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Wo die Wölfe Haufen machen und Lehrer durchs Rohr kommen

Für die Gemeinderatssitzung am Dienstag in Schleife war kurzfristig die Tagesordnung verändert worden. Dem öffentlichen Teil wurde ein nicht öffentlicher vorangestellt. ni/rw

Mit Aushängen machte die Verwaltung darauf aufmerksam. Außerdem war an der Eingangstür zum Saal des Sorbischen Kulturzentrums ein Zettel angebracht: Achtung! Einlass zur öffentlichen Gemeinderatssitzung um 19 Uhr ab 18.50 Uhr. Als die Tür gegen 19.20 immer noch verschlossen war, sagte ein Wartender: "Die haben ja das Datum nicht dazu geschrieben ..."

Nach den Hiobsbotschaften, die Vattenfall im nicht öffentlichen Teil der letzten Ratssitzung verkündete, liefen Schleifes Bürgermeister und Räte mit hängenden Köpfen herum. Da konnte sie auch nicht die Werbung aufmuntern, die über die Bühne flimmerte, dass der fröhliche Musikantenstadl demnächst im Kulturzentrum zu Gast ist.

Die Beratungen vom Ortschaftsrat Schleife werden gut besucht, die Einwohner nutzen das auch, um auf Probleme hinzuweisen. Zum Beispiel auf unansehnliche Hundehaufen in Schleifes grüner Lunge. "Das müssen sehr große Hunde gewesen sein", mutmaßt Ortsvorsteher und Gemeinderat Wolfgang Goldstein. Bürgermeister Reinhard Bork verwies auf die Hundetoiletten, die an verschiedenen Wegen aufgestellt sind. "Und die Hunde können das sowieso nicht sein. Die sind alle wohlerzogen. Das müssen Wölfe sein", sagte der Gemeindechef lachend. Ja, er kennt seine Pappenheimer. Oder besser gesagt die Stärken und Schwächen von so manchem Herrchen und Frauchen.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Baum ist für mehr Ehrlichkeit in der Politik. "Ich kann mich auch dafür einsetzen, dass es Weihnachten 30 Grad Celsius warm wird, doch dass wird nie geschehen."

Es sei ärgerlich, so Mitorganisatorin Edith Penk aus Rohne, wenn in Medien geschrieben werde, dass sich an den Kundgebungen gegen den Tagebau Nochten II zu wenig Einheimische beteiligen würden. "Viele müssten eine Burka tragen, um nicht erkannt zu werden", so die Seniorin. Würden sie ihr Gesicht preisgeben, müssten einige mit Ärger rechnen, argwöhnt Edith Penk.

In Trebendorf wurde in dieser Woche kurz über den Haushalt gesprochen. Dazu hatte Kämmerin Carmen Petrick den Räten eine Übersicht ausgehändigt. "Es ist so übersichtlich, dass wir es noch verstehen", sagte Bürgermeisterin Kerstin Antonius. Denn der Haushalt, den die Räte in einigen Wochen beschließen sollen, würde ganz anders aussehen. Es ist der erste doppische Haushalt und somit für viele ein Buch mit sieben Fragezeichen. Oder mehr?

Als in Boxberg jetzt die neue Bibliothekssatzung beschlossen wurde, fragte Gemeinderätin Sigrun Hajdamowicz an, wie es um die Barrierefreiheit bestellt ist. Es gibt zwar eine Treppe, um die Bücherei zu erreichen, aber Bürgermeister Roland Trunsch erklärte, Renate Schmidt werde die Bücher gern runterbringen. Die Rätin und Bibliotheksbetreuerin machte sogar selbst den Vorschlag, die Bücher nach Hause zu liefen. Trunsch schaltete sofort: "Da müssen wir ja noch einen Lieferservice einrichten." Der ist bislang nicht beschlossen.

In Rietschen gibt es auch jedes Mal den Punkt Informationen des Bürgermeisters. Als Ralf Brehmer (Freie Wähler) damit beginnen wollte, fing er an zu suchen. "Ich habe mir extra dafür nen Zettel gemacht. Den ich jetzt nicht finde", musste er eingestehen. Doch wer sucht, findet.

Bevor über den Haushalt in Rietschen abgestimmt wurde, mussten beim Entwurf noch einige Veränderungen vorgenommen werden. So hatte der Gemeinderat zu entscheiden, ob im Ortsteil Werda im Zuge des Straßenbaus Vorbereitungen für den Austausch der Trinkwasserleitung auf 500 Meter und für den Breitbandausbau getroffen werden. Bei Letzterem ging es um den Einbau eines Leerrohres. Doch in Rietschen war von einem Lehrrohr zu lesen. "Kommen da die Lehrer durch?", fragte Gemeinderat Gerd Wenzel schmunzelnd.

Beim letzten Fußballspiel des FC Stahl Rietschen kam es in der Umkleidekabine zu einem Schaden. Wie Gemeinderat und FC-Vorstand Erbo Naß berichtete, war eine Bank aus der Wand gerissen worden. Das sei wohl vor dem Spiel passiert, so der Rietschener. Rat Bernd Hilke warf daraufhin ein: "Da wusste die Mannschaft wohl noch nicht, dass sie gewinnen wird." Gerd Wenzel schlug vor, künftig eine Videokamera in der Kabine zu installieren und erntete dafür einige Lacher. "Das wird wohl schwierig werden in einer Umkleidekabine", hielt Bürgermeister Ralf Brehmer dagegen.

Fehler passieren schneller als man gucken kann. Bei den Plakaten, mit denen die Freie Schule Boxberg am Aktionstag für die faire Finanzierung ihres Schulbetriebes eintrat, fehlte beim Wort Schuljahr das h. Kein Wunder, wenn die Kosten nur zu 60 Prozent vom Freistaat finanziert werden, kann für die Buchstaben schon mal die Farbe ausgehen.