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| 18:09 Uhr

Erholung
Winterwanderung bei Plusgraden

Impression von der Winterwanderung um den Halbendorfer See, hier in Höhe der Brücke über den Verbindungskanal.
Impression von der Winterwanderung um den Halbendorfer See, hier in Höhe der Brücke über den Verbindungskanal. FOTO: amz
Halbendorf. Rund 150 Menschen laufen um den Halbendorfer See, 17 gehen sogar baden.

Mancher Halbendorfer dürfte sich am zweiten Weihnachtstag gewundert haben: Osterspaziergang oder Weihnachtswanderung?

Das Thermometer an der Minigolf­anlage am Halbendorfer See zeigt knapp plus zehn Grad Celsius, die Sonne strahlt, und manche Knospen scheinen gleich aufbrechen zu wollen. Jedenfalls zieht das milde Winterwetter, das nach Meinung vieler Wanderer eher zu Ostern statt zu Weihnachten passt, geschätzte 150 Halbendorfer und Gäste an, die sich von der Minigolfanlage aus auf die 5,6 Kilometer lange Seerunde begeben.

Im Uhrzeigersinn wird das geflutete Überbleibsel des Tagebaus Trebendorfer Felder, der vor 35 Jahren seinen Ausbau zum Erholungsgebiet erfuhr, umrundet. Neu sind die jungen Bäumchen, die erst im Herbst gepflanzt worden waren. Nach Angaben von Lothar Ahr vom Zweckverband Erholungsgebiet Halbendorfer See kamen die Gehölze im Auftrag der Bergbausanierer in die Erde.

Am Westufer des Halbendorfer Sees gibt es indes etwas Verwirrung. Steigen die Eisbader am FKK-Strand ins Wasser? Oder doch erst an der Wake­board-Anlage? Keiner weiß es so richtig, schließlich heißt es: bei „Wake and Beach“.

Zunächst steigen zwölf Mutige in die knapp vier Grad Celsius kalten Fluten. Anschließend folgen fünf junge Männer, die sich vor dem Sprung ins kühle Nass erst mal mit „Jägermeistern“ zuprosten.

Eine der weitesten Anreisen zum Eisbaden im Halbendorfer See hat indes Frank Linke in Kauf genommen. Der Ex-Weißwasseraner ist extra aus Remscheid bei Köln zum See gekommen. Der Elektroexperte gehört auch zu jenen Badegästen, die am weitesten hinausschwimmen. „Ich bin seit drei Jahren Eisbader, fahre regelmäßig zum winterlichen Donauschwimmen nach Bayern“, berichtet Linke, der in früheren Jahren für die Weißwasseraner Wasserwacht tätig war. „Anfangs kostet es natürlich Überwindung. Doch das Gefühl, wenn ich aus dem Wasser komme, ist großartig“, erzählt Frank Linke. Der Aufwand lohne sich. Erkältungen würden bei dem begeisterten Eisbader bestenfalls zwei Tage andauern. Falls sich Husten und Schnupfen überhaupt mal einstellen.

Jüngster Badegast am zweiten Weihnachtsfeiertag ist Max Kowal. Der Achtjährige steige bereits die dritte Saison in die winterlichen Fluten. „Abbaden“ nennt dies der Weißwasseraner. Das „Anbaden“ finde bereits in wenigen Tagen statt. Dann allerdings in der Ostsee. „Opa Edwin Neubauer hat mich für das Eisbaden begeistert“, erinnert sich Max.

Auf ein kleines Jubiläum blickt indes Sigrid Grosa, die zur Winterwanderung ihren Verpflegungsstand am FKK-Strand aufgebaut hat, zurück. „Wir sind mit unseren Angeboten bereits seit 25 Jahren am See ansässig.“ Begonnen habe alles in ganz bescheidenem Maßstab. Heute präsentiere sich das Sortiment wesentlich breitgefächerter. Jetzt zur Winterwanderung gebe es neben Glühwein und Kuchen sogar Pfefferkuchen.

Ansonsten herrscht jetzt am Halbendorfer See weitgehend Ruhe. Allerdings nicht ganz. „Wir müssen unter anderem Hecken verschneiden und ein paar Pappeln absägen“, kündigt Lothar Ahr die nächsten Tätigkeiten des Zweckverbandes an. Zudem werde der Waschmaschinenraum auf dem Campingplatz renoviert.

Mit der Saison in dem zu Ende gehenden Jahr sei der Fachmann indes zufrieden. „Wir hatten auf beiden Campingplätzen rund 19 500 Übernachtungen, etwa 500 mehr als im Jahr zuvor“, resümiert Ahr. Selbst die Niederländer würden die Angebote schätzen und lieben. Die Saison 2018 starte übrigens am Karfreitag, 30. März.

Mit bester Laune haben die Eisbader ihre Runde gedreht und steigen nun aus dem vier Grad kalten Wasser des Halbendorfer Sees.
Mit bester Laune haben die Eisbader ihre Runde gedreht und steigen nun aus dem vier Grad kalten Wasser des Halbendorfer Sees. FOTO: amz
(amz)