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Wo Geschichte erlebbar ist

Die Dampfmaschine gehört zu rund 4000 Ausstellungsstücken im Museum Sagar.
Die Dampfmaschine gehört zu rund 4000 Ausstellungsstücken im Museum Sagar. FOTO: ni
Sagar. Vor 20 Jahren ist das Handwerk & Gewerbe Museum Sagar gegründet worden. Mit Museumsfest und Sonderausstellung wird das Sonntag gefeiert. Gabi Nitsche / ni

Es ist eins der wenigen ehrenamtlich geführten Museen in Sachsen. 20 Jahre hat das Handwerk & Gewerbe Museum Sagar auf dem Buckel, und die "Macher" um Vorsitzenden Gotthard Kreisel sind verdammt stolz. "Wir haben nicht nur hier, sondern auch überregional einen guten Ruf und den gilt es zu verteidigen", sagt Egbert Feuerriegel. Der Sagarer gehört seit Jahr und Tag zum harten Kern des Fördervereins.

Die besondere Stätte regionaler Geschichte ist das Lebenswerk dieses Vereins. Wenn die Mitglieder auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicken und darauf, wie sich alles entwickelt hat, dann wird ihnen klar: "Da steckt unheimlich viel Kraft und Zeit drinnen, und es ist heute mehr denn je ein riesiger Kraftaufwand, so ein Museum zu führen", weiß Feuerriegel. Zudem sind alle Mitstreiter älter geworden.

Zum Verein gehören 27 Mitglieder. Der Altersdurchschnitt liegt laut Egbert Feuerriegel bei über 65 Jahren. An erster Stelle sollten die Familie und die Gesundheit stehen. "Aber dann steht schon in der Prioritätenliste der Verein. Ansonsten wäre das alles hier nicht entstanden", so Gotthard Kreisel.

"Uns geht's wie vielen Vereinen, uns fehlt der Nachwuchs." Kreisel und Feuerriegel sprechen ihren Mitstreitern aus dem Herzen, wenn sie die Hoffnung aussprechen, junge Leute für ihre Sache zu begeistern. "Wir wollen ja nicht nur ausstellen, sondern Geschichte erlebbar rüberbringen." Das mitzutragen, sollte doch auch die Jugend begeistern, hofft der Vereinsvorsitzende. Und vielleicht bringen sie ja den einen oder anderen Besucher des Jubiläumsfestes am Sonntag auf den Geschmack. Ab diesem Tag wird die Sonderausstellung "20 Jahre sammeln, bewahren, forschen, ausstellen" gezeigt.

Gesammelt haben die Sagarschen Museums-Enthusiasten in zwei Jahrzehnten mächtig. Das "Prunkstück" ist die Horizontal-Gatterhalle, die erstmals am Sonntag der Öffentlichkeit gezeigt wird. "Das Gatter hat uns der Nieskyer Stellmacher Maroske 2008 auf seinem Sterbebett ans Herz gelegt und gesagt, wir sollen es mitnehmen", erinnert sich Gotthard Kreisel. Im Jahr darauf bekam die Gatterhalle des Museums einen Anbau, um das Horizontalgatter, Baujahr 1920, eine Vierseithobelmaschine und eine fünffache Kombinationsbearbeitungsmaschine unterzubringen. Dank Unterstützung der Firma Kreisel und Stahlsanierung Schacher sind die drei Maschinen aufgebaut worden.

"Wir warten aber immer noch auf die Auszahlung der Fördermittel für die Restaurierungsarbeiten und so weiter. 24 100 Euro haben wir beantragt, 17 400 Euro sollen wir bekommen, dafür mussten wir 20 Prozent Eigenleistungen schaffen", berichtet der Vorsitzende. Zugesagt wurden die Gelder, nachdem der Verein einen Erbbaupachtvertrag abgeschlossen hatte. "Jetzt haben wir alle Investitionen abgeschlossen und konzentrieren uns auf das Betreiben", sagt Mitstreiter Egbert Feuerriegel.

