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| 15:17 Uhr

Diskussion
Wo will Bad Muskau 2030 stehen?

Impressionen vom Winterlicht-Fest  im Muskauer Park.
Impressionen vom Winterlicht-Fest im Muskauer Park. FOTO: Stiftung Fürst-Pückler-Park
Bad Muskau. Was sind wir und wer wollen wir sein? Solche Fragen stellen sich die Stadträte von Bad Muskau derzeit. Der Parkstadt fehlt es offenbar an Orientierung und einem Leitbild. Jetzt sollen Fördermittel für die Moderation des Prozesses besorgt werden.

„Geburtsstadt von Herman Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau Park-, Kur- und Grenzstadt“ ist unter dem Wappen auf dem Briefkopf der Stadtverwaltung von Bad Muskau derzeit zu lesen. Auch mit anderen Titeln wird  Bad Muskau in Beziehung gebracht. Sie ist Neißestadt, Europa­stadt und auf dem Weg zur Hortensienstadt. Sind das nur Namen? Oder haben sie eine Bedeutung? Stehen sie für die Vergangenheit oder auch für die Zukunft? Alles in allem stiften die vielen Titel doch mehr Verwirrung als sie Orientierung geben.

Diese Problematik soll möglichst in der Diskussion und Erarbeitung eines Leitbildes für die Stadt gelöst werden. Der erste Schritt ist dazu gemacht.

In der jüngsten Stadtratssitzung haben die Räte einstimmig beschlossen, diesen Prozess einzuleiten. Der wird allerdings etwas länger dauern, als anfangs vermutet wurde. Grund dafür ist der Wunsch nach einer professionellen Moderation des Ganzen. Diese soll aber auch unabhängig sein. „Wir wollen uns nicht von außen reinreden lassen“, formulierte Stadtrat Siegmar Nagorka (CDU) seinen Anspruch. Die Ideen sollen vielmehr von innen kommen, heißt von den Bad Muskauern selber.

„Wie wollen wir die Bürger einbeziehen? Welches Gremium, welche Form? An der Stelle bin ich echt gespannt“, so Stadtrat Wilfried Bartholomäus. Der Abgeordnete der Linken hatte in der Oktobersitzung des Rates mit einem konkreten Vergleich der Entwicklung von Burg im Spreewald und Bad Muskau den Finger in die Wunde gelegt. 1994 hatte es nämlich die letzte Grundsatzdebatte zu dem Thema gegeben. Damals hieße es: Kur, Fremdenverkehr und Tourismus sollten zum Hauptwirtschaftsfaktor werden. Dabei sollte an die alte Bädertradition von 1823 angeknüpft werden. Der sanfte Tourismus war Ziel, man wollte die Heilmittel Moor, Eisenvitriol und Sole nutzen beziehungsweise erschließen, aber nicht das Wachstum um jeden Preis forcieren. Klein aber fein, so das Motto.

Das soll auf den Prüfstand. Und nicht nur das. Leitbild ist in dem Fall nicht nur ein Schlagwort oder ein Name. Wie wird Bad Muskau 2030 aussehen? Wie werden die Einwohner leben? Wissen die Bürger, in welche Richtung sich die Stadt entwickeln wird? Gibt es eine einheitliche Leitidee, um die Stadt für Bürger, Touristen und Investoren interessant zu machen?

Antworten auf diese Fragen soll möglichst ein ganzheitliches Entwicklungs-, Handlungs,- Kommunikations- und Führungskonzept geben, dessen Umsetzung die Verantwortlichen der Parkstadt konsequent angehen wollen, steht es in der Begründung zur Beschlussvorlage.

Großes Schlagwort ist in diesem Zusammenhang die demografische Entwicklung, die um Bad Muskau auch keinen Bogen macht. Genau auf dieses Feld setzen die Parkstädter, wenn es darum geht, Fördermittel zu gewinnen. Denn die braucht es, soll jemand professionell moderieren. Eine Förderquote von 90 Prozent ist in diesem Fall denkbar, deutet Hauptamtsleiter Dirk Eidtner an. Bis Ende September muss Bad Muskau seinen Antrag in Dresden vorliegen haben. Haushaltsmittel stünden dann im besten Fall 2019 zur Verfügung. Da ist natürlich fraglich, ob 2018 überhaupt noch ein Schuss losgehen kann.

Zumindest steht aber schon mal fest, was am Anfang stehen soll. Nämlich eine Auftaktveranstaltung, bei der alle Einwohner, Repräsentanten der Vereine, von Organisationen, Betrieben, Handwerker, Vertreter von Schule und Kita eingeladen sind. „Das alles mit Leben zu erfüllen, wird schwer genug“, mutmaßt Siegmar Nagorka.

Den Hut soll quasi die Steuerungsgruppe Bad Muskau 2030 aufhaben.

Was im Tagesordnungspunkt komplett außen vor bleibt, ist die Frage der Gemeindefusion mit Krauschwitz. Schließlich soll das kommunale Leitbild in eine wegweisende Stadtidee münden und die Kommune ist ab 2019, wenn die bisherigen Pläne aufgehen sollten, definitiv größer.