| 18:02 Uhr

Tourismus
Wiedersehensfreude bei der Waldeisenbahn

Damals Beteiligte und heutige Waldeisenbahner trafen sich in ihren alten Uniformen  und erinnerten sich an die Betriebseinstellung der Bahn vor vierzig Jahren. Eine Sonderfahrt führte sie nach Bad Muskau.
Damals Beteiligte und heutige Waldeisenbahner trafen sich in ihren alten Uniformen und erinnerten sich an die Betriebseinstellung der Bahn vor vierzig Jahren. Eine Sonderfahrt führte sie nach Bad Muskau. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Bei einem Treffen mit Gleichgesinnten hat der Verein jetzt daran erinnert, dass vor vier Jahrzehnten die Waldeisenbahn offiziell ihren Betrieb einstellen musste.

Was für eine Wiedersehensfreude! Die „alten Haudegen“ der Deutschen Reichsbahn und der Waldeisenbahn haben sich in Schale geschmissen, Uniformen von einst vom Dachboden geholt. Nun liegen sie sich freudestrahlend in den Armen, klopfen sich auf die Schulter. „Schön, dass Ihr hier seid und dass Euch die Uniformen noch passen“, begrüßt Olaf Urban Donnerstagnachmittag die Gäste lachend. Es ist genau an dem Tag vor vier Jahrzehnten, als die Waldeisenbahn als Teil der Deutschen Reichsbahn ihren Betrieb einstellen musste. Damals war es der Betriebsbahnhof Krauschwitz, wo man sich versammelte, diesmal ist es der Museumsbahnhof in Weißwasser. Sie alle verbindet eins: Ihr Herz schlägt für die Waldeisenbahn.

Hans-Joachim Hanschick, der beim RAW in Cottbus „etwas zu sagen hatte“, wie die Mitstreiter erzählen, gibt das unumwunden zu: „Ich verfolge als graue Eminenz, was Ihr hier auf die Beine gestellt habt.“

Auf der anschließenden Fahrt nach Bad Muskau und zurück kramen die gestandenen Männer und Frauen in alten Erinnerungen. Das jüngere Volk hört gebannt zu. Es ist urgemütlich in dem Nostalgiewagen, der früher Lazarettwagen war. „Zwölf Verletzte konnten damit transportiert werden. Wir haben drei Wagen vor Jahren aufgebaut – zwei für Fahrgäste und einen als Küchenwagen“, berichtet Heiko Lichnok. Seit 2001 leitet er die Waldeisenbahngesellschaft und bringt sich im Verein um Vorsitzenden Olaf Urban ein. Auf den Verein wartet ein hartes Wochenende – Ostern bedeutet Saisonstart. Lichnok schmunzelt. Zum ersten Mal nach zig Jahren hat er keinen Dienst als Lokfahrer. Dafür als Papa. Seine Frau Susann und er sind vor wenigen Tagen zum zweiten Mal Eltern geworden.

Zum Verein gehört auch der 75-jährige Werner Zeuge. Der Cottbuser trägt heute ebenfalls Uniform. „38 Jahre war ich bei der Pioniereisenbahn, und als ich in Rente ging, bin ich bei den Waldeisenbahnern eingestiegen. 2010 war das.“ Das Treffen wollte sich auch Siegfried Siebenhaar nicht entgehen lassen. In Görlitz trug er einst Verantwortung bei der Reichsbahn. In den 1970er-Jahren schulte er mehrmals im Monat das Lokpersonal in Weißwasser bei Dienstversammlungen, gibt er zum Besten. Oder Manfred „Bobby“ Richter – 37 Jahre war er im Fahrdienst bei der Waldeisenbahn. Hans-Joachim Queißert als ehemaliger Elektromeister erinnert sich ebenso gern an damals wie Elektriker Bernd Stephan und Gisela Schlammer, die im Büro tätig war. Den Urban-Brüdern Andreas und Olaf geht es nicht anders, wobei Olaf, der heutige Vereinsvorsitzende, damals gerade 15 war. „Ich hab eigentlich nur Fotos gemacht.“ Dagegen durfte Friedemann Tischer vor vier Jahrzehnten bei der Abschiedsfahrt mit der Lok 3316  „bis zum bitteren Ende“ mitfahren, einschließlich Kater-Pflege am nächsten Tag, verrät er. Die Waldeisenbahner hätten sich gewünscht, dass noch mehr von damals an der gemütlichen Veranstaltung teilnehmen. „Aber ich hab viel telefoniert. Längst nicht mehr alle erfreuen sich bester Gesundheit, und einige sind auch schon verstorben“, berichtet Manfred Richter bedauernd.

Für das, was die Waldeisenbahner inzwischen auf die Beine gestellt haben, gibt es viel, viel Lob. Vor 40 Jahren ahnte niemand, dass sie als touristische Kleinbahn noch einmal zum Leben erweckt wird und bei tausenden Fahrgästen aus nah und fern beliebt ist. „Ihr müsst doch langsam die Millionengrenze bei den Fahrgästen erreichen“, ruft einer dazwischen. Heiko Lichnok lacht und meint, er werde mal die Besucherzahlen addieren. „Ja, auf uns ist Verlass. Das hat man letztes Wochenende erst gesehen. In Leipzig ging nach dem Schneefall gar nichts mehr. Wir sind gefahren.“ Damit erntet Achim Stein Zustimmung. Bis vor kurzem war er über zwanzig Jahre Fahrdienstleiter am Bahnhof Teichstraße in Weißwasser und muss nun krankheitsbedingt kürzer treten. Mit der Deutschen Bahn an sich sei doch heute nichts mehr los, so die alten Reichsbahner. „Wer hat denn da noch von der Pike auf gelernt? Die studieren, und das war’s dann. Alles wird nur vom grünen Tisch aus gemacht“, schätzt Siegfried Siebenhaar ein. Derweil die Eisenbahner von einst und jetzt ihre Erfahrungen austauschen und lustige Geschichten hervorkramen, sorgen Ute Tischer und Ursula Krasel für leckere Bockwürste, Fettschnitten und für ein Bierchen. Dafür werden die Haltpunkte an der Beierweiche und am neuen Bahnhof in Bad Muskau genutzt. Genauso wie zum Fotografieren. Die Stimmung ist großartig. So kommen zu den alten neue Erinnerungen.

Druckfrisch liegt die neue Chronik

der Gräflich von Arnimschen Kleinbahn – Waldeisenbahn Muskau von Autor Friedemann Tischer vor. 264 Seiten stark mit 300 Abbildungen, Fotografien und Lageplänenist diese im Museum der Waldeisenbahn oder per E-Mail an

friedemann.tischer@waldeisenbahn.de käuflich zu haben.

Siegfried Siebenhaar - er war einst bei der Deutschen Reichsbahn in Görlitz - und Ute Tischer vom Verein.
Siegfried Siebenhaar - er war einst bei der Deutschen Reichsbahn in Görlitz - und Ute Tischer vom Verein. FOTO: Gabi Nitsche