| 18:44 Uhr

Aufgeschnappt
Wo Staubgrau einfach die richtige Wahl ist

Die Torte zum 60. Geburtstag der Oberschule Krauschwitz.
Die Torte zum 60. Geburtstag der Oberschule Krauschwitz. FOTO: Regina Weiß
Von einem geplanten Reißer des Landkreises bis hin zu den 500 000 Einwohnern von Tränke – Neujahrsempfänge und Ratssitzungen haben auch wieder für Lacher gesorgt.

Als Bürgermeister tanzt man auf vielerlei Hochzeiten. Erst recht, wenn man so eine große Gemeinde wie Box­berg hat. Achim Junker (CDU) kann da nur verschmitzt lächeln: „Meine Frau ist ja auch berufstätig. Da fällt ihr gar nicht auf, wenn ich nicht zu Hause bin.“ Da er dann doch ab und zu mal zu Hause sein will, guckt er schon auf die Termine. Aber es gibt Sachen, die müssen sein, wie kürzlich die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Drehna. „Da ist schließlich das halbe Dorf in der Feuerwehr.“

Klar wurde beim Neujahrsempfang in Rietschen mit Sekt angestoßen. Für die Kraftfahrer gab es auch die alkoholfreie Variante, um nicht etwa mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Außerdem gab Bürgermeister Ralf Brehmer (parteilos) allen einen Tipp: Bürgerpolizist Ma­thias Reißmann war eigentlich auch zum Empfang eingeladen. Brehmer konnte ihn nirgends sehen. „Vorsicht, er könnte auch draußen sein!“

Fast unscheinbar hing die Premiere an der Wand vom Fema-Saal: der erste Auftritt für die neue Fahne von Rietschen. Sie zeigt ein heraldisch korrektes Wappen auf einer vexillologisch korrekten Fahne. „Vier Sitzungen haben wir dafür im Gemeinderat gebraucht“, erinnert Brehmer. Eine Nachbargemeinde hätte  für das gleiche Problem sogar einen Arbeitskreis gebildet. Brehmer ist sich zudem sicher, dass die Gemeinderäte in Sachen Fahnenkunde einiges an Wissen mitgenommen haben.

In diesem Jahr versuchte es Rietschens Bürgermeister mit dem Blick in die Glaskugel. Er konnte einige Informationen, die die Zukunft von Rietschen betreffen, auch erkennen. „Ich stehe danach auch noch für private Anfragen bereit, allerdings konnte ich die Lottozahlen noch nicht lesen.“

Für die musikalische Umrahmung sorgte in Rietschen eine Abordnung des „Fröhlichen Harmonika Orchesters Krauschwitz“. Dessen Leiter Hagen Schmidt kann in diesem Jahr 25 Jahre Musikschule Fröhlich feiern. In Rietschen erinnerte sich der Bad Muskauer daran, wie er vor 25 Jahren mit seinem gelben Wartburg ins Dorf fuhr, um Kundschaft zu gewinnen. Ohne Handy blieb nur, an den Häusern klingeln. So kamen die ersten Musikschüler zusammen. Rietschen und Daubitz hat die Musikschule über all die Jahre die Treue gehalten. Im Gespräch mit Bürgermeister Ralf Brehmer wurde erklärt, dass man mit Musik nie früh genug anfangen könne. Denn sie halte jung. „In unserem Orchester sind Junge und Junggebliebene. Die älteste Teilnehmerin ist 75“, erklärte Hagen Schmidt.

Mit einer Warnung seiner Frau stieg Leknicas Bürgermeister Piotr Kuliniak in seine Neujahrsansprache beim Konzert in Bad Muskau ein. „Sie hat gesagt, ich soll nicht so lange reden.“ Doch Zeit ist relativ. Kuliniak wollte keines seiner Projekte, die in diesem Jahr anstehen, unerwähnt lassen.

Die Kalorienzahl eines Stückchens Cremetorte dürfte die Zahl 60 weit übertroffen haben. 60 Jahre Schulgebäude in Krauschwitz wurde mit Kaffee und Kuchen bei einer Festsitzung gefeiert. Derweil Schulleiter Michael Christoph seine Rede hielt, bat er die Gäste ausdrücklich ordentlich zuzulangen. „Ich dachte, sie werden mehr mit den Tassen und Tellern herumklappern. Ich habe sie kaum gehört“, sagte er später.

Der deutsch-sorbische Schulkomplex hat am Dienstagabend die Gemeinderäte in Schleife umfassend beschäftigt. Bis hin zu den Farben und der Beschaffenheit des Fußbodens. Und sofort meldete Gemeinderat Sven Scholtka Bedenken an. „Bekommt dann jeder am Eingang eine Bürste mit in die Hand?“, wollte er wissen, um der Streifenbildung auf dem Linoleum vorzubeugen.

Wenn in der künftigen Mensa des deutsch-sorbischen Schulkomplexes die Schüler einmal speisen werden, dann wird sich Besteck-Klappern mit Gequatsche mischen. Deshalb werden Schallschutzwaffeln an der Decke installiert. Die Reinigung der Installation warf beim Gemeinderat Matthias Jainsch Fragen auf. Mit „die sind schon in Staubgrau gehalten“, hatte Planerin Antje Schrabs die Lacher auf ihrer Seite.

Beim Neujahrsempfang auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz konnte Kommandant René Pierschel auch CDU-Landtagsabgeordneten Lothar Bienst begrüßen. Der hatte sich laut Pierschel für den zweitwichtigsten Empfang Sachsens entschieden. Zeitgleich lief nämlich der vom Ministerpräsidenten.

Die Mannschaft vom Übungsplatz arbeitet mit vielen Partnern zusammen. Dazu gehört auch der Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement. Der Bautzener Niederlassungsleiter Norbert Seibt wurde von Pierschel direkt angesprochen: „Wenn Sie mal Geld übrig haben und alles auf eine Karte setzen wollen, dann können Sie sich an mich wenden. Ich habe eine Idee.“

In diesem Jahr gibt es auf dem TÜP Oberlausitz keinen Tag der offenen Tür, dafür aber zwei Wandertage. Einer geht ins ehemalige Dorf Tränke, das 1962 dem Militär weichen musste. „Den Wandertag dorthin machen wir, um die 500 000 Einwohner von Tränke zu befriedigen“, so René Pierschel.  ⇥(rw)

Die Fahne der Gemeinde Rietschen hatte beim Neujahrsempfang Premiere.
Die Fahne der Gemeinde Rietschen hatte beim Neujahrsempfang Premiere. FOTO: Regina Weiß
(rw)