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Millionen-Investition
Wo Bürgermeister am Rad drehen

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext/l.) und Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler) nehmen offiziell die Trinkwasserleitung nach Boxberg in Betrieb. Dafür öffnen sie die Anbindung vom Wasserwerk Boxberg an die neue Leitung.
Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext/l.) und Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler) nehmen offiziell die Trinkwasserleitung nach Boxberg in Betrieb. Dafür öffnen sie die Anbindung vom Wasserwerk Boxberg an die neue Leitung. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Die neue Trinkwasserleitung Boxberg-Weißwasser ist am Montag offiziell in Betrieb genommen worden. Von Regina Weiß

Klettern ist Montagvormittag im Wasserwerk in Boxberg angesagt. Nicht etwa nach oben, sondern nach unten geht es für Rüdiger Mönch und Torsten Pötzsch. Denn im „Keller“ liegt das Rohr, das das Wasserwerk und die neue Trinkwasserleitung zwischen Boxberg und Weißwasser verbindet. Der Krauschwitzer Bürgermeister und sein Oberbürgermeister-Kollege aus der Großen Kreisstadt sorgen dafür, dass das Wasser seinen Weg nehmen kann. Dafür dürfen sie ganz offiziell am Rad drehen.

Was nicht mal eine Minute dauert, hat einen zehnjährigen Vorlauf. Einen hürdenreichen noch dazu. „Zehn Jahre ist eine ganz schön lange Zeit, doch wenn man bedenkt, dass die neue Leitung 100, 200 Jahre die Große Kreisstadt mit Wasser versorgen kann, dann sind zehn Jahre sehr wenig“, schätzt Ingolf Arnold, Leiter Geotechnik beim Unternehmen Leag ein. 77 Jahre lang versorgte das Wasserwerk am Schweren Berg Weißwasser. Vor 30 Jahren ging es infolge des Tagebaus vom Netz. Das Wasser für den Versorgungsraum – von Schleife über Krauschwitz, Gablenz und Weißwasser – kam in all der Zeit über die Bergbauleitung und aus Schwarze Pumpe.

Mit der neuen Leitung zwischen Weißwasser und Boxberg ist der erste Schritt zu einer zukunftssicheren Trinkwasserversorgung der Region getan, so Rüdiger Mönch in seiner Funktion als Vorsitzender des Wasserzweckverbandes Mittlere Neiße-Schöps (WZV). Regelrecht plumps macht es Montag bei Petra Brünner. Der Geschäftsführerin der WZV fällt ein Stein vom Herzen. Es sei auch eine Frage der Sicherheit, wenn beide Versorgungsstränge miteinander verbunden werden können. Derweil der Großteil des Trinkwassers auch weiterhin noch aus  Schwarze Pumpe kommt, werden 800 Kubikmeter Wasser aus dem Werk in Boxberg täglich in die neue Leitung eingespeist. Rund 22 Kilometer hat es hinter sich, wenn es in Weißwasser aus dem Hahn fließt.

Dafür war rund ein Jahr Bauzeit nötig. Der Großteil der 20 Kilometer langen Leitung wurde parallel zur B 156 verlegt. An die langen blauen Rohre sowie die 70 km/h in den Baustellenbereichen können sich sicherlich so manche Autofahrer noch erinnern.

Marco Hülse, Sachgebietsleiter der Stadtwerke Weißwasser GmbH und Bauleiter, erinnert sich an so manche Schrecksekunde vor und nach der Bauzeit. So warnte man die Stadtwerke und den WZV vor dem gewählten Bauverfahren. Das Horizontalspülbohrverfahren würde zu jeder Menge Nachträgen führen, zudem reiche der Lausitzer Sand nicht für die Rohrabdeckung. Viel zu hoch erschienen dagegen die Summen, als die ersten Angebote für den Leitungsbau geöffnet wurden. Grundstücksfragen, Waldbrandwarnstufe vier, die Suche nach Kampfmitteln und deren Beseitigung sowie die Nähe zur Fernwärmetrasse und der Bundesstraße waren weitere Herausforderungen. „Und dennoch hatte ich nie das Gefühl, das wir es nicht schaffen können“, so Marco Hülse.

Als die Ausführungsplanung 2015 vorlag, belief sich die Kostenschätzung für den Bau auf 7,9 Millionen Euro. Damals war man noch von einer offenen Bauweise ausgegangen. 2016 erfolgte die europaweite Ausschreibung in drei Baulosen. Da stand bereits fest, dass man auf das Horizontalspülbohrverfahren, wo einem Tunnel gleich der Weg für das neue Trinkwasserrohr unter der Erde gebahnt wird, setzt. Am Ende landete man bei 6,95 Millionen Euro Kosten. „Fast eine Million Euro haben wir eingespart“, konstatiert Rüdiger Mönch. Und Peter Brünner freut sich: „Das Risiko hat sich ausgezahlt.“

Fünf Millionen Euro Baukostenzuschuss gab es vom Bergbauunternemen. Mit dem Zuschuss sei sehr sorgfältig umgegangen worden, lobt Ingolf Arnold.

Dass die Menschen nicht mit einer finanziellen Mehrbelastung konfrontiert werden müssen, ist im ersten Abschnitt Zukunft Trinkwasser gelungen. Um dauerhaft eine bergbauunabhängige Versorgung abzusichern, ist nun Schritt zwei notwendig. Dort könnte die Uferfiltratfassung am Bärwalder See im Zusammenhang mit der Revitalisierung des Wasserwerks in Box­berg der Weisheit letzter Schluss sein. Noch beraten Fachleute, auch am Montag wieder. „Ich denke Ende März können wir die endgültige Variante vorlegen“, sagt Petra Brünner gegenüber der RUNDSCHAU.

Dann sind noch mal Millionen-Investitionen nötig. Hier sieht Weißwassers OB Torsten Pötzsch Bund und Land gefordert. „Der größte Teil muss aus dieser Quelle gespeist werden, anders kann man es den Leuten sonst nicht mehr erklären“, argumentiert Pötzsch in Sachen Finanzierung.

Betriebe und 35 000 Einwohner sind vom Thema Trinkwasser betroffen. Diese verbrauchen im Durchschnitt täglich 5400 Kubikmeter Wasser. In Spitzenzeiten im Sommer geht diese Zahl auf rund 12 000 Kubikmeter hoch.

Das Wasserwerk Boxberg wurde nie außer Betrieb genommen. Das erweist sich nun als Glücksumstand. Es kann weiter revitalisiert werden.
Das Wasserwerk Boxberg wurde nie außer Betrieb genommen. Das erweist sich nun als Glücksumstand. Es kann weiter revitalisiert werden. FOTO: Regina Weiß
Durch diese Leitungen fließt das Wasser nach Weißwasser. Sie wurden im Horizontalspülbohrverfahren unter die Erde verlegt.
Durch diese Leitungen fließt das Wasser nach Weißwasser. Sie wurden im Horizontalspülbohrverfahren unter die Erde verlegt. FOTO: Regina Weiß