Er erinnert, wie es einst begann: "Angefangen hat es am 20. September 1997, als der damalige Landrat, Erich Schulze, in der Eingangsscheune eine Pechschnur mit einem Breitbeil durchhackte." Diese Scheune, das rekonstruierte Sägewerk und das ehemalige Gemeindeamt waren damals die einzigen Gebäude auf dem Gelände. Heute machen das Museum acht Gebäude, davon sechs Holzbauwerke und zwei Massivgebäude, aus. "Wir präsentieren auf circa 1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche rund 4000 Exponate." Seit dem Jahr 2004 ist die Einrichtung als behindertengerecht zertifiziert. Feuerriegel: "Es existieren eine Leitspur für Sehbehinderte und eine Toilette für Rollstuhlfahrer."

Manche Dinge haben scheinbar endlos lange gedauert, weiß Feuerriegel, bis sie zu einem guten Ende geführt werden konnten. Neben dem Horizontal-Gatter treffe das auch auf die Lokomobile aus der Herschenz-Mühle bei Ruhland zu. "Die Restaurierung der zum Teil doch sehr verschlissenen Maschinen ist immer eine Frage des Geldes. Es hat viel Zeit und Mühe gekostet, die notwendigen Gelder in Form von Fördermitteln zu akquirieren, sodass die Lokomobile 2012 restauriert werden konnte." Der Sagarer gesteht: "Umso schöner ist es für uns, wenn diese alten Geräte dann präsentiert werden können. Genauso freuen wir uns darüber, dass wir in dem im Jahr 2007 übernommenen kleinen Massivgebäude am Sägewerksteich nun eine voll funktionsfähige Dorfschmiede zeigen können, deren Einrichtung zum großen Teil aus Daubitz stammt. Und wir haben sogar einen Schmied, der diese Anlage zum Leben erweckt."

Das Museumsfest beginnt am Sonntag um 10 Uhr. Neben der Sonderausstellung wird angeboten: Eisenschmelzen, Zinngießen, Bücher, Maschinenvorführungen, Brunnenrohrbohrungen und für die Kinder eine Heuhüpfburg. Besucher, die in einem Oldtimer-Fahrzeug vorfahren, haben Sonntag freien Eintritt.

Zum Thema:
1991 Die Gruppe Ortsgeschichte bildet sich mit Orts-, Betriebschronisten und geschichtsinteressierten Bürgern aus der Gemeinde Krauschwitz.1994 Aus dieser Gruppe gründet sich der Förderverein Heimatmuseum Krauschwitz (später Förderverein Museum Sagar e.V.). Der Gemeinderat beschließt, das Sägewerksgelände in Sagar für ein Museum freizugeben. Gemeinderäte und Einwohner stellen sich massiv gegen die Idee. Der Verein setzt sich gegen die Widerstände durch und beginnt, den Aufbau eines Heimatmuseums vorzubereiten.1997 Der erste Bauabschnitt wird der Öffentlichkeit vorgestellt und der Museumsbetrieb eröffnet. 2000 Das Mehrzweckgebäude mit Veranstaltungsraum lädt ein.2002 Der Stadtrat Weißwasser stimmt zu: Weißwasser übergibt die Dampfmaschine aus dem ehemaligen "Gräflich-Arnimschen Dampfsäge- und Hobelwerken" dem Museum.2004 Die rekonstruierte Dampfmaschine wird eingeweiht.2007 Das Museum hat jetzt auch eine Dorfschmiede.2009 Anbau der Gatterhalle erfolgt.2010 Eingangsscheune nun mit Raum für Papierherstellung und Druckerei.2011 Nach Umbau der Sägewerkshalle neue Räume für Korb- und Stellmacherei sowie Hauswirtschaft.2012 Firma Kreisel rekonstruiert Lokomobile.2014 Stellmacherwerkstatt Steglich aus Putzkau wird in Sagar neu hergerichtet.2015 Aufnahme in die Industriekultur-Route als 52. Mitglied; Freundschaftsvertrag mit Zary. (ni)