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Woran glaubst du?

Das Fernsehprogramm plätschert meist so vor sich hin, Weltbewegendes ist nicht zu erwarten. Die Sendungen scheinen austauschbar, ein bunter Mix aus Trödelmarkt und Kochrezepten.

Die Fragen der Quiz-Shows scheinen sich zu wiederholen wie die Folgen der Serien. Nichts Neues im Fernsehen?

Seit einer Woche stellt mir mein Fernseher die Frage: "Woran glaubst du?" Nein, es ist nicht mein Fernseher, der mit mir ins Gespräch kommen will - die ARD und ihre angeschlossenen Sender stellen die Frage "Woran glaubst du?" und machen damit öffentlich, was doch gemeinhin als Privatsache gilt: Reden über den Glauben und die Religion. Interessant ist, dass es das Fernsehen und der Rundfunk sind, die mir heute diese Frage stellen und nicht die Kirchen. Haben wir uns als Kirchen und Gemeinden zu sehr auf unsere eigenen, kleiner werdenden Gruppen konzentriert und dabei die Menschen außerhalb unserer "Kirchenmauern" vernachlässigt? Muss dass Fernsehen mir erst die Frage neu stellen "Woran glaubst du?"

Es ist gut, sich diese Frage von außerhalb stellen zu lassen, regt es mich doch dazu an, neu darüber nachzudenken, was mir und meinem Leben Trost und Ziel und einen Sinn gibt. Mich selbst zu fragen und nicht gleich mit gelernten und eingeübten Glaubenssätzen zu antworten. Und dann zu erkennen, dass der eigene Glaube etwas sehr Individuelles und Einzigartiges und damit Schützenswertes ist. Erst in einem nächsten Schritt werde ich die Frage auch meinem Nächsten stellen, um behutsam zu entdecken, woran er glaubt. Ich werde hören und nicht urteilen. Ich werde Gemeinsames entdecken und andere, vielleicht auch für mich nicht gleich nachvollziehbare Glaubensvorstellungen kennenlernen und dabei auch eine Fülle verschiedener Formen des Glaubens. Jede Form des Glaubens ist dabei wertvoll, ist sie doch Ausdruck davon, was für den einzelnen Wert und Sinn in seinem Leben darstellt und wie er sich in diese Welt eingebunden sieht.

Und wenn mein Fernseher nach der Themenwoche wieder sein austauschbares Programm ausstrahlt, kann ich mich jedoch weiterhin fragen: "Woran glaubst du?" und diese Frage auch den anderen stellen und so den Glauben wieder ins Gespräch bringen.