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| 15:32 Uhr

Weihnachten
Wo es die Engel nicht leicht haben

Probe für das Krippenspiel zum Heiligen Abend in der evangelischen Kirche in Weißwasser. Mit dabei sind Leni und Lukas (Maria und Joseph), Marisa und Jasmin (die Engel), Mara (Hirte), Isabell und Sany (die Schäfchen).
Probe für das Krippenspiel zum Heiligen Abend in der evangelischen Kirche in Weißwasser. Mit dabei sind Leni und Lukas (Maria und Joseph), Marisa und Jasmin (die Engel), Mara (Hirte), Isabell und Sany (die Schäfchen). FOTO: Joachim Rehle
Weißwasser. Seit Oktober laufen die Proben für das Krippenspiel in der Evangelischen Kirche Weißwasser.

Die Schäfchen spielen „Schnick, schnack, schnuck“, Maria und Josef rutschen hippelig im Stall hin und her und die Schäfer haben scheinbar Plauderwasser getrunken. Sie können den Mund kaum eine Sekunde still halten. Dabei ist Probezeit in der Evangelischen Kirche Weißwasser fürs Krippenspiel.

Am morgigen Heilig Abend warten Hunderte von Besuchern auf die Aufführung im Gotteshaus. „Es wird um 14 und um 15.30 Uhr aufgeführt und beide Male ist das Haus voll“, weiß Sabine Zinkernagel. Sie hat auch in diesem Jahr den Text für die Geschichte geschrieben, die aufgeführt wird. Anregung dazu fand sie bei einer Görlitzer Pfarrerin und erweiterte das Ganze dann. „So wurden aus drei Engeln fünf“, erzählt die Pfarrersfrau lachend.

Insgesamt sind zehn Szenen entstanden, die sich alle rund um das Lichterfest in Bethlehem drehen.  „Alle sind sehr intensiv mit den Festvorbereitungen beschäftigt“, erzählt Sabine Zinkernagel. Da wird das Olivenbrot geknetet und das Festmahl hergerichtet. Um das entbrennt übrigens eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen Mirjam und ihrer Schwiegermutter. Letztere besteht aus alter Tradition auf gefüllten Fisch, weil es den schon immer und ewig bei Festivitäten in der Familie gegeben hat. Die Schwiegertochter hält aus demselben Grund am Lammbraten fest und denkt keineswegs an Fisch. Es wird richtig rumgezickt.

Da haben es die Engel schwer. Bei dieser Probe in der Kirche gleich doppelt. Die Defekthexe hat zugeschlagen, zwei der Mikros haben den Dienst quittiert. Nun müssen sich die Engel-Darsteller auf der Empore mächtig ins Zeug legen. Schließlich sollen sie Frauen, Männer und Kinder darauf aufmerksam machen, dass rund um das Fest etwas Göttliches passiert ist. Dass dort in einem Stall ein Kind geboren wurde. Ein Baby, das aussieht wie jedes andere. Und doch nicht wie jedes andere ist. Es ist Gottes Sohn.

„Nicht mal die frommen Leute glauben daran“, stellt einer der Engel entmutig fest. Und dennoch versuchen es die Engel. Sie schreien nicht, sie flüstern. Sie schubsen nicht, sie stoßen leicht an. Dabei bräuchte es eigentlich Argumentverstärker, wo doch alle so mit sich und dem Fest beschäftigt sind. Wie im wahren Leben ...

Mit 25 Mädchen und Jungen ist das Krippenspiel in Weißwasser so stark besetzt, wie schon lange nicht mehr. Die Jüngsten gehen noch in die Kita, die Älteren stehen bald vor der Kommunion. Sieben neue Mitspieler sind in die Truppe zu integrieren. Dort zählt die zwölfjährige Marisa schon zu den „alten Hasen“. Mehre Jahre ist sie bereits dabei. „Weil es einfach Spaß macht, in eine andere Rolle zu schlüpfen“, erzählt sie der RUNDSCHAU. In diesem Jahr ist sie einer der Verkündigungsengel.

Sabine Zinkernagel musste beim Verteilen der Rollen schon aufpassen, dass es nicht etwa zu Eifersüchteleien kommt, was die Textlängen betrifft. „Da habe ich schon mal die Zeilen gezählt“, berichtet sie. Als Regisseure und Helfer stehen ihr Beatrice Noack, Andrea Kotzam und Christiane Mühle zur Seite. Manchmal hilft nur deren deutliche Ansage, um sich bei der quirligen Schauspielergruppe durchzusetzen. Gerade haben nämlich die Hirten Hummeln im Po und am Stall wird gequatscht. „Ihr könnt eure Texte, aber ihr müsst zuhören, sonst verpasst ihr eure Einsätze“, macht Christiane Mühle gerade klar.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, es ist wie Flöhe hüten. „Noch schlimmer“, wirft Andrea Kotzam mit einem Lachen ein.Am heutigen Samstag findet die Generalprobe statt. „Die wird noch chaotischer“, ist sich Christiane Mühle aus Erfahrung sicher. Diese Sicherheit hat sie aber auch in Bezug auf den Gottesdienst am Heiligen Abend. „Dort klappt es immer.“

 Andrea Kotzam (1.v.r.) und Christiane Mühle (2.v.r.) behalten bei den Proben im Gotteshaus den Überblick. So manches Mal müssen sie soufflieren.
Andrea Kotzam (1.v.r.) und Christiane Mühle (2.v.r.) behalten bei den Proben im Gotteshaus den Überblick. So manches Mal müssen sie soufflieren. FOTO: Joachim Rehle