ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:49 Uhr

"Wir arbeiten intensiv an einer Lösung"

Sozialdezernentin Martina Weber und OB Torsten Pötzsch setzen sich für neue Hausärzte ein.
Sozialdezernentin Martina Weber und OB Torsten Pötzsch setzen sich für neue Hausärzte ein. FOTO: Köhler
Weißwasser. Das Problem fehlender Hausärzte brennt den Weißwasseranern auf den Nägeln – und das seit Monaten. Das ist bei der Einwohnerversammlung in der Weißwasseraner Telux am Donnerstagabend erneut deutlich geworden. Christian Köhler

Die Stadt ist nun offiziell als "unterversorgtes Gebiet" bei der Gesundheitsversorgung eingestuft. "Dr. Dreier ist mit 59 Jahren der drittjüngste Hausarzt", merkt beispielsweise Jörg Lübben an, "das heißt also, das Problem des Ärztemangels wird uns noch Jahre beschäftigen."

Anfang des Jahres waren in Weißwasser gleich drei Hausärzte in den Ruhestand gegangen. In der Folge seien nach Expertenschätzungen etwa 2500 Patienten in der Glasmacherstadt bis heute ohne einen Hausarzt. "Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wann die Ärzte aufhören", erklärt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext).

Martina Weber, Sozialdezernentin des Landkreises Görlitz, fügt an, dass die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KV) "einen Sicherstellungsauftrag für die Gesundheitsversorgung hat". Es sei ihre Aufgabe gegenzusteuern. Das Landratsamt sei deshalb in Verhandlungen mit der KV, "um den Missstand endlich zu beenden, nicht zu wissen, wie lange Hausärzte noch praktizieren". Der Kreis biete zudem aus Eigeninitiative jährlich einen Empfang für Ärzte an, so Martina Weber, "um mit den Medizinern ins Gespräch zu kommen".

Gleichzeitig habe, so die Dezernentin weiter, der Kreistag beschlossen, Geld in die Hand zu nehmen, "um für unsere Region bei Medizinern zu werben". Denn Ärzte zu zwingen, nach Weißwasser oder in die Lausitz zu kommen, gehe nicht. "Wir selbst müssen für unsere Interessen eintreten", unterstreicht die Sozialdezernentin, "dies wird uns keiner abnehmen."

Werben alleine werde aber nicht reichen, gesteht sie. Was aber bleibt der Stadt und dem Kreis noch als Handlungsoption, will daher Prof. Holger Schmidt wissen, der die Einwohnerversammlung moderierte. Etwa ein eigenes Medizinisches Versorgungszentrum zu betreiben? "Nein", entgegnet Martina Weber. Zwar lasse der Gesetzgeber dies zu, aber "was ein Krankenhaus nicht schafft, schafft auch keine Kommune". Denn was mache die Stadt, wenn der bei ihr angestellte Arzt sagt, er geht woandershin? Torsten Pötzsch indes setzt auf Kooperation - beispielsweise mit dem Augenmedizinischen Versorgungszentrum Lausitz GmbH (AMVZ). Dies plane, künftig auch Hausärzte zu akquirieren, die dann in Weißwasser angesiedelt werden könnten. Ferner könne die Stadt, so Pötzsch, ein gutes Umfeld für Neumediziner schaffen - günstige Mieten vereinbaren oder Kitaplätze für Ärztekinder anbieten.

Über das Weiterbildungsnetzwerk, das der Landkreis gemeinsam mit Weißwasseraner Medizinern wie Dr. Lutz Buschmann oder Dr. Karl-Heinz Dreier auf den Weg gebracht hat, würden jungen Ärzten Ausbildungschancen eröffnet. Maria Ruttmar fragt ihn, ob nicht das "Schwester-Agnes-Prinzip" eingeführt werden könne. So würde eine Krankenschwester über das Land fahren und Patienten versorgen. "Das lehnen wir ab", entgegnet die Sozialdezernentin entschieden und begründet es so: "Wir alle zahlen, wie Berliner oder Hamburger Bürger, Steuern und Krankenversicherungsbeiträge. Deshalb steht es uns zu, dass auch wir dieselbe Gesundheitsversorgung erhalten wie Großstädter." Auf schnelle Lösungen zu setzen, die das Signal geben, "es werde sich mehr schlecht als recht gekümmert", darauf wollen sich die Stadt und auch der Landkreis nicht einlassen. "Wir arbeiten an einer Lösung", verspricht Martina Weber zum Schluss, "die wir in den kommenden Wochen präsentieren wollen."

Fotos der Versammlung unter www.lr-online.de/weisswasser