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| 16:57 Uhr

Wohnungsmarkt
Wobau kann aufatmen

Bad Muskau. Bad Muskauer Gesellschaft registriert Zuzug aus Westdeutschland und Polen. Altersdurchschnitt der Mieter sinkt das dritte Jahr in Folge.

Die Finanzkrise hat durchaus auch positive Seiten.  Nämlich dann, wenn es darum geht, Kredite umzuschulden. Davon hat die Wohnungsbaugesellschaft Bad Muskau mbH (Wobau) deutlich profitiert. „Aus der hohen Kreditbelastung ist die Gesellschaft jetzt heraus“, kann Bernd M. Glowka, Geschäftsführer der Wobau, jüngst den Stadträten berichten. In konkreten Zahlen sieht das so aus: Früher musste das Unternehmen rund 290 000 Euro an Zinsen zahlen, ab 2019 werden es weniger als 130 000 Euro sein. Das sind „nur“ noch elf Prozent vom Umsatz. Vorher waren es 30 Prozent (!). 2018 will man einen weiteren Kredit umschulden.

Nicht nur das lässt die städtische Tochter etwas aufatmen. Auch die Unterstützung der Mutter. Diese hatte Glowka bei seinem Bericht 2016 im Stadtrat deutlich eingefordert, als er die Liquidität der Gesellschaft als sehr angespannt bezeichnete. Schließlich hatte die Stadt ihre Gesellschaft erst in die Klemme gebracht, als sie ihr den Wohnkomplex Gablenzer Straße übertragen und damit einen 30-jährigen Verlust von vier bis fünf Millionen Euro vorprogrammiert hatte. Der Bitte des Geschäftsführers wurde entsprochen. Der Gesellschafter leistet bis 2019 Unterstützung, hieß es im Stadtrat.

Positiv nennt Glowka auch die gute Auslastung des Bestandes. Der Leerstand liege bei elf Prozent und umfasse auch die Wohnungen, die noch nicht ausgebaut sind. Das betrifft sowohl die Schützenstraße 3/5 und die Schmelzstraße 16. Erstgenanntes sollte längst fertig saniert sein. Das soll nun in Eigenregie erfolgen, um die Planungskosten zu sparen. 2018 soll möglichst begonnen und 2019 der Abschluss gesetzt werden. Weiterhin sollen Wohnungen saniert werden, wie zum Beispiel in der Köbelner Straße, die seit 1986 fast unverändert sind. Zudem soll in der Kirchstraße 34 ein Loft ausgebaut werden. „Unsere Aufgabe als Tochter der Stadt ist es und wird es sein, die vorhandene Wohnsubstanz ständig zu verbessern, damit sich die Menschen hier wohlfühlen, hier bleiben oder wieder zurückkehren“, so der Geschäftsführer. Er kann Zuzug vermelden. Der kommt aus zweierlei Richtungen. Zum einen sind es Rückkehrer aus Westdeutschland, zum anderen gibt es den Zuzug polnischer Familien. Das sei positiv für die Altersstruktur der Mieter. Die sinkt das dritte Jahr in Folge. Derzeit liegt man bei einem Durchschnitt von 50 Jahren.

Sorgen bereitet dem Geschäftsführer die abnehmende Zahlungsmoral. Die Mietschulden seien weiterhin hoch und auch nur mühsam einzutreiben. Außerdem werden Kündigungen ignoriert. Da stelle man sich tot, so Glowkas Erfahrungen. Zwangsmittel seien aber mühsam und teuer zugleich. Sogar eine Zwangsräumung sollte es in diesem November das erste Mal bei der Wobau geben. Doch der Mieter kam dem im Stadtrat noch angekündigten Fall durch einen Wohnortwechsel zuvor.

Nicht nur Wohnungen versucht die Wobau an den Mann oder die Frau zu bringen, sondern auch Läden und Büros. In der Kirchstraße musste die Gesellschaft den Auszug der Konfiserie Wetzold und des Büros der Firma Melchior verkraften. Der Laden ist wieder belegt, auch wenn dort mit einem Online-Handel ein Geschäft eingezogen ist, das Touristen und Anwohner weniger anspricht. Aber Mieteinnahmen sind wichtig.

Apropos Miete. Diese liegt im Wohnungs-Durchschnitt bei 4,61 Euro pro Quadratmeter. Hinzu kommen im rund 2,12 Euro pro Quadratmeter Nebenkosten hinzu. Damit liege man unter dem sächsischen Durchschnitt. Deshalb denkt die Gesellschaft über eine Mieterhöhung nach, weil auch die Ausgaben steigen. Dabei halte man diese auf einem Minimum. So arbeite man fast ohne Hausmeister und wolle die Verwaltung der Wohnungen auch noch effektiver gestalten.