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| 18:54 Uhr

Lausitzer Wölfe
Wolfsexperten suchen die Milkeler Welpen

FOTO: Carsten Rehder / dpa
Boxberg. Rätsel um den Nachwuchs des Milkeler Rudels: Niemand weiß, wo er abgeblieben ist.

Die vier Welpen des Milkeler Rudels hatten im vorigen Jahr für Schlagzeilen gesorgt. So wagten sich die jungen Wölfe mehrfach ganz in die Nähe von Menschen. Dabei zeigten sie kaum Fluchtverhalten. Im Gegenteil: Am 29. August verfolgte ein Welpe einen Imker, der nach seinen Bienenkästen im Wald schaute, bis zum Auto. Einen Monat später näherten sich die Tiere im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft mehreren Arbeitern an, die dort mit Motormähern unterwegs waren.

Und jetzt scheinen die Welpen des Milkeler Rudels, einer von zwei Wolfsfamilien in der Gemeinde Boxberg, spurlos verschwunden zu sein. „Letztmals wurden sie am 9. März gesehen“, sagt Sophia Liehn vom Kontaktbüro Wölfe in Sachsen. Der Boxberger Hauptamtsleiter Arian Leffs berichtet, dass er vor rund zwei, drei Wochen einen Wolf gesehen habe, der die B 156 zwischen Lieske und Commerau, also im Territorium des Milkeler Rudels, überquert hatte. „Das Tier war aber ziemlich groß“, erinnert sich Leffs. Wie ein Welpe habe der Graupelz eher nicht ausgesehen.

„Uns ist bislang nicht bekannt, wo die positiven Assoziationen der Welpen zum Menschen herkommen“, erzählt Sophia Liehn. Denn normal sei das Verhalten der Jungtiere nicht, obwohl diese durchaus neugierig sein können. Daher sei die Beobachtung, die Fachleute sprechen vom Monitoring, im vergangenen Jahr verstärkt worden. Ebenso hätten die Behörden eine Ausnahmegenehmigung zur Vergrämung der Tiere erteilt. Und nicht zuletzt sei am 9. November einer der Graupelze mit Gummi beschossen worden, wobei keine Verletzung entstanden sei.

„Doch dann gab es faktisch von heute auf morgen so gut wie keine Meldungen mehr von den Milkeler Welpen“, sagt Liehn. Bekannt sei lediglich, dass Anfang 2018 eines der vier Tiere auf der B 156 zwischen Uhyst und Boxberg überfahren wurde. „Möglicherweise hat sich die Bevölkerung aus den umliegenden Dörfern bereits an den Anblick der Wölfe gewöhnt und meldet Sichtungen nicht mehr“, vermutet Sophia Liehn. Dabei sei ihr Kontaktbüro auf solche Hinweise angewiesen.

Vielleicht habe die Welpen ein ähnliches Schicksal wie Wolf Pumpak ereilt, der vor einiger Zeit die Komposthaufen in und um Rietschen unsicher machte. Von einem Tag auf den anderen war er verschwunden und ward nie mehr gesehen.