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| 17:47 Uhr

Fachleute auf Tour
Wie ein großes Klassentreffen

 Internationale Keramikexperten bekommen von Kathrin Najorka eine Fachführung durch ihre Töpferei.
Internationale Keramikexperten bekommen von Kathrin Najorka eine Fachführung durch ihre Töpferei. FOTO: Regina Weiß
Krauschwitz. Die Teilnehmer vom Internationalen Keramiksymposium in Bad Muskau schauen sich bei den Töpfereien in Krauschwitz und Sagar um.   Von Regina Weiß

Queeny hat es gut. Aus Frauchens Tasche hat sie das Geschehen genau im Blick. „Sie ist schon eine Keramikexpertin“, lacht Frauchen Alice Kaltenberger aus Wien. Die Dozentin aus der österreichischen Hauptstadt ist gemeinsam mit ihrem Mann Teilnehmerin des 52. Internationalen Keramiksymposiums des Arbeitskreises Keramikforschung, das in dieser Woche in Bad Muskau stattfindet. Über 90 Teilnehmer aus zwölf Ländern tauschen sich nicht nur fachlich aus, sondern lernen auch Land und Leute kennen. Alice Kaltenberger setzt sogar noch eins drauf. Jedes Symposium verbindet sie mit einer Woche Urlaub. So hat sie nun auch Bautzen, Görlitz und Löbau kennengelernt. „Wir lieben Ostdeutschland“, schwärmt sie.

In dieses Lob stimmt auch Eva Roht-Heege aus dem Kanton Zug mit ein. Die Archäologin aus der Schweiz nimmt ebenfalls am Symposium teil. Sie schätzt zum einen den fachlichen Austausch. „Das ist wie bei einem Klassentreffen“, deutet sie an, dass das Symposium weitaus mehr als nur Wissensvermittlung ist. Man freue sich jedes Mal, sich wieder zu sehen. In Bezug auf den diesjährigen Gastgeber Bad Muskau findet sie vor allem das Ambiente toll. Im Neuen Schloss finden nicht nur die Vorträge statt, sondern ist auch die aktuelle Sonderausstellung „Muskauer Steinzeug“ zu sehen. Eine bemerkenswerte Exposition sagen die Fachleute.

Das dürfte Helga Heinze heruntergehen wie Öl. Die Ausstellungskuratorin begleitet mit ihrem Kompagnon Holger Klein die Symposiumsteilnehmer bei ihren Exkursionen. Schließlich haben die Keramik-Spezialisten aus Sagar und Bad Muskau unzählige Freizeit in das Ausstellungsvorhaben und auch in das Symposium investiert. Die Stiftung Fürst-Pückler-Park und der Freundeskreis Historica organisieren das Ganze.

Bis zu 20 Töpfer gab es dereinst in Bad Muskau. Heute keinen mehr mit Werkstatt vor Ort. „Sicherlich haben die sich bei ihrer Fertigung auch versucht, voneinander abzuheben. Aber ganz so individuell werden sie nicht gewesen sein“, vermutet Töpfermeisterin Kathrin Najorka in Krauschwitz. Sie ist am Donnerstag neben Udo Hirche und Gordon Gran (beide Sagar) Gastgeber für die neugierigen Symposiumsteilnehmer.

Bei Kathrin Najorkas Töpferei beginnt der Rundgang am Tonloch. Diesen Rohstoff aus der heimatlichen Erde hat schon ihr Ur-Urgroßvater genutzt. Die 59-Jährige schwört dagegen auf den weltbesten Ton des Steinzeugwerkes nur einen Steinwurf von ihrer Töpferei entfernt. Den kann sie bis 1300 Grad Celsius erhitzen. Vorher geht es für den Ton in die Schwemme, dann in die Presse aus den 60er-Jahren und den Tonschneider, der eigentlich auch schon fast das Rentenalter erreicht hat. Diese Vorbereitungen seien schon körperlich schwere Arbeiten, sagt sie.

Aber auch die vielen Töpfermärkte seien nicht ohne. Noch am Donnerstag fährt die Krauschwitzerin nach Basel, um dort ihre individuellen Waren an die Frau und den Mann zu bringen. „Mir fällt immer wieder Neues ein“, sagt die Handwerkerin mit einem breiten Lachen. Ihr steht der Spaß an ihrer Arbeit ins Gesicht geschrieben.

 Internationale Keramikexperten bekommen von Kathrin Najorka eine Fachführung durch ihre Töpferei.
Internationale Keramikexperten bekommen von Kathrin Najorka eine Fachführung durch ihre Töpferei. FOTO: Regina Weiß