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Wildschweine spielen wilde Sau

Revierförster Mathias Kruner weiß von vielen betroffenen Flächen wie dieser in Weißkeißel.
Revierförster Mathias Kruner weiß von vielen betroffenen Flächen wie dieser in Weißkeißel. FOTO: ni
Weißwasser. Familie Wildschwein zeigt sich in diesen Herbstwochen von der rücksichtslosen Seite. Ob auf Flächen am Stadtrand oder auf den Dörfern – es wird alles umgebuddelt. Zu den Leittragenden gehören zum Beispiel die Grün-Weiß-Faustballer in Weißwasser und Familie Grabsch in Weißkeißel. Gabi Nitsche

"Das ist vom vierten Besuch innerhalb von zwei Wochen." Dieter Bütter, Leiter der Abteilung Faustball von Grün-Weiß Weißwasser, zeigt auf das lädierte Rasenfeld. Von den rund 1000 Quadratmetern ist etwa die Hälfte hinüber. Alles umgebuddelt. Auf dem zweiten Spielfeld hat sich das Borstenvieh etwas zurückgehalten. "2015 hatten wir Ruhe, die Jahre davor suchten uns die Wildschweine auch heim, aber so schlimm noch nie wie jetzt." Dieter Büttner ist der Verzweiflung nahe, denn die Faustballer seien verdammt stolz auf ihre Spielfelder, die einem "englischen Rasen" glichen. Die gute Pflege der städtischen Hausmeister und Vereinsmitglieder zahlt sich aus. "Nun das. Um die kleinen Schäden kümmern wir uns, aber die große Fläche muss dann im Frühjahr völlig neu gemacht werden." Nachdem die Schweine hier das erste Mal wilde Sau spielten, haben die Sportler die Fläche erneuert, gewalzt. Aber kurz darauf war wieder die Wiese aufgerissen. "Die ist eben sehr lecker . . ." Büttner vermutet, dass die Wildschweine aus Richtung Freizeitpark aufs Gelände kommen. Das sei zwar umzäunt, aber der Zaun an einigen Stellen recht morsch. "Beim nächsten Arbeitseinsatz schauen wir mal, wo wir mit neuem Maschendraht ausbessern können."

Die Feldsaison der Faustballer ist Ende Oktober vorüber. Dieter Büttner: "Dann geht's in die Halle - ohne Wildschweine."

Ein ähnliches Bild auf der Bresina in Weißkeißel. Familie Grabsch wohnt am Heideweg mit Wald vor der Haustür. Die Wiese hinter dem Wohngrundstück ist tiefer umgepflügt als die Sportfläche in Weißwasser. "Wir wissen uns keinen Rat mehr", meint Petra Grabsch. "Wir hören die Wildschweine fast jede Nacht grunzen." Selbst von den Hunden auf den Grundstücken lassen sich diese nicht wirklich abhalten. Revierförster Mathias Kruner und Werner Luft von der Jagdpächter-Gemeinschaft sind mit vor Ort und gucken genauso ratlos auf die aufgerissene Grünfläche.

Der Schwarzwildbestand habe eine Entwicklung genommen, die sich nicht steuern lasse. Kruner verweist auf die recht milden Winter. "Die kriegen ihre Frischlinge durch, und manchmal sorgen sie nicht nur einmal im Jahr für ihre Reproduktion, sondern zwei- und dreimal." Für die betroffenen Grundstückseigentümer sei es schon schlimm, wenn die Schweine auf Nahrungssuche so randalieren, aber eine richtige Lösung gebe es nicht, meint auch der Jagdpächter. "In der Regel kommen die Tiere im Finstern, und hier in der Wohnbebauung können wir gar nichts machen." Es sei kaum auszudenken, der Jäger schießt auf ein Schwein, und ein Querschläger trifft Wohnhaus, abendlichen Jogger oder Herrchen, der mit seinem Hund Gassi geht.

Revierförster und Jäger raten Betroffenen, es mit Vergrämen zu versuchen. "Vergrämen mit bestimmten Duftmitteln. Da gibt es chemische Abwehrmittel in Granulatform, die sehr stinken." Vielleicht lassen sich die Wildschweine auch nachts vom Licht von Rundumleuchten abhalten. Andere hätten gute Erfahrungen mit verteilten Haarbüscheln auf der Fläche gemacht. Da könnte man beim Friseur mal nachfragen, so Werner Luft. Da, wo es möglich ist, werde der Bestand auch bejagt.

Zum Thema:
Jagdpächter haften für Schäden, die vom Wild angerichtet werden, so Revierförster und Jäger Mathias Kruner. "Wild ist herrenlos, gehört niemandem. Dass der Jagdpächter für herrenlose Tiere haften soll, ist ungerecht." Seiner Meinung nach besteht dort dringender Regulierungsbedarf in der Gesetzgebung.