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Holzindustrie
Österreicher investieren viel „Kohle“ für Holz

Kodersdorf. Die Schweighofer Group will in den nächsten Jahren 30 Millionen Euro in ihren Standort Kodersdorf investieren. Damit will sie 100 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Von Uwe Menschner

Holz hat Zukunft. Und das nicht nur in Europa oder im klassischen „Blockhausland“ USA, sondern auch in Asien. In China, aber besonders in Japan setzen Hausbauer verstärkt auf die Vorzüge des natürlich nachwachsenden Rohstoffes. Und so ist es kein Wunder, dass das fernöstliche Kaiserreich zu den Hauptabnehmern von Produkten der Holzindustrie Schweighofer, einer Tochter der österreichischen Schweighofer Group, zählt.

2015 hatte die Unternehmensgruppe das große Sägewerk im Industriegebiet Kodersdorf von der ebenfalls österreichischen Klausner-Gruppe erworben. Seitdem investierte Schweighofer circa 500 000 Euro in den Standort – eine Summe, die angesichts der Dimensionen des Werkes mit einer Größe von circa 33 Hektar nicht sonderlich hoch klingt. „Wir fanden ja durchaus etwas vor, womit wir arbeiten konnten, und haben unsere Produktion erst einmal stabilisiert“, erklärt Werksleiter Thomas Kienz. Das Ergebnis: Rund 1,2 Millionen Festmeter Rundholz nehmen hier im Jahr eine neue Gestalt an und können dann als Schnittholz oder als Hobelware – beispielsweise für den Rahmenbau oder für Ständerwerke – in eines von mehr als 70 Abnehmerländern ausgeliefert werden.

Doch jetzt nimmt Schweighofer richtig Geld in die Hand: Circa 30 Millionen Euro will die österreichische Unternehmensgruppe bis Anfang 2019 investieren, um in Kodersdorf künftig auch Leimholzprodukte herstellen zu können. „Diese finden vor allem im asiatischen Hausbau und da wiederum vornehmlich in Japan breite Anwendung“, so Thomas Kienz. Bis zu 100 neue sollen zu den 429 bereits bestehenden Arbeitsplätzen (zuzüglich zwölf Ausbildungsplätze) hinzukommen. Damit setzt sich die Serie von Großinvestitionen in die industrielle Fertigung am Standort Kodersdorf fort, deren bisherigen Höhepunkt die Errichtung eines Werkes des Autofelgenherstellers Borbet GmbH mit knapp 500 Arbeitsplätzen bildete.

Derzeit baut die Aicraft Composites Sachsen GmbH (Acosa) in der Nachbarschaft eine neue Produktionsstätte für Airbus-Leichtbauteile. Dies sind nur die größten der zahlreichen Investitionen, die gegenwärtig oder in der jüngeren Vergangenheit in Kodersdorf getätigt wurden oder werden.

Für den Kodersdorfer Bürgermeister René Schöne und den Görlitzer Landrat Bernd Lange (beide CDU) stellen sie den sichtbaren Ausdruck einer konsequenten Ansiedlungspolitik, die auf eine Bearbeitung der entsprechenden Bauanträge in kürzester Zeit und dennoch mit hoher Rechtssicherheit setzt, dar.

„Wir sind auch gern bereit, Schweighofer bei der Akquise von Fachpersonal zu unterstützen“, so der Landrat, der gleichzeitig auf den sich dem Ende zuneigenden Ausbau der Bahnstrecke Horka - Knappenrode als Bestandteil eines europäischen Güterverkehrskorridors verweist. Bei der Holzverarbeitung handelt es sich nämlich um eine sehr transportintensive Industrie: „Unsere Kapazität entspricht 130 bis 160 Lkw pro Tag“, wie Werksleiter Thomas Kienz betont. 35 Prozent der Transportmenge verlassen allerdings bereits Kodersdorf auf der Schiene, der „Rest“ wechselt im brandenburgischen Forst von der Straße dorthin. Vom gegenwärtig im Bau befindlichen Logistikzentrum des Dienstleisters Lion Group in unmittelbarer Werksnähe werden auch Schweighofer ebenso wie die dann weniger belasteten Fernstraßen in der Umgebung profitieren.

Der scheidende sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der sich kürzlich persönlich über die Pläne informieren ließ, sieht in der geplanten Erweiterung eine „Investition in die Zukunft unseres Freistaates und ein Zeichen für die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn“ – jeweils ein Drittel des verarbeiteten Holzes stammen aus Polen und Tschechien.