In Sachsen zählte 2015 das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz um Projektleiterin Vanessa Ludwig zehn Wolfsrudel und ein Einzeltier. "Das Kollmer Rudel ist indessen verschwunden", klärt Vanessa Ludwig auf, "jedoch ist das freigewordene Territorium schon wieder unter neuen Rudeln aufgeteilt." Auch in Brandenburg soll es Anhaltspunkte für neue Rudel geben, jedoch seien diese noch nicht hinreichend überprüft.

In der südlichen Oberlausitz zwischen Löbau und Dresden sind den Experten wiederum Spuren eines neuen Rudels im vergangenen Jahr bekannt geworden. "Die Hinweise verdichten sich, dass südlich der Königshainer Berge ein neues Rudel sesshaft geworden ist", berichtet Vanessa Ludwig. Das belegen nicht zuletzt ein Schafriss, der dem Büro gemeldet wurde, und ein getöteter Welpe, der genetisch nicht zum Nieskyer Rudel passe. Das Büro hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung über Spuren der Wölfe, die sich bei Schnee besonders gut erkennen lassen.

"Eine genaue Zählung der Wölfe ist leider schwerlich möglich", beschreibt die Projektleiterin. Die EU hat seit 2013 Fangversuche mit veränderten Totschlagfallen, die das Tier nur festhalten und nicht töten, verboten. Das ist der Grund, warum die Fachleute Wölfe auch nicht mehr mit einem Sender ausstatten können, mit dessen Hilfe die Bewegung der Wölfe sichtbar wird. Eine Lappjagd, bei denen der Wolf in Fangnetze getrieben wird, wäre zudem viel zu aufwendig, da die Tiere sehr scheu sind und in ihr beanspruchtes Territorium zwischen 200 und 250 Quadratkilometern groß ist.

Unterdessen wurden 2015 etwa 55 Schäden bei Tierhaltern in Sachsen registriert, bei denen Isegrim als Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen werden konnte. "Dabei wurden 139 Nutztiere getötet, 17 vermisst und 16 verletzt", erklärt Vanessa Ludwig. Vor allem Schafe, aber auch Dammwild in Gehegen, gehören zur Beute der Wölfe. 2015 lag der Schwerpunkt bei zwei Rudeln in der Laußnitzer Heide und in der Region rund um Rosenthal. "Dort haben sich Tierhalter noch nicht ausreichend auf den Wolf beispielsweise mit Zäunen eingestellt", konstatiert die Projektleiterin. Die Wölfe hätten die dort angeketteten Schafe als leichte Beute erkannt, weshalb es sogar zum Überspringen von Zäunen gekommen sei. "Das ist sehr untypisch", erklärt Vanessa Ludwig. Inzwischen habe das Büro die Tierhalter mit Flatterbändern als Sichtbarriere ausgestattet, sodass die Zäune seitdem nicht mehr übersprungen werden.

2015 sowie in den vergangenen Tagen sind immer wieder Berichte aus Niedersachsen von Wölfen bekannt geworden. "Dort wurde von Nahbegegnungen von Wolf und Mensch berichtet", weiß die Büroleiterin. Erstmalig sei in Deutschland bekannt geworden, dass dort ein ganzes Rudel von sieben Wölfen einer Spaziergängerin gefolgt sei. "Die Tiere haben offenbar keine Angst vor dem Menschen", stellt Vanessa Ludwig fest. Das könne nur den Grund haben, dass sie "gute Erfahrungen" mit dem Menschen gesammelt haben. Jungtiere würden zwar natürlicherweise neugieriger sein als ältere, jedoch würden Wölfe beim Klatschen in die Hände in der Regel das Weite suchen.

Insgesamt acht Wölfe sind in Sachsen unterdessen gestorben. "Allein fünf sind von Autos angefahren worden, während zwei an einer natürlichen Ursache gestorben sind und ein Wolf erschossen wurde", so Vanessa Ludwig. Wölfe würden natürlicherweise Straßen queren müssen, weil ihr beanspruchtes Gebiet enorm groß und von Straßen durchzogen ist. Sie seien genauso wie andere Wildtiere vom Verkehr bedroht. "Oft sind es Jungtiere, die überfahren werden", weiß Vanessa Ludwig. Die Bevölkerung über die Wölfe und deren Lebensart aufzuklären, bleibt 2016 weiterhin Aufgabe des Wolfsbüros.

Zum Thema:
Inzwischen leben Wölfe in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Damit die Lausitzer einen Ansprechpartner haben, wurde das Kontaktbüro Wolfsregion in Rietschen eingerichtet. Sachsenweit organisierte das Büro 2015 etwa 265 Vorträge und 14 Infostände zum Wolf. Im Juli soll der Wolfstag auf einem Bauernmarkt in Dohna in der Sächsischen Schweiz stattfinden. Dort und in der Region um Leipzig bestehe noch Aufklärungsbedarf zum Thema Wolf, hieß es.