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Wirtschaft
Keulahütten-Chef knöpft sich Politik vor

In der Keula-Hütte Krauschwitz ist es eine langjährige Tradition, den Barbara-Tag gemeinsam mit der Bevölkerung zu begehen.
In der Keula-Hütte Krauschwitz ist es eine langjährige Tradition, den Barbara-Tag gemeinsam mit der Bevölkerung zu begehen. FOTO: Joachim Rehle
Krauschwitz. Mario Mackowiak, Geschäftsführer der die Keulahütte Krauschwitz kritisiert: Die Blockadepolitik gegen Russland schadet der Wirtschaft. Unternehmen büßt vier Prozent Umsatz ein. Von Gabriela Nitsche

Trotz aller Anstrengungen in deutschen und europäischen Märkten erreicht die Keulahütte Krauschwitz in diesem Geschäftsjahr kein Umsatzwachstum. „Mit etwa 34 Millionen Euro verzeichnen wir einen Rückgang um 1,4 Millionen Euro beziehungweise  vier Prozent.“ Diese Hiobsbotschaft hat Geschäftsführer Mario Mackowiak am Montagabend während der traditionsreichen Bar­barafeier im Unternehmen verkündet. So eisig die Temperatur und die Straßenverhältnisse an diesem Abend waren, so eisig rechnete der Krauschwitzer mit der großen Politik ab.

Besonders erschwerend komme hinzu, dass es sich nahezu ausschließlich um Schwerarmaturen handelt, die nicht gefragt sind. Das sind Absperrklappen mit Durchmessern bis zu 1,4 Metern. „Dieses Produktprogramm berührt die gesamte Wertschöpfungskette der Keulahütte. Und dieses Produktprogramm beeinflusst besonders dramatisch die Ertragssituation des Betriebes“, so Mackowiak. Sein Fazit: „Für diese Entwicklung gibt es nur eine nennenswerte Ursache: und zwar die wirtschaftlichen Blockaden Russlands.“

 Die geführten Gespräche mit sächsischen Landes- und Kommunalpolitikern hätten ausnahmslos Übereinstimmung in der Ablehnung der unsinnigen Blockadepolitik Russlands gezeigt. Machowiak nannte Namen wie Landrat Bernd Lange, der am Montag auch an der Barbarafeier teilnahm, oder Landtags­abgeordneter Lothar Bienst oder Michael Kretschmer als ehemaliger Bundestagsabgeordneter (alle CDU), Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler) oder ein Gespräch jüngst mit dem Sächsischen Staatsminister Dr. Fritz Jaeckel.

Der Krauschwitzer Unternehmenschef nahm kein Blatt vor den Mund, als er sagte: „Mit unsäglicher Arroganz lässt sich dagegen die komplette Bundesregierung vor den Karren der geopolitischen Interessen Amerikas spannen.“ Allen voran die Kanzlerin würde diese dem Land nachhaltig Schaden für die wirtschaftliche Entwicklung antun. Nicht nur der russische Markt mit 144 Millionen Menschen werde mit diesen unsäglichen Fehlentscheidungen, so Mackowiak, den asiatischen Wettbewerbern, insbesondere den Chinesen überlassen. „Nein, auch der wichtigste Rohstofflieferant für die stark durch Verarbeitung geprägte deutsche Industrie geht zunehmend verloren.“ Die Keulahütte sei nur ein ganz kleines Beispiel im großen Kreis der Blockade-Betroffenen. Vor allem der sächsische Außenhandel mit Russland ist laut Mario Mackowiak von 1,4 Milliarden Euro in 2013 auf 659 Millionen Euro in 2016 regelrecht zusammengebrochen. Für 2017 stellt sich bereits jetzt ein weiterer Rückgang um mindestens acht Prozent ein. „Man muss sich mal überlegen, wie viele Arbeitsplätze davon betroffen sein müssen“, rechnete dieser vor.

Der Krauschwitzer befürchtet, dass sich auch weiterhin nichts ändert, wenn, wie er es formulierte, „die gleichen politischen Geisterfahrer“ in Berlin unterwegs sind. Für die Keulahütte stehe viel auf dem Spiel. Das traditionsreiche Unternehmen müsste ohne den russischen Absatzmarkt 40 Millionen Euro Umsatz machen, und das stabil. Deswegen sei man auf der Suche nach einer strategisch erfolgreichen Partnerschaft, um den Gießerei-Standort langfristig zu sichern. Mackowiak hat gegenüber der RUNDSCHAU am Montagabend bekannt, dass die Gespräche mit einem potenziellen Partner sehr weit fortgeschritten sind.

Mario Mackowiak hielt den Finger noch in manche brisante politische Wunde wie Energiewende und den Versprechungen damals, Stabilitätspakt, der auch den Deutschen Angst vor der EU-Währungsunion nehmen sollte. Kaum ein Land der Euro-Zone würde sich an die Regeln von Maastricht halten. Kritisch bewertet der Krauschwitzer auch die Europäische Zentralbank, die Anleihen von Pleitestaaten aufkaufe. Bisher in Summe von 2,3 Billionen Euro, so der Keulahütten-Chef. Statt nach der Drittstaatenregelung Asylbewerber an der Grenze zurückzuweisen, wenn diese aus einem sicheren Drittstaat kommen, habe Deutschland lieber den totalen Kontrollverlust erlitten, setzte Mackowiak hinzu. Doch der Wahl­erfolg der AfD, bedauert Mackowiak, dem auch sehr gute Politiker aus der hiesigen Region zum Opfer fielen, sei nicht nur der katastrophalen Asylpolitik geschuldet, sondern einer ganzen Reihe politischer Fehl­entscheidungen. Die Schmerzgrenze hier liege hoch, was langsames Internet, fehlende Umgehungsstraße und zunehmenden Ärztemangel angehe. Das würden die Menschen geduldig verkraften. Seiner Meinung nach komme aber im Grenzlandkreis Görlitz noch ein wichtiger Faktor hinzu: „Der Schutz des Privateigentums ist nicht mehr gewährleistet. Ob Häuser, Autos oder Fahrräder. Diese Übergriffe verzeihen wir nicht mehr.“ Mackowiak zitierte aus der RUNDSCHAU. Zwanzig gelungene oder versuchte Autodiebstähle allein im November. Mit Landrat Bernd Lange ist sich der Krauschwitzer einig, dass dringend mehr Polizei im Einsatz sein muss. „Wir brauchen sporadische, unberechenbare Kontrollen“, so Langes Meinung. Die Fahrzeugerkennung, die in Görlitz angewendet wird, werde überall gebraucht. „Da dürfen wir uns nicht selbst im Wege stehen“, kritisiert Lange fehlende Entscheidungen dazu seitens der großen Politik. Mackowiak fordert Grenzkontrollen und Polizei auf den Neißebrücken. „Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bekennt sich in Artikel 14 ganz klar zur Gewährleistung des Eigentums“, fordert er, wenigstens das einzuhalten.