| 15:38 Uhr

Weißwasser
Barrierefreiheit ist großes Thema

Rollstuhlfahrer werden oftmals noch vor Geschäften ausgebremst.
Rollstuhlfahrer werden oftmals noch vor Geschäften ausgebremst. FOTO: Uwe Menschner / Menschner Uwe
Weisswasser. Gute Beispiele für hindernisfreie Fahrt für Rollis gibt es bereits im öffentlichen Leben. Einzelhändler suchen nach machbaren Möglichkeiten. Von Gabriela Nitsche

Wer gehandicapt  und auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat es nicht immer leicht. Vor allem beim Shopping werden die Rollis oft noch ausgebremst. Die großen Märkte wie Kaufland oder Edeka in Weißwasser machen es vor. Hier sei die Barrierefreiheit fast 1:1 realisiert. „Auf alle Fälle trifft es das Wort seniorenfreundlich.“ Das schätzt Frank Schwarzkopf ein, aus dessen Feder das erste Einzelhandelskonzept stammt. Als der Boulevard saniert und der Schlängeweg angelegt wurde, hätte der ein Gefälle laut Din-Norm von sechs Prozent haben müssen, um barrierefrei zu sein. Das funktionierte baulich nicht, er hat neun Prozent Gefälle. „Somit ist er barrierearm. Für einige ist die Auffahrt schwer, für viele aber funktioniert es, und sie erreichen die Geschäfte auf den einzelnen Ebenen.“

Eine gute Lösung wurde an der Saschowawiese gefunden. Von der oberen Ebene erreichen Rolli-Fahrer, Senioren und auch Familien mit Kinderwagen das Einkaufszentrum per Fahrstuhl. Alle anderen können die Treppe nutzen. Auf Anraten der Behindertenbeauftragten der Stadt Weißwasser war der Bereich mit einem Sicherheitsgeländer neben dem Fahrstuhl noch nachgerüstet worden.

Wenn die Kommune mit Fördergeldern Bauvorhaben realisiert, so Schwarzkopf, sei Barrierefreiheit heutzutage ein Erfordernis. Bei Privat sei das nicht der Fall. „Der Einzelhändler trägt allein die Verantwortung.“

Einer, der das recht gut gelöst hat, sei Rico Ritter. Ob Rolli- oder Kinderwagen-Fahrer(innen) – man kann klingeln, dann kommt jemand mit einer mobilen Rampe aus dem Geschäft, legt die an und rüber geht’s.

Ansonsten, was das öffentliche Leben in Weißwasser angeht, gibt es bereits viele positive Beispiele, wo die Situation von Menschen mit Einschränkungen bedacht wurde. Der Busbahnhof gehört dazu. Selbst am Bahnsteig des in die Jahre gekommenen Bahnhofs sind Markierungen aufgebracht, können sich Blinde und Sehbehinderte mittels eingebauter Bodenindikatoren auf ihrem Weg informieren. Über 240 Indikatoren gibt es bereits in Weißwasser.

38 Unternehmer aus Weißwasser und Umlandorten haben die Kosten übernommen für die Betreibung eines Informationsterminals in der Touristinformation/Reisecenter im Bahnhofsgebäude, welches auch selbstständig von Rollstuhlfahrern und Sehbehinderten genutzt werden kann.

Schwarzkopf hat noch mehr positive Beispiele parat: Dunkle Stufen am Boulevard und Sorauer Platz stellten eine Stolpergefahr dar, und Abhilfe wurde geschaffen mit aufgebrachten weißen Markierungen. Seit drei Jahren hat die Schwimmhalle von Weißwasser einen Wasserlift. Mit dessen Hilfe und Unterstützung durch das Personal können auch gehandicapte Menschen das große Schwimmbecken nutzen. Dafür hatten sich die Behindertenbeauftragten der Stadt und des Landkreises Görlitz stark gemacht. Stadtteilmanagement und VdK brachten sich ebenfalls mit ein, so Scharzkopf. Der Tierpark verfügt über eine behindertengerechte Toilette.

Insgesamt geht es in Weißwasser auf dem Gebiet der Barrierefreiheit kontinuierlich voran – ob neugestalteter Marktplatz mit Behindertenparkplätzen, verbesserten Markierungen in der Eisarena und dem bald fertiggestellten Fahrstuhl im Amtsgericht. Auch die Wohnungsunternehmen, so Frank Schwarzkopf, tun ebenfalls viel für entsprechende Bedingungen für ihre Mieter. Es werden Lifte oder Fahrstühle eingebaut, Schwellen zu Balkons entfernt.