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Wo Gäste oft überrascht sind

Die Barockkirche in Uhyst wurde vor 300 Jahren geweiht. Jetzt wird das Jubiläum gefeiert.
Die Barockkirche in Uhyst wurde vor 300 Jahren geweiht. Jetzt wird das Jubiläum gefeiert. FOTO: R. Weiß
Uhyst. Die Barockkirche in Uhyst steht am Wochenende im Mittelpunkt. 300 Jahre sind es seit ihrer Kirchweihe her. Das ist alle Mal Grund genug, um zu feiern. Dabei geht die Kirchengeschichte noch weiter zurück in die Geschichte. Regina Weiß

Wer die Uhyster Kirche das erste Mal betritt, kann sich ein "Ah" oder "Oh" nicht verkneifen. Zu sehr sind die Besucher überrascht von dem, was sich hinter der großen Holztür zeigt. Die meisten Besucher hätten eine solche Ausstattung in einer Kirche auf einem Dorf in der Lausitz nicht erwartet. Johanna Gruner, Mitglied im Kirchengemeinderat, kennt diese überraschten Gesichter von Führungen und freut sich jedes Mal wieder. "Es kommt ja nicht von ungefähr, dass unsere Kirche in einigen Publikationen als schönste Barockkirche Sachsens beschrieben wird", erzählt die Uhysterin stolz. Manch Gast meine sogar angesichts der üppigen Ausstattung, in einer katholischen Kirche zu stehen.

300 Jahre ist es her, dass die jetzige Kirche geweiht werden konnte. 1711 bis 1716 wurde sie durch Johannes Rudolph von Metzrad umgebaut. Dieses Jubiläum wird nun gefeiert. Dabei schlagen die Uhyster den Kreis zu einem anderen Jubiläum, dass nicht nur Deutschland, sondern weltweit ausstrahlt: 500 Jahre Reformation. Ein Theaterstück wird sich mit diesem Weltereignis beschäftigen (siehe Veranstaltungsüberblick).

2015 hat sich der Gemeindekirchenrat erstmals zusammengesetzt, um das Kirchenjubiläum vorzubereiten. Dazu sind nicht nur die rund 300 Mitglieder der Kirchengemeinde eingeladen, sondern auch Gäste, die eine Verbindung nach Uhyst haben. So Kinder oder Enkelkinder ehemaliger Pfarrer. Dank der akribischen Arbeit von Dietmar Neß, Pastor a.D. aus Groß Särchen, wissen die Uhyster nämlich ganz genau, wer schon ab 1592 bei ihnen Pfarrer war.

Denn die Kirchengeschichte in Uhyst geht über den Barockbau hinaus. Auf 1342 wird eine Kapelle datiert, die es im Dorf gegeben haben soll. Das steht nicht etwa in alten Folianten, sondern ist in der Kirche selbst zu lesen. Ein Epitaph ist mit dem geschichtlich interessanten Fakt erhalten geblieben. 1466 wurde diese Kapelle dann erstmals umgebaut. 1551 wurde Uhyst evangelisch, knappe 40 Jahre später folgte ein weiterer Umbau.

Den Kirchturm bekam Uhyst erst in der Zeit von 1726 bis 1735. Und genau der macht der Kirchengemeinde auch Sorgen. Ein Gutachten verrät, dass die Statik angegriffen ist. Deshalb können die drei Glocken namens Angelika, Gloria und Irene nicht mehr, wie es üblich war, um 9, 12 und 18 Uhr läuten, sondern nur noch beim Gottesdienst, Feierlichkeiten wie Hochzeiten und Taufen oder bei Beerdigungen.

Sorgenkind Nummer zwei ist die Orgel. Von der gibt es zum Leidwesen von Johanna Gruner nur noch die äußere Hülle. Eine elektronische Orgel sorgt derweil für die musikalische Begleitung. Dies ist der Situation geschuldet, dass die Uhyster Kirche über Jahrzehnte so manchem Wetterunbill ausgesetzt war. 1993 konnte die Barockfassung nach der Sanierung wieder hergestellt werden. "Aus wenig viel machen", sagt Johanna Gruner und rät zum näheren Hingucken. Was aussieht wie Marmor, ist "nur" angemaltes Holz. Um so mehr beeindrucken der Altar und die Grabplatte derer von Metzrad.

Zur Kirchgemeinde Uhyst gehören das Dorf selbst sowie Mönau, Rauden, Drehna und Bärwalde. Mit Lohsa wird ein gemeinsamer Kirchsprengel gebildet.

Matthias Gnüchtel ist seit 1981 in Uhyst. Erst als Vikar, steht er der Gemeinde seit 1993 als Pfarrer vor. Er und seine Frau Veronika achten sehr auf das Gotteshaus, ist nicht nur Johanna Gruner sehr froh.

Zum Thema:
Freitag, 4. November,19.30 Uhr: "Gregor kommt zurück nach Hause" - Theateraufführung im Gasthaus "Drei Linden". Die Inszenierung des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen zieht eine Linie zwischen dem Leben drei bedeutsamer Persönlichkeiten: Philipp Melanchthon, Caspar Peucer und dem Bautzener Stifter Gregorius Mättig. Karten gibt es für 4,90 Euro im Vorverkauf bei Johanna Gruner oder im Gasthaus. An der Abendkasse kosten sie 7,50 Euro.Samstag, 5. November,15 Uhr: Beginn der Gemeindefeier im Gasthaus "Drei Linden". Nach der Begrüßung durch Pfarrer Matthias Gnüchtel ab 16 Uhr musikalische Stunde mit dem Kirchenchor Lohsa. Ab17 Uhr Rückblick auf die kirchliche Geschichte.Sonntag, 6. November, 10 Uhr: Festgottesdienst mit Superintendent Jan Mahling. Der Festgottesdienst wird begleitet von der Bläsergruppe Kleinwelka. Im Anschluss an den Gottesdienst kann die Ausstellung zur Kirchengeschichte besucht werden.