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Ich kaufe regional
Die Lage schlägt Miete

Weißwasser . In Weißwasser sind die Mieten nicht das Ausschlusskriterium, wenn es um die Einrichtung eines Geschäftes oder Restaurants geht. Viel ausschlaggebender ist die Lage der Immobilie. Von Regina Weiß

Matthias Bartho richtet sich gerade neu ein. Seit etwas mehr als acht Jahren ist er als Gastronom selbstständig in Weißwasser tätig. Nun zieht er um. „Matze’s“ war seit seiner Gründung an der Berliner Straße ansässig, nun geht’s an die Bautzener, Ecke Görlitzer Straße. Natürlich rätselt so mancher, warum der 31-Jährige sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Schon fragen die Kunden, ob sich die Miete erhöht habe. Mancher weiß es aus  ganz „sicherer“ Quelle. Da kann der Gastronom nur den Kopf schütteln und verneint deutlich. „Die Miete war ortsüblich“, sagt er der RUNDSCHAU.

Er hat sich wegen der Lage seiner neuen Geschäftsräume zum Umzug entschieden. Knapp einen Kilometer bedeutet für ihn, mehr im Zentrum von Weißwasser zu sein. Gesucht habe er schon ein Weilchen, erzählt er. Die Gegend um den Bahnhof hatte er dabei im Visier. Doch das schien im zu unsicher. Dann kam ihm der Zufall und ein befreundeter Immobilien-Makler zur Hilfe. „Es hat alles gepasst“, erklärt Bartho. Zwar hat er von Hauptstraße zu Hauptstraße gewechselt, doch die Erfahrung lehrt, dass das in Weißwasser doch nicht dasselbe ist. Mann müsse schon gut zentral liegen, findet er. Und er findet, dass er sich verbessern wird. Dazu gehört auch, dass es in seinem Geschäft nun ein Frühstücksangebot geben wird. Dass führt dazu, dass drei junge Muttis Vollzeit einen Job haben. Insgesamt beschäftigt „Matze’s“ 15 Mitarbeiter.

Dass die Miete in Weißwasser nicht das ausschlaggebende Kriterium ist, würde auch Thorsten Rennhak, Wirtschaftsförderer aus dem Rathaus, unterschreiben. Einen Mietpreisspiegel für Geschäfte gibt es in Weißwasser nicht. Die Stadt habe gemeinsam mit Partnern, wie zum Beispiel das Projekt „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“ (Biwaq), andere Ansätze, um sich dem Thema Leerstand zu widmen. Wenn es Anfragen bei der Stadt zu Geschäften etc gibt, dann gehe es um die Lage des Hauses. So seien zum Beispiel Parkplätze oft ganz wichtig oder die Zahl der Schaufenster und deren Größe, so Thorsten Rennhak.

„Ich bin mir sicher, wir könnten hier Mieten von einem Euro pro Quadratmeter verlangen und wir würden trotzdem keinen Spiele Max oder H & M oder Bijou Brigitte her bekommen. Das fehlt uns sicher und manches noch mehr, aber für die Ansiedlungen sind andere Entscheidungen wichtig“, sagt Petra Sczesny, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser (WBG). Die städtische Tochtergesellschaft tritt auch als Vermieter von Gewerbeeinheiten auf. 43 hat sie in ihrem Portfolio. Davon stehen derzeit sieben leer. Im Durchschnitt verlangt die WBG 4,15 Euro pro Quadratmeter. Die höchste Miete liege bei 5,85 Euro je Quadratmeter. Auch in schwierigen Zeiten stehe man zum Mieter. Soll heißen, die WBG lasse mit sich reden und suche eine Lösung.

Dass sich das Klientel geändert habe, sei der der Lauf der Zeit. „Der Handel ändert sich überall, dass ist in Weißwasser nicht anders als in Großstädten“, ist sich Petra Sczesny sicher. Hebammen, Physiotherapeuten, Kosmetikerinnen oder Nagelstudios seien aber auch wichtig für das Dienstleistungsangebot einer funktionierenden Stadt.