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| 01:17 Uhr

Wie hungrig muss man sein?

Weißwasser/Krauschwitz.. Am Wochenende fanden die 2. Deutsch-Polnischen Wirtschaftstage statt. Diese wurden Freitagabend mit einer Podiumsdiskussion im Krauschwitzer Hotel eröffnet. Auf dem Podium auch Sachsens Ministerpräsident a.D. Kurt Biedenkopf. Von Gabi Nitsche

Das Interesse an der Podiumsdiskussion unter dem Titel „Offene Wirtschaftsräume – Chancen für den Mittelstand“ war sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite vorhanden. Viele Fragen und Antworten drehten sich um die Auswirkungen für die Regionen diesseits und jenseits der Neiße nach dem EU-Beitritt Polens.
So konnte Claus Diettrich, Präsident der Handwerkskammer in Sachsen, berichten, dass bereits 138 sächsiche Betriebe Kooperationen mit Polen eingegangen sind. Fairer Wettbewerb sei auf beiden Seiten gewollt, bestätigte Hartmut Paul, IHK-Präsident. Das unterstrich auch Rafal Zmijeweski, Botschaftsrat im polnischen Konsulat in Leipzig. „45 Prozent der deutschen Firmen sehen laut Statistik Absatzchancen bei uns.“ Als Gründe nannte er niedrigere Personal- und Reproduktionskosten, technische Kompetenz und günstige Investitionsmöglichkeiten.

Wellen schwappen nach Polen
Das untermauerte Horst Siffrin, stellvertretender Generalkonsul Deutschlands in Breslau. Es schwappten bereits einige Wellen interessierter Unternehmer in Richtung Polen. Da waren die Großen – mittlerweile sind mehr als 30 verschiedene Ketten in Polen zugange – und jetzt vor allem kleine und mittlere Firmen, die einen Teil des Kuchens abhaben wollten, so Siffrin. Seines Wissens nach spiele dabei der Preisfaktor eine große Rolle, denn man wolle international konkurrenzfähig sein. Unternehmen wie VW, Bosch oder Siemens hätten das erkannt.
Ministerialdirigentin Barbara Meyr, Abteilungsleiterin Mittelstand im Sächsischen Wirtschaftsministerium, war überzeugt, dass Investoren in Sachsen gute Voraussetzungen finden. Sie nannte die Infrastruktur und die Kaufkraft, die hier noch höher seien.
Dass die Region hier keine Chance mehr habe, wenn das Nachbarland nun Höchstfördersätze der EU bekäme, verneinte Kurt Biedenkopf. Die Förderung falle ja nicht weg, sondern werde relativ geringer, sagte er. Seiner Meinung nach müsse die polnische Infrastrukur auch gefördert werden, weil ja ansonsten dieser Markt für hiesige Firmen nicht erreichbar sei. „Wenn wir in Deutschland nicht bereit sind, die Wirklichkeit zu akzeptieren, sondern denken, unsere Illusionen seien die Wirklichkeit, dann haben wir den Schaden. Wir haben nur wenig Zeit uns auf Trab zu bringen. Wenn man kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hat, wehrt man die anderen ab. Aber die sind hungrig“ , warnte Kurt Biedenkopf. Susann Michalk, stellvertretende Chefredakteurin der RUNDSCHAU, die die Podiumsdiskussion moderierte, griff diesen Faden auf und fragte den polnischen Botschaftsrat Zmijewski, woher der Hunger käme. „Wir haben noch viel nachzuholen, denn es gibt noch zahlreiche Lücken in der Industrie, in der Landwirtschaft . . . Seit einem Jahr haben wir in Polen ein Wachstum von sechs Prozent. Wir wollen diesen Trend halten. Was würde ich den deutschen Freunden raten? Weniger reden, mehr Vorschläge machen und diese auch umsetzen.“
Claus Dittrich trat überzeugt für die deutschen Unternehmer auf, die nicht weniger hungrig seien. Es sei nur wichtig, sich auf die Stärken zu besinnen. „Der Spruch von der deutschen Qualitätsarbeit muss wieder nach vorn getragen werden“ , so sein Standpunkt. Damit die Deutschen in Polen erfolgreich sein können, riet Horst Siffrin, Bietergemeinschaften mit Polen zu bilden. Hartmut Paul unterstrich das. Die ersten gäbe es bereits. Er sprach von einem Netzwerk, welches die Kammern in den letzten Monaten geknüpft hätten, um den Firmen unter die Arme zu greifen.

Kontakte knüpfen
Diskussionen wie diese wurden dann am Sonnabend in der Eishalle in Weißwasser fortgeführt. Dabei ging es vor allem um gesetzliche Rahmenbedingungen für deutsch-polnische Kooperationen. Symposien boten umfangreiche Möglichkeiten, sich diesbezüglich Kenntnisse anzueignen bzw. diese zu vertiefen. Auch eine Kontaktbörse fand statt. Dazu hatten sich 50 Firmen von hier und 21 aus dem Nachbarland angemeldet, die zielgerichtet auf Partnersuche waren.