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| 01:05 Uhr

Willkommen im Sorbenexpress

Hoyerswerda.. Einmal eine Lok in Bewegung setzen, nach vielen Jahren im Speisewagen vom Mitropa-Geschirr essen – beim Bahnhofsfest in Hoyerswerda schlugen am Samstag die Herzen der Eisenbahnfans höher. Von Uwe Menschner

Was für ein Zug. „Dagegen sieht der Intercity-Express steinalt aus“ , sagt Thomas Schwarz. Der Eisenbahnfan ist extra aus Dresden nach Hoyerswerda gereist, um den VT18.16 zu sehen. „Als ich gehört habe, dass dieser Zug beim Bahnhofsfest dabei sein wird, gab es für mich kein Halten mehr“ , bekennt er. Für den Dresdner verbindet sich mit dem VT 18.16 manche Erinnerung, zählte er doch in den 70er-Jahren oft zu den Fahrgästen des als „Vindobona“ zwischen Berlin und Dresden - dann weiter nach Prag und Wien - verkehrenden Expresszuges der Deutschen Reichsbahn.
In Hoyerswerda und Umgebung war der zu seiner Zeit als hypermodern geltende Triebwagen eher als „Sorbenexpress“ bekannt. Täglich machte er auf seiner Fahrt zwischen Berlin und Bautzen auf dem Hoyerswerdaer Bahnhof Station.
Ursprünglich für den internationalen Verkehr gebaut, kam der VT18.16 in den 60er- und 70er-Jahren unter anderem auf den Strecken zwischen Berlin und Karlovy Vary, Kopenhagen sowie Malmö zum Einsatz. Rund 200 Reisende hatten darin Platz. Seine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern in der Stunde konnte er auf dem Schienennetz der Deutschen Reichsbahn allerdings kaum ausfahren.
Der VT 18.16 ist zweifellos zum Publikumsliebling bei den Hoyerswerdaern und ihren Gästen geworden. Bewundernde Blicke gelten dem zu seiner Zeit futuristisch und selbst heute noch modern wirkenden Zug.
Im Inneren zeigt er eine eher eigenwillige Mischung aus weltmännischer Eleganz und DDR-typischem Design. Im Salonwagen wird Radeberger Bier und Rotkäppchen-Sekt serviert - zu DDR-Zeiten ein durchaus exklusives Angebot.
Während draußen Eisenbahnfreunde das Gefährt vergangener Tage bestaunen, nehmen im Speisewagen des VT18.16 immer mehr Gäste Platz, um umgeben von Mitropa-Flair die Bewirtung genießen zu können. Und dabei in Erinnerungen zu schwelgen. Anekdoten werden ausgetauscht.
Der VT 18.16 bleibt nicht die einzige Attraktion auf dem Fest, das sich in die Feierlichkeiten anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des einstigen Gaskombinates „Schwarze Pumpe“ sowie der Hoyerswerdaer Neustadt einordnet. Per Fernsteuerung eine Lok fahren lassen - das wollen viele probieren. Auch wenn sich das tonnenschwere Fahrzeug zaghaft in Bewegung setzt und nur knapp zehn Meter vorankommt, wissen seit Samstag viele Gäste des Bahnhofsfestes, wie es sich anfühlt, ein echter Lokführer zu sein.