| 02:46 Uhr

Wo Kuchen- und Taschentuchbaum wachsen

FOTO: Tschätsch
Krauschwitz. Am Tag der offenen Gärten haben sich zahlreiche Besucher auch die grünen Oasen von Evamaria und Bernd Geisler sowie von Angelika und Wilfried Mätzig in Krauschwitz angesehen. Dabei entdeckten sie manche Rarität und putzige Vögel. Von INGOLF TSCHÄTSCH / igt1

Haben Sie schon mal was von einem Kuchenbaum gehört? Die kleine Gruppe, die gerade an diesem Sonnabendvormittag von Evamaria Geisler durch den Waldgarten geführt wird, muss jedenfalls verneinen. Wie die Krauschwitzerin ihnen erklärt, haben die abgefallenen, welken Blätter den Geruch von Lebkuchen. Allgemeines Staunen in der Runde. Bernd und Evamaria Geisler haben zum Tag der offenen Gärten ihr reizvolles Refugium für Interessenten geöffnet. Und die lassen sich nicht lange bitten. Immer wieder tauchen Besucher am Grünen Weg 8 auf.

2005 habe das Ehepaar die total verwilderte Fläche in Angriff genommen, auf der sich früher eine Wirtschaft befand, erzählt die Hausherrin. 11 000 Quadratmeter sind es, wovon der erste Teil - 8000 Quadratmeter - im Jahr 2011 nach mühevoller Kleinarbeit kultiviert waren. Der Rest ist nach wie vor Wald. Nicht alles sollte Säge und Axt zum Opfer fallen, es wurde ausgelichtet und Erhaltenswertes stehen gelassen, wie der alte Apfelbaum, aber auch viel Neues angepflanzt. Kleine Inseln mit Gewächsen und Blumen entstanden. Amberbaum, Winterschneeball, Sommermagnolie, Kornelkirsche, der Kuchenbaum, Kupferfelsenbirne, rosafarbene Forsythien … Evamaria Geisler spricht teilweise von Raritäten, die hier wachsen, und die man wegen ihrer Besonderheit "mit Sie anreden muss".

Der Taschentuchbaum ist solch eine Kostbarkeit. "Er entwickelt seine Blätter erst nach 15 Jahren", erfahren die Interessenten. Evamaria Geisler verweist öfter darauf, dass dieser oder jener Baum oder Strauch auch im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau seinen Standort hat. Das ist kein Zufall. Bernd Geisler war früher Chef des Moorbades in der Parkstadt. "Wir haben dort inmitten der Natur gewohnt", so der 74-Jährige. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Geislers bei der Gestaltung ihres Waldgartens immer wieder kreative Anleihen beim Unesco-Weltkulturerbe genommen haben.

Drängt sich die Frage auf: Wie schaffen es die beiden Senioren, eine so gewaltige Fläche so schön herzurichten? Bernd Geisler: "Wir sind gelernte DDR-Bürger, wissen, wie gearbeitet wird. Wir brauchen zwei Rasenmäher, einen für die obere, den anderen für die untere Wiese. Einen für meine Frau, den anderen für mich. Das Mähen des gesamten Grundstückes ist ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag."

Bis aus Cottbus sind Manuela Umlauf und Gisela Schubel zu Geislers gekommen. "Meine Freundin Gisela, ein absoluter Gartenfreak, hat mich mitgeschleppt. Ich bin Laie", gesteht Manuela Umlauf. "Bisher waren wir bei den Tagen der offenen Gärten nur in der Umgebung von Cottbus unterwegs. Jetzt wollten wir mal weiter und sind ganz spontan hier gelandet. Wir sind begeistert und wollen auch noch in den Fürst-Pückler-Park", so die Cottbuserin.

Nur einige Hundert Meter weiter in Krauschwitz präsentiert sich ein Garten von ganz anderem Typ der Öffentlichkeit - der von Angelika und Wilfried Mätzig in der Langen Straße 34. Mit 2500 Quadratmetern einige Nummern kleiner als der von Geislers, aber mit einer Fülle von handwerklichen Gestaltungsvarianten. Ein bisschen eigenwillig und verrückt, wie der frühere Maschinenbau-Ingenieur, der am vorigen Sonntag seinen 76. Geburtstag feierte. Beispielsweise hat er rostige Skulpturen aus alten Gerätschaften wie Harken und Sicheln zusammengeschweißt. Dazu die vielen Keramikarbeiten von Angelika Mätzig - Vögel aus Ton etwa -, die dem Besucher auf Schritt und Tritt begegnen. Die kreativen Handschriften der beiden fügen sich zu einer reizvollen Symbiose zusammen. Dabei wird der gärtnerische Aspekt nicht vernachlässigt. "Ich habe Apfelsorten von früher wie die Graue Renette und den Hasenkopf wieder angepflanzt. Jetzt stehen 13 Bäume dieser alten Sorten in einer Reihe", erzählt Wilfried Mätzig. Seine neueste Errungenschaft ist eine Hobbyausstellung mit Fotos und Keramikartikeln.

"Wir sind im Garten", wie es handgemalt auf einem kleinen Tonherz am Eingang steht, ist auch das Lebensmotto der Mätzigs. Das sie umgebene landschaftliche Kleinod ist ihr Ein und Alles. Und sie leben auch davon, sind Selbstversorger. "Gestern hat meine Frau 30 Gläser Erdbeermarmelade eingeweckt", berichtet der Krauschwitzer.

Gerade verlassen Steffen und Mandy Bieder aus Mühlrose nach einer Führung den Hausgarten von Angelika und Wilfried Mätzig. "Wir sind jedes Jahr hier, um zu schauen. Die Hochbeete haben mir besonders gefallen", sagt die Mühlroserin. Bis Samstagmittag sind es 30 Interessenten, die den Krauschwitzern einen Besuch abstatten. Der alljährliche Tag der offenen Gärten hat längst ein breites Echo in der Öffentlichkeit gefunden.