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Woher stammten die Verletzungen?

Weißwasser. Ein ungewöhnlicher Fall von gefährlicher Körperverletzung hat jetzt zur Entscheidung vor Amtsrichter Ralph Rehm gestanden. Zwei Brüder aus Weißwasser waren angeklagt, im Januar vorigen Jahres mittels Faust und einem Baseballschläger die beiden 30-jährigen Paul W. Marlies Tieke / mtk1

* und Simon K.* aus Schleife ohne ersichtlichen Grund erheblich verletzt zu haben. Die Brüder Georg B.* und Ansgar B.* wiesen jedoch jede Schuld von sich und konnten sich keinen "Reim" auf diesen Vorwurf machen.

Zunächst schilderte der Ältere von Beiden, der 29-jährige B., wie der Abend verlaufen war. Gemeinsam mit einem Freund und seinem Bruder hatte er den Nachmittag in seiner Wohnung verbracht. Als seinem jüngeren Bruder einfiel, dass er für den nächsten Tag noch etwas benötigte, setzte sich das Trio ins Auto und fuhr zum Netto-Markt am Boulevard.

Gegen 19.30 Uhr angekommen, stieg Ansgar B. aus, um in den Supermarkt zu gehen. Die beiden anderen blieben derweil im Auto und warteten. B. kam aus dem Markt und erzählte ihnen, dass er eben von einigen Typen, die dort biertrinkend herumlungerten, ordentlich beleidigt worden war. Danach sind sie wieder zurück in seine Wohnung gefahren.

Sein 26-jähriger Bruder bestätigte in seiner Aussage das Geschehen bis dahin. Er ergänzte noch, dass eine Netto-Mitarbeiterin zu den "Störenfrieden" hinaus gegangen sei, um sie zu ermahnen. Kurz darauf kam einer dieser Männer herein, "schaute auf mich, ranzte mich an und beleidigte mich aufs Übelste", schilderte er seine Erinnerungen und war noch im Gericht aufgebracht über dieses Verhalten.

Richter Rehm kommt auf die Verletzungen von W. und K. zu sprechen und fragt die Angeklagten, warum die beiden bei der Polizei beschuldigt worden seien. Das können sie sich nicht erklären. Ansgar B. vermutet, weil man sich vom Sehen her kenne: "Sie können uns wahrscheinlich nicht leiden." Der erste Zeuge war der Freund der Beiden, der vor Gericht erklärte:"Das war ein ganz gewöhnlicher Abend, an dem nichts vorgefallen ist!"

Als nächster Zeuge berichtete der Geschädigte W., dass er an diesem Abend mit seinem Kumpel seine Runde gedreht habe und dabei getrunken wurde. Um Nachschub zu holen, sei man zum Netto-Markt gegangen. Sein Kumpel sei hineingegangen und kurz, nachdem er wieder draußen war, habe der Angeklagte B. ihnen zugerufen: "Wir kommen noch mal wieder!" Und tatsächlich seien sie mit dem Auto erneut erschienen und hätten seinem Kumpel K. ins Gesicht und "mir mit dem Baseballschläger einmal gegen die Wade" geschlagen. Ein ordentlicher blauer Fleck und eine einwöchige Krankschreibung waren das Resultat.

Schlimmer hatte es K. erwischt. Er trug einen Kieferbruch davon, der operativ behandelt werden musste. Auch er behauptete in seiner Aussage, dass es sich so zugetragen hatte. Für ihn kam der Schlag aus dem Nichts und ohne Grund.

Die als Zeugin geladene Mitarbeiterin des Netto-Marktes konnte zwar bestätigen, dass sie draußen die etwas laute Truppe ermahnte und wegschickte. Als sie aber um 20 Uhr den Markt abgeschlossen hatte, war auf dem Parkplatz weder jemand zu sehen, noch hat sie eine Auseinandersetzung mitbekommen. Aber sie hatte die beiden Geschädigten im Vorraum des Sitzungssaales gesehen und als die beiden "Störenfriede" wiedererkannt.

Eine durch die Polizei zusätzlich befragte Mitarbeiterin des Backstandes, die eine gute Sicht auf den Parkplatz hatte, hatte auch nichts Auffälliges an jenem Abend bemerkt.

Der von K. erst in der Verhandlung genannte Zeuge, der seine Aussagen bestätigen könnte, erschien zum extra anberaumten Fortsetzungstermin nicht und muss deshalb ein Ordnungsgeld in Höhe von 100 Euro zahlen. Nach Abschluss der Beweisaufnahme erhielten die beiden Brüder das letzte Wort, in dem Ansgar B. beteuerte: "Mein Bruder und ich waren das nicht!"

Richter Ralph Rehm gab zu, dass es ihm ausgesprochen schwer gefallen sei, hier ein Urteil zu fällen. Er entschied auf Freispruch, weil letzte Zweifel nicht beseitigt werden konnten und die beiden Geschädigten "ein merkwürdiges Aussageverhalten gezeigt hatten". Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

*Namen geändert