ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:00 Uhr

Initiative
Wo Harzfeuer und Okras gedeihen sollen

So könnten die Gemüsehochbeete aussehen. Sie sollen möglichst mit Sorten bestückt werden, die vom Frühjahr bis Herbst eine Ernte zulassen.
So könnten die Gemüsehochbeete aussehen. Sie sollen möglichst mit Sorten bestückt werden, die vom Frühjahr bis Herbst eine Ernte zulassen. FOTO: Ivonne Wierink/Fotolia / fotolia
Weißwasser. Der Stadtgarten Teil 2 soll bunt werden. Ideen dazu werden im Korczak-Haus in Weißwasser gesammelt.

„Alles muss klein beginnen, lass etwas Zeit verrinnen. Es muss nur Kraft gewinnen und endlich ist es groß“, zitiert Andrea Kotzam vom Impuls-Verein am Montag den Liedermacher Gerhard Schöne. Viele kleine Samen braucht es, Zeit und auch Kraft, damit es im Stadtgarten am Korczak-Haus grünen und blühen kann.

Doch bevor gesät wird, wird in dem Fall geerntet: Es geht um das Einsammeln von Ideen. Und dafür hat man sich in gemeinsamer Runde eingefunden. Dazu gehören alteingesessene Weißwasseraner und Frauen und Männer aus dem Irak und aus Afghanistan, die erst seit kurzer Zeit in der Stadt wohnen. Alle sollen sie erzählen, was sie sich von einem Stadtgarten wünschen. Ahmad und Wisam haben es Äpfel angetan. Eine erste Ernte könnte schon in diesem Jahr möglich sein. Denn die Obstbäume, die gleich neben der Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigung (GAB) gesetzt wurden, sind angewachsen. Sie bilden den ersten Teil des Stadtgartens. Nun geht es um die Hochbeete am Korczak-Haus. Fünf Stück sollen gebaut werden. Jedes einzelne soll zwei Meter mal vier Meter groß werden. Was hinein kommt? Zucchini, Bohnen, Gurken, Radieschen, Kartoffeln. „Und Tomaten und Zwiebeln“, schlägt Ali aus Afganistan vor. Ein anderer Landsmann schlägt Okras vor. Was ist das denn? Eine Schote, auch Gemüse-Eibisch genannt. Noorullah ist die Sorte egal. Ihm ist es nur wichtig, im Garten arbeiten zu können. Dabei könnten den Männern aus dem fernen Land ihre vormaligen Berufe beziehungsweise ihr handwerkliches Geschick zugute kommen. Denn nicht nur die Hochbeete sollen in den nächsten Wochen entstehen, sondern auch ein Geräteschuppen und ein Gartenhaus müssen aufgebaut werden. „Und dafür brauchen wir schließlich auch ein Fundament“, so Ernst Opitz vom Impuls-Verein.

Um das Fundament für den Garten, also die Pflanzen, soll es ab März gehen. Am 12. März treffen sich ab 16 Uhr alle Interessenten – gern auch neue – zum Thema Stadtgarten in der GAB, um die Tomaten zu säen. Weil die GAB lange Fensterbänke in ihrem Haus hat, können die Samen dort treiben. Für Christel Jaschke steht fest, Harzfeuer muss unbedingt dabei sein. Den Samen der alten DDR-Tomatensorte werde sie selbst beisteuern. Sie hofft auch darauf, dass es reichlich Zucchini zu ernten gibt. „Dann koche ich was Leckeres für uns“, sagt sie. Und damit ist sie nicht die einzige, die in dem Garten nicht nur ein reines Anbaugebiet sieht. Geselligkeit und Treffen sollen nicht zu kurz kommen. Deshalb soll im wahren Wortsinn auch Leben in den Garten einziehen. Dabei sind Mensch und Tier gemeint. So sollen auch Vogelhäuschen und Insektenhotel entstehen. „Wir fangen klein an, mit Insekten und Schnecken“, wirft Christian Hoffmann lachend ein. Er ist als Diplomingenieur für Landschaftsnutzung einer der Fachleute, die das Projekt begleiten. Dass heißt allerdings auch, dass sich Maximilian, er ist einer Jüngsten in der Runde, etwas gedulden muss. Er hätte gern eine Kuh im Stadtgarten gesehen.

„Ich bin begeistert von den vielen Ideen, die es heute so gibt. So wird der Garten bunt“, sagt Andrea Kotzam. Sie wünscht sich für den Stadtgarten auch Sicherheit. Dafür muss der Zaun noch ausgebessert werden.

Das Projekt wird mit Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds ermöglicht. Es läuft über zwei Jahre und umfasst einen finanziellen Rahmen von rund 240 000 Euro. Ausdrücklich erwünscht ist, das sich Anwohner beteiligen.