzählen. FOTO: Regina Weiß
 So soll die Fassade der Brauerei in Richtung Berliner Straße aussehen. Die Arbeiten beginnen 2020.
So soll die Fassade der Brauerei in Richtung Berliner Straße aussehen. Die Arbeiten beginnen 2020. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau gewährt Einblick in die Brauerei FOTO: Regina Weiß