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| 20:51 Uhr

Spektakel nach kanadischem Vorbild
„Holzfäller“ lassen sich nicht unterkriegen

Da fliegen die Sägespäne nur so. Nick Dubrawa aus Groß Düben (vorn) besiegte hier Michael Kolodziej aus Lodenau zwar im „Baumscheiben-Schneiden“, aber in der Gesamtwertung belegte dieser am Ende Platz 3.
Da fliegen die Sägespäne nur so. Nick Dubrawa aus Groß Düben (vorn) besiegte hier Michael Kolodziej aus Lodenau zwar im „Baumscheiben-Schneiden“, aber in der Gesamtwertung belegte dieser am Ende Platz 3. FOTO: Ingolf Tschätsch
Sagar. In der Nacht zu Freitag brennt dem Woodsports-Team aus Sagar die Bühne ab. In einer beispiellosen Aktion bauen unzählige fleißige Helfer in nur wenigen Stunden eine neue auf. So kann Sonnabendmittag wie geplant die 6. Auflage des Holzsport-Wettkampfes mit hunderten Zuschauern stattfinden. Von Ingolf Tschätsch

Etwas Schlimmeres konnte den Holzsportlern aus Sagar wahrscheinlich nicht passieren. Als alles schon der Woodsports-Veranstaltung am Sonnabend entgegenfiebert, brennt in der Nacht zu Freitag komplett die Bühne auf dem Sportplatz ab. Es wird Brandstiftung vermutet. Fast eine Woche unermüdliche Vorbereitungsarbeit wird in kurzer Zeit ein Opfer der Flammen. Tom Brendel, der als Feuerwehrmann selbst vor Ort gewesen ist, steht am Sonnabend noch unter dem Eindruck des Geschehenen. „Wir haben umgehend per Rundruf Freunde und Bekannte zusammengetrommelt, so dass am Freitag in einer großen Hilfsaktion eine neue Bühne aufgebaut wurde. So musste das verkohlte Holz beräumt und neues herangeschafft werden. Am Abend war es geschafft“, erzählt der Sagarer. Rund 60 Helfer haben mit Unterstützung des Sägewerkes Petrick aus Rohne, des Garten- und Forsttechnikcenters Sven Buckow aus Cottbus und der Firma LTA Neumannn aus Krauschwitz dafür gesorgt, dass nur Stunden nach diesem Drama wie geplant an diesem Sonnabendmittag die sechste Sagar-Woodsports-Serie durch Moderator Andreas Scheppan eröffnet werden kann. Er und seine Leute - etwa 50 Woodsports-Enthusiasten unter dem Dach des Kulturhaus-Betreibervereins zählt das kleine Neißedorf - haben sich einfach nicht unterkriegen lassen.

Jetzt kreisen die Gedanken der zehn Wettkämpfer und der vielen in diesen originellen Wettkampf eingebundenen Akteure vor und hinter der Bühne nur noch um den Sport der kanadischen Holzfäller. Krei­schende Motorkettensägen, fliegende Äxte und Späne bestimmen nun das Geschehen auf dem Sportplatz. Hunderte Zuschauer lassen sich dieses Spektakel nicht entgehen. Fünf Disziplinen und ein Team-Wettbewerb stehen auf dem Programm. Das Fällen von Baumstämmen mit der Säge haben die Sagarer diesmal zugunsten des Stammhalbierens rausgenommen. Denn: Es soll dem Publikum immer wieder was Neues, Attraktives, geboten werden.

Tom Brendel und Tino Schlammer treten als Erste gegeneinander an. Schlammer war Sieger des Events 2016. Im vorigen Jahr fiel die Veranstaltung wegen Umbaumaßnahmen am Kulturhaus aus. Die beiden Sagarer - aus dem Ort ist noch Christian Kleiber dabei - messen sich in der ersten Disziplin: Standing Cookies Saw. Von einem 30 bis 40 Zentimeter dicken, freistehenden Pappelstamm müssen mit der Säge drei vorher angezeichnete gleichmäßig große Holzscheiben abgeschnitten werden und übereinander liegen bleiben, ansonsten gibt es Punktabzug. Das bekannte englische Kommando „Hands on the woods!“ (Hände auf das Holz) schallt über den Platz. Die Sägen beginnen, sich durch den Stamm zu fressen. Tino Schlammer ist am Ende zwei Sekunden schneller.

Marietta Schubert aus Weißwasser und ihr Lebensgefährte Peter Sven verfolgen aufmerksam das Wettkampfgeschehen. „Ich habe selbst den Sägeschein und Vater früher beim Holzmachen geholfen. Wir beide interessieren uns für diesen Sport und verfolgen gern Übertragungen davon im Fernsehen. Aber das hier mal in Natura zu sehen, ist ganz etwas ganz anderes. Uns gefällt es sehr“, sagt Peter Sven.

Den beiden und allen anderen Besuchern werden an diesem Sonnabend noch weitere Holzfäller-Attraktionen geboten: „Lying Wood“ beispielsweise, des Entasten eines Stammes mit der Motorsäge, oder „Speed Wood“. Dabei sind vier Holzrollen mit der Axt in vier Viertel zu teilen, so dass am Ende 16 Holzscheite in der Schubkarre landen.

Und da ist ja auch noch das nicht minder interessante Rahmenprogramm mit Bierkasten-Klettern für die Kinder, dem Ausflug per Hubbühne in die luftige Höhe über dem Festgelände, Luftgewehrschießen, Hüpfburg und mit den Vorführungen von Kettensägenkünstler Rainer Blümel aus Weißkollm. Bei Förster Matthias Kruner können die Jüngsten den Kinder-Sägeschein erwerben.

Bevor das Ganze am Abend mit einer zünftigen Holzfäller-Party endet, müssen natürlich vorher die Erstplatzierten geehrt werden. Tom Brendel, Elektriker im Kraftwerk Boxberg, hat das Rennen gemacht und den Sieg in einer Gesamtzeit von 02:56,92 Minuten wieder nach Sagar geholt. Er verwies damit den Gewinner von 2016, Tino Schlammer - nur knapp eine Sekunde schlechter - auf Platz zwei. Dritter wurde mit etwas größerem Abstand Michael Kolodziej aus Lodenau. Mit diesem Ergebnis erwiesen sich die Gastgeber einmal mehr als die besten Holzsportler nach kanadischem Vorbild.

Blick aus luftiger Höhe auf die Wettkampfstätte in Sagar mit nagelneuer Bühne, wo gerade die Axtdisziplin „Speed Wood“ läuft.
Blick aus luftiger Höhe auf die Wettkampfstätte in Sagar mit nagelneuer Bühne, wo gerade die Axtdisziplin „Speed Wood“ läuft. FOTO: LR / Ingolf Tschätsch